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 What does it mean to be an Angel? (beendet)

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Rae Black
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Nephilim
Anmeldedatum : 20.10.16
Alter : 25
BeitragThema: What does it mean to be an Angel? (beendet)   22.10.16 19:12

What does it mean to be an Angel?
06. August
Kirche
Amatiel und Rae



Nach einer ziemlich langen und vor allem ungemütlichen Reise war ich nun endlich wieder in einer einigermaßen annehmlichen Zivilisation angekommen. Redmond, Washington.  Die letzten Tage verbrachte ich in einem alten Güterwagon zwischen morschen Kisten und alten Laken, Kohle und Öl. Ich hatte es aufgegeben mich über die Reisewege oder Zustände in diesen zu machen, immerhin kam ich so kostenlos und und große Störung von Ort zu Ort. Mit ein wenig trocken Brot und Wasser kam ich meist über die Runden, manchmal auch ein wenig mehr wenn es das erstohlene Geld hergab. Zwar hatte mein Konto noch eine ziemlich gute Rücklage gehabt durch die Jahre bei der Army, doch manchmal kam ich einfach nicht dazu an dieses zu gelangen. Was eben nötig war um mein Leben irgendwie in eine Richtung laufen zu lassen. Dank dem Himmel und der lieben Engel  war mein Leben zerstört und leer, es gab nichts mehr was mich wirklich hielt. Lediglich das Gefühl von Hass und Rache hielt mich am leben und gab mir einen Sinn. Ich wollte mich an dem Himmel rächen, dafür das meine Familie den Tod gefunden hatte. Wenn sie mich gewollt hatten, wieso musste meine kleine Schwester sterben? Wieso meine Mutter, die doch gar nicht gewusst hatte das mein Vater ein Engel war? Engel waren grausame Monster. Wenn es Dämonen auch gab, wusste ich nicht ob diese wirklich schlimmer als die gefiederten Mörder sein könnten.

Nach der Zugfahrt brachte ich zu Fuß eine ziemliche Strecke hinter mich. Es war gut das ich durch diese Engelsgeschichte nicht so schnell erschöpfte wie ein normaler Mensch, das ich schneller war als ein solcher. So kam es das ich schon bald eine kleine Stadt erreicht hatte, durch die ich schritt und mich umblickte. Ich reiste ohne wirkliches Ziel, wollte einfach nur weiter und weiter. Wohlmöglich suchte ich einfach nach etwas was mir Grund zum leben gab, nach Antworten. Mir war klar das ich das nicht finden würde, doch die unterbewusste Hoffnung daran trieb mich an.
Mitten in diesem beschaulichem Städtchen erblickte ich eine alte Kirche, die gerade ziemlich gut besucht sein musste. Viele Autos standen davor, einige Menschen unterhielten sich vor ihren Toren. Ein Gotteshaus, ein Ort an dem Menschen an den Himmel beteten und ihm vertrauten. Wüssten sie wie Engel wirklick waren würde sicher niemand mehr an sie glauben, oder hoffen das sie ober ihn wachten..

Ich entschied mich jedoch auch dieses Haus zu betreten. Warum war mir nicht klar, ich hatte das Bedürfnis mir diese Sache anzusehen. Ich schritt durch die schwere Tür und fand mich in einer Halle wieder, wie man sie eben aus Kirchen kannte. Eine Stimme ertöhnte aus einer Richtung, scheinbar fand gerade eine Predigt statt. Na toll, jetzt gibst du dir das Gequatsche über den Gott der auf seine Kinder aufpasst.. Pah. Lügen.
Trotz dieser Verachtung ging ich weiter und ließ mich auf der letzten Bank in der hintersten Ecke nieder. Es war relativ gut gefüllt, die vorderen Bänke waren besetzt. Der Priester erzählte viel, vieles das ich nicht wahr nahm da meine Gedanken wo anders waren.  Ich fragte mich wieder warum mein Leben so lief, was ich schlimmes getan hatte um das zu verdienen. Das Engel mein Leben zerstörten, obwohl sie doch eigentlich genau das Gegenteil tun sollten? Der Prieser zog meine Aufmerksamkeit auf sich, denn ein Gefühl machte sich in mir breit. Das Gegühl wenn Engel anwesend waren war da, jagte mir sofort Gänsehaut durch den ganzen Körper. Ich sah  mich ein wenig paranoid um, meine Hand griff sofort an den Griff der silbernen Klinge. Ich hätte schwören können das dieser Priester etwas an sich hatte, also fixierte ich ihn mit meinen Augen. Ich spürte das sie wieder in dieser Mischung aus dem Grün und Blau strahlten. Das geschah immer wenn meine "Fähigkeit" einsetzte. Ich hielt meinen Blick auf dem Priester und wartete, bis die Predit vorbei war. Was dann sein würde? Ich wusste es noch nicht.


Zuletzt von Rae Black am 13.12.16 0:14 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Amatiel
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Engel
Anmeldedatum : 17.10.16
BeitragThema: Re: What does it mean to be an Angel? (beendet)   22.10.16 20:12

Es war ein Gottesdienst wie jeder andere. Es war immer das Gleiche. Das Thema wechselte, aber der Ablauf blieb gleich. Er stand da vorn und spielte seine Rolle. Im Gegenzug wurde er mit fürchterlichen Gesang beschallt und die beiden Ministranten und ein weitere Messdiener unterstützten ihn dabei. Es war wie ein Theaterstück mit festen Rollen, die jeder spielte. Immerhin kannte er seine Gemeinde und hatte dort einige gute Schauspieler dabei. Menschen konnten schon ziemlich verlogen sein. Solange sie anderen nicht dabei schadeten, war es ihm fast egal. Nicht einmal Engel waren vor Fehlern gefeit. Das wusste er. Er kannte seine Geschwister. Manchmal fragte der Priester sich ob er auch so war und es nicht merkte. Aber er hatte nie versucht sich die Herrschaft über den Himmel unter den Nagel zu reißen und er hatte auch nie versucht sich über die Menschen zu stellen. Er hatte auf sie aufgepasst, weil es von ihm verlangt worden war. Und auch jetzt hatten die Menschen ihm nichts angetan, was seine Wut auf sie ziehen könnte. Amatiel hatte sich lediglich um ein paar Menschen gekümmert, die er als Gefahr für ihre Mitmenschen einstufte. Er sah darin auch nichts Verwerfliches. Niemand hatte sie wirklich vermisst. Keiner hatte eine Spur gefunden. Natürlich nicht. Er war ja nicht dumm. Aber ansonsten nahm er sich seiner Gemeinde doch an. Mrs. Miller saß heute in der dritten Reihe. Eine gute Frau. Sie war eine ältere Dame, eine Witwe mit einem Sohn irgendwo in Connecticut. Das hatte sie ihm unzählige Male erzählt. Der Junge war wohl Ingenieur. Was auch immer das war. Er hatte freundlich genickt und gelächelt.

Es war ein Gottesdienst wie.... fast jeder andere, denn gegen Ende öffnete sich die Tür und eine junge Frau trat ein um sich in die letzte Reihe zu setzen. Er bedachte sie kurz mit einem Blick bevor er sich wieder auf seine Rolle konzentrierte, die er hier zu spielen hatte. Dennoch war mit der jungen Frau etwas in die Kirche gekommen, was ihm bekannt vorkam. Ein anderer Engel? Dafür war es zu schwach. Es fühlte sich fast nach zwei Engeln an, aber es war alles zu schwach. Amatiel runzelte die Stirn und versuchte sich mehr auf den Gottesdienst zu konzentrieren. Kein ganzer Engel., ging es ihm durch den Kopf. Als er den Blick nach der Ursache wandern ließ, blieb er an diesen leuchtenden Paar Augen hängen, welches ihn anstarrte. Er hielt kurz den Blickkontakt und wandte sich dann wieder dem Skript zu. Ein Nephilim. Das war überraschend. Das musste er zugeben. Aber zumindest hatte er sich nicht getäuscht, dass es die Rothaarige war, welche dieses Gefühl mit in den Raum getragen hatte. Aber das erklärte nicht diese andere Präsenz. Mehr ein Bruchteil einer Präsenz. Es war irritierend. Was wollte ein Nephilim hier? Wenn sie wusste, dass er ein Engel war, dann sollte sie es doch eher meiden hier zu sein. Oder war sie hier um ihn zu töten. Der Gedanke brachte ihn innerlich zum Lächeln. Da hatte er den Fall überlebt und sollte nun so sterben? Das würde man absehen müssen ob ein Handeln notwendig werden würde.

Der Priester schloss die Messe und wartete die Gespräche ab. Heute war wieder ein Beichttag. Natürlich gab es geregelte Zeiten. Immerhin konnte er nicht auf Verdacht in diesem schrankartigen Ding sitzen. Gut. Er konnte es. Der Engel musste nicht schlafen, nicht essen. Er könnte dort wachen. Aber er wollte es nicht. Es gab mehr für ihn zu tun als das. Schon allein das Amt, was seine Hülle ihm überlassen hatte, war aufwendig. Vor allem, wenn man immer noch nicht ganz wusste, wie Menschen funktionierten. Die Kirche leerte sich. Er löschte die Kerzen, die nicht mehr gebraucht wurden und füllte das Körbchen mit den Teelichtern nach. Die Kirche würde ein paar Stunden offenstehen. Stille Andacht, Kerzen. Menschen mochten so etwas. Sie war noch da. Das spürte er. Und noch immer fragte er sich wieso. Ein paar Leute waren noch da, redeten miteinander. Er selbst verabschiedete seine kleinen Helfer, schnappte sich das Gebetsbuch und bezog seinen Platz im Beichtstuhl. Dann konnte es ja los gehen.
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Rae Black
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Nephilim
Anmeldedatum : 20.10.16
Alter : 25
BeitragThema: Re: What does it mean to be an Angel? (beendet)   22.10.16 20:59

Während ich still und ohne mich zu bewegen auf dieser hölzernen Bank saß, meine kalten Hände diese Klinge umklammerten als würde sie mir irgendwie Halt geben und mein aufmerksamer Blick auf dem Priester lag verging die Predigt unerwartet schnell. Ich sah genau das er mich irgendwann bemerkte und meinen Blick eine Sekunde erwiderte, mir in die Augen sah. In dieser Sekunde machte ich ein unschönes Gefühl in mir breit, das wie ein Messerstich in meinen Kopf drang. Ich konnte es nicht zuordnen, da es eine Mischung aus der Wahrnehmung einer Engelsaura war und etwas anderes. Vielleicht war es einfach das ganze Kirchenambiente das mich durcheinander brachte. Ich war noch nie zuvor in einer gewesen, also wusste ich leider nicht ob es wirklich an diesem Haus Gottes lag. Doch was auch immer es war: Es war ein Engel anwesend. Und dieser Engel war der Priester, der den Menschen gerade etwas über Gott und dessen Kinder erzählte. In der Sekunde als er mir in die Augen gesehen hatte wusste ich das er dieser Engel war, ich sah seine wahre Gestalt hinter dem menschlichen Körper.
Die Menschen hier sangen mit ihm und lauschten seinen Worten, konzentrierten sich ganz auf ihn. Es wäre gar kein übler Anblick gewesen wenn ich nicht gewusst hätte wie der Himmel sein konnte, wie die Engel waren. Stattdessen machte mich das alles traurig und wütend zugleich.

Die Predigt wurde beendet und viele verließen die Kirche nachdem sie eine Kerze anzündeten, sich mit einigen anderen unterhielten. Ein paar Leute legten die Bücher ordentlich zusammen, ehe sie die Kirchentore wieder durchquerten. Der Priester löschte einige Kerzen und räumte diese weg, machte ein paar Dinge und lief umher. Ich saß unbewegt auf der Bank, sah ihn an. Erst als er sich in diesem Kasten zurück zog lag mein Blick auf dem Altar, den brennenden Kerzen davor. Tatsächlich war auch ich als Kind relativ naiv. Ich glaubte an Gott, das es etwas gab das auf uns aufpasste. Selbst als alles schlecht wurde und ich von dem Freund meiner Mutter geschlagen wurde glaubte ich an das Gute der Welt. Ich hielt es für verdient, vielleicht hatte ich einmal etwas so schlechtes getan das es so richtig war. "Gott hat dich in dieses leben gebracht, also hat es einen Sinn. Er wird mit dir durch jedes Feuer gehen." Nach und nach lachte ich darüber, lachte über meine eigenen Gedanken. Das ich gedacht hatte es gäbe Gutes in der Welt, es gäbe Gerechtigkeit und jemanden der allem einen Sinn geben würde. Wenn es einen Gott gab war dieser genau wie Engel ein verdammter Mistkerl. Die Wut in mir wuchs wieder, ich spürte das meine Augen wieder dieses Blau in sich trugen. Mit langsamen Schritten ging ich zum Altar nach vorn, nahm mir eine Kerze und kniete mich vor die steinerne Stufe. Zündete die Kerze an, stellte sie ein wenig weiter weg von den anderen. Der Gedanken lag bei meiner Mutter, bei meiner kleinen Schwester. Selbst bei ihrem Freund. Ich glaubte trotz allem daran das sie nach ihrem grausamen Tod wenigstens ein schönen Ort im Himmel bekamen. Einen Ort als Familie, ohne Angst und Schmerz.

Nach und nach verließ jemand diesen Beichtstuhl und wirkte erleichtert. Es waren unterschiedliche Personen, vom Anzugträger hin bis zur alten Dame. Neben mir tauchte plötzlich eine solche auf und erschreckte mich zu Tode, beinahe so sehr das ich wieder zur Klinge griff. Doch meine Reaktion war gut genug um vor einem fatalen Fehler zu schalten und zu erkennen das es nur eine alte Dame war. Sie lächelte mich an, schaute die Kerze an. "Es ist richtig, hier zu sein. Du scheinst viel erlebt zu haben.. Die Beichte sollte deiner Seele gut tun. Vertrau umserem Gott, vertrau seinem Gesandten Priester." Ihre Hand berührte kurz meine Schulter ehe sie auch die Kirche verließ. Ich wusste nicht ob ich über diese Worte lachen sollte oder weinen. In Gott vertrauen? Im Leben nicht. Ich verachtete ihn. Dabei war ich ein halber Engel, eigentlich müsste er doch auf mich aufpassen. Ich war doch zur Hälfte sein Kind, oder nicht?
Nach einem innerlichen Kampf beschloss ich es zu versuchen. Also betrat auch ich diesen Beichtstuhl, kniete mich ein wenig unbeholfen vor dieses kleine Gitter und sah mich um. Nie zuvor war ich in einem dieser Schränke gewesen. Die Tür zog ich zu, versuchte mich zu konzentrieren. Dieser Priester, dieser Engel saß direkt vor mir. Das Gefühl seiner Anwesenheit war stärker als zuvor und die Situation ließ mich ebenfalls ein wenig unsicher werden. Ich saß in einem Beichtstuhl und hatte absolut keine Ahnung weshalb.
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Amatiel
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Engel
Anmeldedatum : 17.10.16
BeitragThema: Re: What does it mean to be an Angel? (beendet)   22.10.16 21:58

Vermutlich war es gut, dass immer noch ein paar Leute in der Kirche zurückblieben um zu reden. Es bot denen, die die Beichte ablegen wollten ein wenig Schutz in der Menge. Man war weniger auf dem Präsentierteller. So erklärte es sich jedenfalls der Engel. Es schien Menschen unangenehm, wenn man sie bei Dingen erwischte, die offenbar nicht für die Augen anderer gedacht waren und immer wieder fragte er sich dann, warum sie es offenbar trotzdem taten. Er hatte einmal gesehen, wie eine Mutter ihren Sohn geschimpft hatte, weil er den Finger in der Nase hatte. Das hatte den Jungen nicht davon abgehalten. Er hatte es dann eben nur getan, wenn die Mutter nicht hingesehen hatte. Aber als er gesehen hatte, wie Amatiel es gesehen hatte, hatte er es unterlassen und war rot geworden. Offenbar machte es einen Unterschied wer einen erwischte. Aber es hielt die Menschen nicht ab solche Dinge zu tun. Zumindest nicht lange. Und genau deshalb hatte er sehr oft die selben Leute bei sich im Beichtstuhl. Wie auch heute. Es waren der Ehebrecher und der Dieb dabei. Und die alte Dame, die eigentlich nicht hier sein müsste. Immerhin legte sie die geklaute Zeitung immer wieder zurück zu ihrem Nachbarn. Menschen waren schon eigenartige Geschöpfe. Vermutlich wussten sie gar nicht wie kurios sie auf andere Geschöpfe wirkten.

Noch immer fühlte er die Nephilim in der Nähe. Und irgendwann ganz nah. Genau wie die Gnade. Dieser Hauch einer Gnade. Es war ein eigenartiges Gefühl zu wissen, dass die beiden nur diese dünne Wand trennte und das vergitterte kleine Fenster. Er seufzte leise. Amatiel wusste nicht, was jetzt folgen würde. Die Rothaarige sagte nichts, also ging er davon aus, dass sie wohl erwartete, dass er den ersten Schritt in diesem Gespräch tat. Oder wollte sie tatsächlich beichten? Diese Möglichkeit erschien mit einem Mal irgendwie grotesk und zweifelhaft. Immerhin wussten sie beide, was der jeweils andere war. Aber wenn sie das übliche Prozedere wollte, dann würde er ihr den Beichtvater spielen. Amatiel räusperte sich leise. "Was kann Gott, der Herr für dich tun..." Am Ende stockte er leicht. Er hatte gehört, dass manche Priester wohl am Ende noch ein 'mein Kind' einfügten. Aber das erschien ihm mehr als unpassend. Zum einen sollte es solche Kinder nicht geben. Zum anderen war sie nicht sein Kind. Sonst würde er nicht sehr lebendig hier sitzen. Er schwieg und wartete ab, was sie zu sagen hatte. Nebenbei blätterte er in dem Buch auf seinem Schoß zu den passenden Worten zur Beichtabnahme. Im Grunde kannte er die Worte schon aus dem Kopf. Er fragte sich ob es seinen Vater interessierte, was die Menschen zu beichten hatten. Gott mochte die Menschen genug um ihnen Engel als Aufpasser an die Seite zu stellen, aber offenbar nicht genug um solche Bindungen zu erlauben, die zu so etwas wie Nephilim führten. Nephilim waren für Menschen und Engel gleichermaßen gefährlich, wenn sie außer Kontrolle gerieten. Er wusste um die Stärke dieser Wesen.

Noch immer fragte er sich, was es mit ihrem Besuch auf sich hatte. Kannte er den Engel, der in ihrer Zeugung beteiligt gewesen war? Was hatte es mit der Gnade auf sich, die schwach zu ihm durchdrang. Wie ein feiner Geruch. Nicht wirklich greifbar und doch vertraut. Hatte man die rothaarige Frau zu ihm geschickt? Hatte sie ihn allein aufgespürt? Und wenn ja zu welchem Zweck. Es war verwirrend und wenn er ehrlich war, dann war der Priester etwas beunruhigt. Sollte es zum Kampf kommen, dann hoffte er, dass keiner mehr in der Kirche war um das mitzuerleben oder zu sehen. Aber im Moment passierte nichts dergleichen. Wenn ihr nach kämpfen zumute war, dann würde sie sicherlich auch auf solche Kleinigkeiten keine Rücksicht nehmen. Er konnte also nur weiter abwarten. War der Beichtstuhl schon immer so eng gewesen?
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Rae Black
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Nephilim
Anmeldedatum : 20.10.16
Alter : 25
BeitragThema: Re: What does it mean to be an Angel? (beendet)   22.10.16 22:26

Meine Knie lagen unsicher auf dieser durchgedrückten Bank, während ich mich mit den Ellenbogen auf dem kleinen Brett vor mir abstützte und den Blick weiterhin durch diese dunkle Kammer schweifen ließ. Es war ein leichtes Licht welches durch das Holz schien, auch weil ein schwaches Licht in diesem Stuhl scheinbar ein sicheres Gefühl geben sollte. Doch ich fühlte mich ziemlich unwohl, eingeengt in dieser Kabine und in halber Dunkelheit. Wenn man es genau nehmen würde war ich dem Engel auf der anderen Seite ausgeliefert, falls er wie die anderen Engel dachte und mich als Nephilim töten wollte. Ich wusste nicht welche Fähigkeiten Engel hatten die sie im Kampf einsetzen konnten, doch mir war klar das sie alles andere als schwach und hilflos waren. Ich musste im Gegenzug sehr stark sein, stärker als normale Engel. Das könnte erklären weshalb ich gegen Zwei fast problemlos zurecht kam, weshalb ich diese Klingt bei mir trug und einige Engel auf meiner Liste hatte. Manchmal tauchte einfach einer auf in menschlicher Gestalt und versuchte mich hinterrücks zu töten. Manchmal kam ich in eine ziemlich unschöne Lage, doch rechneten sie nie damit das ich so stark war und vor allem eines hatte: Diese Klinge. Ich hatte bereits festgestellt das ein normales Messer Engel nicht töten konnte. Diese silberne Klinge jedoch konnte es. Warum dies so war verstand ich nicht, doch ich war umso erleichterter das ich sie immer bei mir trug.


Engel waren seltsame Wesen. Auf der einen Seite schienen sie verzweifelt zu sein, allesamt. Die letzten Engel die mich angriffen sagten Dinge die mich verwirrten. Ich konnte leider nie weiter hinterfragen, da sie meist die Klinge in der Brust hatten bevor ich in dieser Rolle sein würde. Einige sagten das sie mit meinem Tod das Ticket in den Himmel hätten, das der Tod einer verbotenen Missgeburt eine erledigte Sünde wäre. Sie sprachen von Sünde und dem Himmel, im selben Moment versuchten sie mich zu töten. Ich verstand einfach nicht weshalb ich eine Sünde sein sollte die Gott nicht gewollt hatte. Nur weil mein Vater ein Engel war, der einen Menschen geschwängert hatte? Ich konnte nichts für was ich war, meine Mutter ebenso wenig. Dennoch hatten sie nicht gezögert alles Leben auszulöschen. Nicht einmal mit der Wimper gezuckt.
Mein Gegenüber begann nach einer Zeit des unangenehmen Schweigens ein paar Worte zu sprechen. Natürlich, ich war in einem Beichtstuhl. Mir war klar das dieser Engel sicher verwirrt war weshalb ich nun in dieser Kiste saß, weshalb ich scheinbar beichten wollte. Sicher sah auch er mich als Gefahr für sich selbst an, er wusste sicherlich was ich war und das ich auf der Liste der verbotenen Dinge stand. Ganz fett unterstrichen. Meine Aufmerksamkeit konzentrierte sich vollkommen auf das was hier geschah. Wenn ich ehrlich war rechnete ich jederzeit damit das jemand diesen Vorhang aufriss und eine Horde von Engeln mich aus diesem Kasten zerrte und mich töten würde. Warum glaubte ich das ich ausgerechnet in einer Kirche sicher war?


Ich sagte nichts. Ich wusste nicht was ich sagen sollte. Könnte ich diesem Engel wirklich erzählen das ich seine Brüder und Schwestern getötet hatte? Das ich Menschen bestohlen hatte? Das ich in meiner Zeit in der Army Menschen getötet hatte um mich und meine Kameraden zu schützen?
Ich schloss die Augen, atmete tief durch und legte die Hand von der Klinge auf meine Brust, griff nach der Kette die um meinen Hals lag. Gerade jetzt strahlte sie wieder etwas aus was mich beruhigte. Manchmal war es, als wäre ein sanfter Wind um mich herum der mich wärmte, der mir gut tat. In Situationen die mich unter Druck setzten und die meine Engelhafte Seite in mir hervor riefen begann diese Kette eine unglaublich beruhigende Wirkung auf mich zu haben. Ich wusste nicht warum, aber es fühlte sich gut an.
"Ich möchte meine.. Sünden beichten." sprach ich mit leiser Stimme. Innerlich zog sich gerade alles zusammen. Ich wusste nicht warum ich das tat. Vermutlich wäre es das Beste gewesen sofort diesen Stuhl zu verlassen, diese Kirche zu verlassen und nie wieder auch nur in die Nähe zu kommen. Wer wusste schon ob nicht gerade andere Engel wussten das ich hier war und diese Situation nutzen würden? Doch statt zu tun was mein Instinkt verlangte blieb ich sitzen, starrte auf meine Kette und wartete ab, wie diese Beichte weiter gehen würde.
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Amatiel
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Engel
Anmeldedatum : 17.10.16
BeitragThema: Re: What does it mean to be an Angel? (beendet)   22.10.16 23:18

Auch nachdem er das Wort ergriffen hatte, herrschte weiter diese Stille. Von der Ferne hörte man das Murmeln und die Gespräche anderer Kirchenbesucher. Eine Frau lachte leise auf. Es war faszinierend, wie so ein Ort Menschen verband. Wie sie da saßen und sich Dinge anhörte, die sehr oft nicht den Tatsachen entsprachen, aber sie offenbar beruhigten und ihnen Trost spendeten. Oft saßen Menschen in den Bankreihen um ein wenig für sich zu sein. Das selbe hatte er auf Friedhöfen und in Krankenhäusern bemerkt. Sie wirkten dann immer etwas verloren und abwesend. Amatiel mochte diese Orte. Es war als würde man dort durch die Maske schauen können, die Menschen um sich trugen. Leid, Schmerz, Freude und alles so ungefiltert. Immerhin versuchte er wirklich das mit den Menschen zu verstehen. Es musste ja einen Grund geben wieso sie für Gott so schützenswert erschienen. Niemand hatte es hinterfragt, wenn er durch die Krankenhäuser lief oder sich auf dem Friedhof aufhielt. Im Gegenteil. Man suchte dann das Gespräch mit ihm. Durch einen Zufall hatte er mal die alte Mrs. Miller im Krankenhaus vorgefunden. Ihr Aufenthalt wurde mysteriöserweise hinfällig nachdem sie so plötzlich gesundet war. Ein paar der Menschen hatte er doch irgendwo schätzen gelernt. Auch, wenn er nicht behaupten konnte, dass er Freunde hatte. Er hatte nur eine Familie mit der er nicht viel anfangen konnte. Sowohl leiblich als auch geborgt.

Amatiel achtete gerade mehr auf die Stimmen außerhalb des Beichtstuhls um sich davon abzulenken, dass es hier gerade wirklich seltsam war. Schritte, Stimmen, das Knarzen von Holz. Jemand lief die Empore entlang. Vermutlich der Organist, der nach getaner Arbeit etwas Pause gemacht hatte und jetzt auch gehen würde. Tatsächlich war das Orgelspiel immer noch der beste Teil des Gottesdienstes. Irgendwann kehrte seine Aufmerksamkeit zurück in den geteilten Raum hinter den Holztüren. Es war still. Als hätte man hier drinnen den Ton abgestellt. Nur das Papier raschelte leise, als er das Stofflesezeichen des Buches richtete. Der Dunkelhaarige wollte schon wieder das Wort ergreifen, als sie dann doch sprach. Er war ein wenig baff. Er hatte schon fast nicht mehr damit gerechnet.

Er nickte, auch, wenn er wusste, dass sie es wahrscheinlich nicht sehen konnte. Auf diese Beichte war er wirklich gespannt. Vermutlich mehr als auf alle anderen davor. Beichten waren immer interessant. Man spürte es, wenn jemand aufrichtig Reue zeigte und das erlebte er einfach viel zu selten. "So bekenne deine Sünden vor dem Herrn.", erwiderte er mit ruhiger Stimme. Amatiel war erleichtert, dass man seine Unruhe nicht heraushören konnte. Er wusste noch immer nicht, was er davon halten sollte. Aber die nächsten Minuten würden wohl die Wahrheit über ihren Aufenthalt bringen. Wie auch immer diese Wahrheit aussehen würde. Und hoffentlich würde sich das mit der Gnade auch erklären. So etwas trug man nicht einfach spazieren, oder? Er hatte so etwas noch nie erlebt. Er war angespannt. Der Engel wusste nicht, was hier los war und er mochte es nicht, wenn Dinge so aus der Kontrolle gerieten. Dann fühlte man sich verletzbar. Wie nach dem Fall... Das war nicht gerade eine gute Zeit gewesen. Aber er hatte sein Leben wieder halbwegs gefestigt.
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Rae Black
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Nephilim
Anmeldedatum : 20.10.16
Alter : 25
BeitragThema: Re: What does it mean to be an Angel? (beendet)   23.10.16 0:15

Meine Aufmerksamkeit glitt immer wieder von dieser Stille zwischen dem Engel vor mir und den Menschen in der Kirche umher. Es wirkte beinahe wie eine betäubte Stille, als würde ich in einer abgeschotteten Blase sitzen. Alle Geräusche kamen nur gedämpft bei mir an, als würde ein Filter vor mir stehen. Vielmehr jedoch versuchte ich die möglich drohende Gefahr zu bemerken bevor es zu spät war, falls es diese geben sollte. Als ein paar Schritte ziemlich nah erklangen zuckte ich zusammen und spannte jeden Muskel an, bereit sofort zu reagieren falls nötig. Mein Herz schlug unglaublich schnell und fest, meine Atmung war schneller als sonst und die Sekunden schienen sich in die Länge zu ziehen wie ein Kaugummi. Als die Schritte langsam wieder verschwanden atmete ich erleichtert auf und entspannte meinen Körper wieder.  Erst in dieser Sekunde merkte ich wie unglaublich paranoid ich wirklich war, wie ich in jedem Geräusch eine mögliche Gefahr sah. Beruhig dich, Rae. Sollte ein weiterer Engel diese Kirche betreten wirst du ihn spüren. Du bemerkst ihn bevor er weiß das du ihn entdeckt hast..


Es wirkte als würden wir beide darauf warten was der andere tun würde, immer darauf bedacht jeden möglichen Funken von Gefahr wahr zu nehmen. Ich dachte mittlerweile das er mich längst getötet hätte wenn er es gewollt hätte, bis mir einfiel das hier zu viele Menschen sind. Ein Priester der ein junges Mädchen umbrachte? Nein, diese Gefahr würde er nicht eingehen wollen. Vermutlich waren die anderen Besucher meine Sicherheit. Oder?
Ein leises Papierrascheln erklang von gegenüber, scheinbar war auch er ziemlich angespannt. Mein Hals fühlte sich so unfassbar trocken und betäubt an, als wolle mein Körper nicht zulassen das ich etwas sagte.  
Nachdem meine Worte meine Kehle verlassen hatten herrschte wieder diese unangenehme Stille zwischen uns.  Vielleicht war er ebenso wie ich unsicher was das hier gab? Sicher war es für ihn nicht alltäglich etwas nicht menschliches in diesem Stuhl sitzen zu haben. Vor allem einen Nephilim zu begegnen, die laut Himmel verboten sind und sofort getötet werden. Also saß ihm das größte Verbrechen des Himmels gegenüber.


Endlich sagte er etwas, auch wenn es wohl die üblichen Worte zur Einleitung einer Beichte waren. Jetzt schien ich wieder an der Reihe zu sein. Ich wusste wirklich nicht was ich tun sollte, ob ich lachen oder weinen wollte. Letztendlich drang ein leises, verächtliches Lachen aus meiner Kehle. Ja, diese Worte hatten definitiv einen Nerv getroffen. Meine Meinung von Gott war wirklich nicht die Beste nach allem, das schien man an diesem leisen Lachen auch gemerkt zu haben. Aber ein Engel erkannte solche menschlichen Züge nicht, oder etwa doch?
Ich saß in einem Beichtstuhl, mir gegenüber ein Priester der ein Engel war. Welch Ironie das war. Also gut, ich würde beichten. Ich würde ihm vortragen was der Himmel mir alles angetan hatte.
"Ich habe viele Sünden begangen. Sehr viele." sprach ich leise und schloss die Augen. Trotz diesem Gitter wollte ich nicht riskieren das er mir in die Augen schauen konnte. Augen zeigten meistens die Schwäche eines Menschen, und ich wollte nicht zulassen meine Schwächen zu  zeigen.
Vermutlich waren meine 'Sünden' auch ein Teil von Schwäche, aber vielleicht würde es gut tun alles erzählen zu können. Auch wenn es ein Engel war, dem ich es erzählte.


"Ich habe getötet.. Menschen. Menschen die sich verteidigen wollten, die aus Angst handelten. Ich erschoss sie. Schnitt einem die Kehle durch. Ich badete in Blut von diesem Menschen, nur um meine Kameraden zu beschützen.  Ich.. Sprengte ein Haus in die Luft in dem Menschen waren, weil man es mir befohlen hatte.  Ich sah einem in die Augen und konnte zusehen wie das Leben aus ihm wich, wie die Angst mich fixierte.. Die Angst in seinen Augen." flüsterte ich mit heiserer Stimme. "Ich habe getötet.. Engel getötet. Zwei in meinem zu Hause.. Und danach einige weitere. Ich habe sie einfach getötet, ohne mit der Wimper zu zucken. Sie griffen mich an, aber ich erstach sie alle. Ließ sie einfach liegen und ging weiter.. Ich habe gestohlen und betrogen, gelogen.." fuhr ich fort, schluckte einmal schwer um nicht schwach zu werden. "Und ich werde weiterhin Engel töten. Mich werden immer weiter Engel angreifen, um mich zu töten. Um mein Wesen auszulöschen, weil ich verboten bin. Ich werde weiterhin töten, stehlen und schlimme Dinge tun.. Und ich werde in die Hölle wandern, wenn mich irgendwann endlich jemand töten wird.."  Meine Stimme war brüchig und seit langem ehrlich. Ich wusste nicht was ich hätte sagen sollen. Ich hatte viele Fragen, die ich mich nicht zu fragen wagte. Ich wartete ab, was er nun sagen würde. Was er tun würde.
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Amatiel
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Engel
Anmeldedatum : 17.10.16
BeitragThema: Re: What does it mean to be an Angel? (beendet)   23.10.16 1:04

Viele Sünden? Das konnte ja interessant werden. Amatiel hob leicht eine Augenbraue. Aber er war bereit. Hauptsache diese Stille würde verschwinden. Ein Gespräch war besser als dieses Schweigen. Dann würde er vielleicht auch wissen, woran er hier war und weshalb sie hier war. Vorher würde er nicht eingreifen oder gar angreifen. Vielleicht war es wichtig, dass sie hier war. Wer wusste schon wie verrückt die Umstände waren? Amatiel überlegte wie alt sie zu sein schien und fragte sich wie sie so lange überlebt hatte. Zumindest wusste er nichts von der Existenz dieses oder eines anderen Nephilims als er noch im Himmel war. Immerhin galten sie als ausgelöscht. Aber das war auch wieder der Beweis, dass Engel nicht fehlerfrei waren. Nicht besser als der Ehebrecher, der hier einmal im Monat auftauchte. Aber es war nicht so, dass das alles ein großes Geheimnis war. Nicht einmal im Himmel war es das. Der Engel fragte sich warum Gott es dann zugelassen hatte, dass Kinder aus solchen Beziehungen entstehen konnten, wenn es so schändlich war. Aber er hatte das nicht zu hinterfragen und konnte es auch nicht klären. Es war nicht seine Schöpfung.

Sie lachte. Da war nicht sehr viel Sympathie zu hören. Der Priester verzog etwas das Gesicht, ließ es aber unkommentiert. Was hatte er erwartet von einem Nephilim erwartet? Amatiel wusste nicht ob das eine Provokation sein sollte. Er würde nicht darauf eingehen. Er würde abwarten. Und dann fing sie an zu reden. Er hörte zu und unterbrach sie nicht. Sie hatte also Menschen getötet. Der Dunkelhaarige war erst überrascht, dann merkte er aber, dass er wohl so etwas wie ein Soldat gewesen sein musste. Sie sprach von Kameraden. Das klang nach Kampf. Das war keine Sünde. Es waren vermutlich Befehle gewesen. Aber auf jeden Fall hatte es einem größeren Gut gedient. Sie hatte gerettet, was sie für schützenswert gehalten hatte. Leben. Manchmal nahm man Leben um Leben zu schützen. Der Engel würde das nicht als Sünde bezeichnen. Dann kam sie zu den Engeln und man hörte, wie er kurz tief einatmete. Das wiederum fand er weniger gut. Aber er sagte wieder nichts. Er merkte nur, wie seine Hände sich leicht in den Einband des Buches krallten. Das mit dem Stehlen hörte er eigentlich schon gar nicht mehr. Es klang auch nicht nach Reue. Eher nach tiefer Verbitterung und Verzweiflung. Bis mich endlich jemand töten wird. Meinte sie das ernst? War sie hier um ihn zu töten oder um von ihm getötet zu werden. Das irritierte ihn.

Er schwieg und wartete ob sie noch weiter reden würde. Dann ergriff er wieder das Wort. "Wer von uns ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.", flüsterte er und lachte tatsächlich leise. Hatte er auch irgendwann mal in der Bibel gelesen. Zum einen erwarteten die Menschen Strafe von Gott und zur anderen schienen alle Sünden durch dieses Zitat nichtig zu wirken. "Es ist keine Schande zu töten, wenn man keinen anderen Ausweg sieht.", meinte er dann. "Es ist keine Schande zu töten, wenn man jemanden schützen will oder muss." Das hatte er auch getan, unzählige Male. Sie alle. Er klappte das Buch zu. Immerhin war sie nicht für Vergebung hier. Dass Engel sie weiter angreifen würden, das war eine Tatsache. Er schwieg kurz. "Wieso bist du hier? Bist du hier um mich wie meine Geschwister zu töten oder um getötet zu werden und ein Ende zu finden?" Nach einer Pause fuhr er fort. "Ich habe kein Interesse daran zu kämpfen.", fügte er an. "Einer der Gründe warum ich hier bin. Aber was führt dich hier her?"
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Rae Black
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Nephilim
Anmeldedatum : 20.10.16
Alter : 25
BeitragThema: Re: What does it mean to be an Angel? (beendet)   23.10.16 1:35

Ich konnte die ganze Zeit über nichts von der anderen Seite vernehmen. Keinen Laut, kein Geräusch. Während ich sprach blendete ich alles um mich herum aus, konzentrierte mich auf mich und die Kette in meiner Hand. Sie beruhigte mich in diesem Moment sehr, wofür ich äußert dankbar war. Ich wollte keine Emotionen zeigen, weder Wut noch Trauer. Nicht hier, nicht vor diesem Engel. Auch wenn er mich nicht sah, ich wusste das er jedes Geräusch hörte. Jedes Atmen und jedes Seufzen würde er hören, somit war sofort klar das ich meine Gefühle nicht verstecken konnte. Also ließ ich sie soweit es ging hinter der hohen Mauer gesperrt. So wie ich es immer tat. Ich spürte das es mir leid tat. Nicht jede Seele deren Leben ich ausgelöscht hatte. Weitaus nicht jede. Doch in meinem Kopf hatte ich Ein, Zwei Anblicke von Augenpaaren die mich ansahen, voller Wut und Hass. Wenige Sekunden später, als das Messer in ihren Herzen steckte wich dieser Hass und wurde durch Angst ersetzt. Diese Augen blickten mich feucht an, zeigten die Angst die sie hatten. Ein Augenpaar von ihnen gehörte einem Kind, einem Soldaten der gerade einmal 14 Jahre alt war. Das andere war von einem Vater einer Großfamilie, der doch nur Geld fürs Überleben seiner Kinder wollte. Was gab mir das Recht so viele Leben zu beenden, nur um meines zu schützen? Ja, es tat mir leid. Doch nur diese, die Morde an den Engeln taten mir nicht leid. Nicht auch nur ansatzweise. Sie hatten mich jedes mal angegriffen, ließen mir keine andere Wahl. Und selbst in ihnen sah man die Angst als sie starben. Die Angst, nicht zu wissen was nach ihrem Tod kommen würde. Wohin gingen Engel wenn sie starben?

Ich wusste nicht was der Engel mir gegenüber dachte als ich ihm erzählte seine Brüder und Schwestern getötet zu haben. Hass? War es ihm egal? Ich konnte nur raten was es sein würde.
Nachdem ich meine Worte beendet hatte herrschte wieder einen Moment Stille. Diesmal jedoch war sie nicht unangenehm, es wirkte eher als kleine Pause für mich tief durchzuatmen, mich zu sammeln und wieder zu konzentrieren. Er ergriff das Wort wieder und brachte einen Spruch über den ich nur schmunzeln konnte. Niemand war ohne Sünde, nicht einmal die Engel wie es schien. Menschen sowieso nicht. Menschen begangen Sünden am laufenden Band und wussten es genau. Dennoch geschah es immer wieder. Menschen waren seltsam.
Er meinte es sei keine Schande zu töten wenn man keinen Ausweg sieht, wenn man sich oder jemanden schützen will. Schützen muss. Hatte es einen anderen Ausweg gegeben, als die Engel zu töten? Nein, vermutlich nicht. Sie hätten mich gejagt bis sie mich endlich bekommen hätten, bis mein Leben ausgelöscht war. Oder eben ihres beendet war.

Ich hörte wie er ein Buch zu klappte und einen Moment schwieg. Scheinbar wusste er das ich nicht nach Vergebung suchte. Nach was suchte ich hier? Ich wusste es selbst nicht. Vielleicht nach Antworten, vielleicht wollte ich von ihm, einem Engel wissen warum man mich jagte, warum all das geschehen musste. Nach einer kurzen Pause sprach er wieder, diesmal jedoch nicht als Priester. Diesmal waren es eigene Worte. Er wollte wissen warum hier hier war, ob ich ihn töten wollte wie seine Geschwister. Oder sogar getötet werden wollte. Ich schmunzelte wieder leicht, bis er fort fuhr. Er beteuerte keine Interesse an einem Kampf zu haben, fragte erneut was mich in diese Kirche, auf diesen Stuhl brachte. Es dauerte ehe ich sprechen konnte, denn die Antwort kannte nicht einmal ich selbst. "Ich bin nicht hier um darum zu betteln von einem Engel getötet zu werden. Wenn ich sterbe, dann wenigstens mit ein wenig Würde."gab ich verächtlich lachend von mir und öffnete die Augen wieder. "Ich suche jedenfalls keine Vergebung. Das wäre scheinheilig. Engel töten und dann bei ihrem Daddy um Vergebung bitten.. Nein. Ich weiß nicht was ich mir erhofft habe hier zu finden." gestand ich und blickte diesen Schlitz zwischen uns an. "Ich weiß das du ein Engel bist. Und ich weiß, das du weißt was ich bin." meinte ich ein wenig leiser und fuhr mit der Hand durch mein offenes Haar. "Warum hasst man mich so sehr? Warum hat Gott die Entstehung dieser Art zugelassen und verlangt von Engeln sie zu töten, sollte eines existieren? Warum versuchen Engel mich zu töten, ohne das ich etwas schlimmes getan habe? Ich kann doch nichts dafür was ich bin. Könnte ich es mir aussuchen würde ich darauf verzichten eine himmlische Tötungsmaschine zu sein.. Ich weiß nicht mal etwas über meine.. 'Gattung'.." Sprach ich leise. Wohl eher sprach ich mehr zu mir selbst statt zu ihm, doch innerlich erhoffte ich mir wohl Antworten auf diese verwirrten Fragen.

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Amatiel
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BeitragThema: Re: What does it mean to be an Angel? (beendet)   23.10.16 2:13

Wieder war da eine Pause bis die junge Frau wieder das Wort ergriff. "Meinst du so etwas gibt es? Mit Würde sterben?", fragte der Priester dann. "Ich habe die Tode zahlloser anderer miterlebt und ich glaube keiner davon war würdevoll oder heldenhaft, wie die Nachwelt es später behaupten würde." Das, was die Menschen nach dem Tod erwartete war eine Sache, wie es bei seiner Art war. Das hatte er selbst noch nicht so ergründet. War man einfach weg? Vielleicht. Interessierte es ihn? Eher nicht. Amatiel dachte nicht daran so schnell zu sterben. Vor allem nicht weil er die Befehle irgendeines Irren auszuführen sollte. Er schnaubte leise. "Vielleicht interessiert es ihren Daddy auch überhaupt nicht?", meinte er mit leiser Stimme. "Man hat lange nichts mehr von ihm gehört und gesehen. In menschlichen Maßstäben gesprochen reden wir von einer Ewigkeit." Das war eine unangenehme Tatsache. Wie würden die Menschen in der Kirche reagieren, wenn sie wüssten, dass Gott verschwunden war? Zumindest so weit verschwunden, dass er für seine Kinder unerreichbar und unauffindbar war.

Ihre Frage war berechtigt. "Das musst du ihn selber fragen, falls du ihm je begegnen solltest." Er sprach immer noch recht ruhig. "Aber ich glaube der Fall wird wohl nie eintreten. Ich bin ihm selbst auch nie begegnet. Wie die meisten von uns." Vom Zustand des Himmels wollte man gar nicht erst anfangen zu reden. Eine Frage konnte er zumindest beantworten. "Weil die Gefahr bestehen könnte, dass die Nephilim ihre Fähigkeiten nutzen könnten um sowohl den Menschen als auch dem Himmel zu schaden. Es wäre nicht das erste Mal, dass Gott so drastisch eingegriffen hat um eine Schöpfung vor der anderen zu schützen." Er zuckte die Schultern. "Das ist der Grund warum man Wesen wie dich jagt. Glaubst du nicht auch, dass die Menschen dich nicht ebenfalls jagen würde, wenn sie dein Geheimnis kennen würden? Entweder das oder sie würden dich für ihre Zwecke nutzen wollen." Wenn er so darüber nachdachte. "Und vielleicht ist das auch nur ein weiterer Grund warum man Nephilim nicht gutheißt." Er legte den Kopf schief. "Engel sollen nicht fühlen. Nicht lieben. Keine Trauer kennen. Gefühle machen schwach und verwundbar.", fügte er an. "Wir sind da um zu schützen und zu kämpfen und ja, auch um zu töten." Ein Nephilim war auch immer ein Beweis, dass Engel sich diesen Dingen entzogen hatte. Dass er geliebt hatte oder zumindest der fleischlichen Lust gefrönt hatte.

Er sah nun ebenfalls zu dem kleinen vergitterten Fenster. "Du weißt zumindest, was du bist. Das ist doch ein Anfang." Er wandte sich nun ganz ihrer Seite zu. "Du musst es immerhin irgendwann bemerkt haben oder jemand hat es dir erzählt." Dann schwieg Amatiel kurz. "Das erklärt immer noch nicht, warum du die Gnade eines Engels bei dir trägst. Zumindest spüre ich etwas Gnade an dir." Sein Tonfall war nun misstrauisch. "Wie kommt das?", fragte er nach. War das eine Art widerliche Jagdtrophäe, die sie sich von einem seiner getöteten Geschwistern aufgehoben hatte? Die andere Frage war: wusste sie, wie man so etwas auffing und bewahrte. Eine ganz andere Frage war: wie hatte sie die Engel erstochen? Es gab nicht viel, was sie erstechen konnte. Eine einfache Klinge hätte nicht getötet. "Woher hast du ihn?", fragte er weiter. "Den Engelsdolch." Sie hatte Fragen gestellt und nun war er dran mit Fragen stellen.
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Rae Black
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Nephilim
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BeitragThema: Re: What does it mean to be an Angel? (beendet)   23.10.16 3:01

Zu meinem Gefallen war diesmal keine lange Pause zwischen den Worten, sondern er sprach gleich nach mir. Würde sich jetzt eine Unterhaltung mit einem Engel ergeben? Mit der Art von Wesen die mich seit einiger Zeit versuchte zu töten, die ich stattdessen tötete? Vielleicht wäre das gar nicht so schlecht, vielleicht würde das einige unerklärte Dinge klären.
"Heldenhaft? Nein, sowas gibt es nicht. Wenn man tot ist bekommt man im besten Fall ein paar nette Worte und danach erinnert man sich nur noch, wenn überhaupt. Ich habe niemanden mehr, also würde es niemanden kümmern wenn ich sterbe." gab ich ernst zurück. Der Tod war nie wirklich heldenhaft, auch wenn man für etwas großes starb. Tot war tot, egal wie man starb. Mir würde niemand nachtrauern, an mich würde niemand denken. "Ich meinte eher ein wenig Würde für mich selbst. Bevor ich einen Engel darum bete mich zu töten, ramme ich mir die Klinge wohl lieber selbst durchs Herz." Die pure Wahrheit, denn ehe ich einem dieser Wesen gönnen würde mich zu töten, würde ich es selbst beenden. Ehre oder Würde hatte das zwar auch nicht, doch immerhin wusste ich dann selbst das keiner dieser Killerengel mich bekommen hatte.
"Nein.. Vermutlich interessiert es Daddy kein bisschen." Sonst hätte er doch irgendetwas getan.. Irgendetwas. Gott himself war verschwunden? Wie konnte Gott einfach verschwinden? Ich konnte mir nicht wirklich vorstellen wie es im Himmel aussah, also wusste ich nicht wie ein Gott einfach so verschwinden könnte. "Oh." brachte ich einfach hervor. "Das erklärt vielleicht, warum die Welt sich überschlägt." flüsterte ich wieder eher zu mir selbst.

Falls ich ihm begegnen sollte? Ich war froh das diese Chance gegen Null stand. "Nein, Danke. Es reicht mir schon das ich mich mit seinen Engeln herumschlagen muss. Ein Treffen wäre für ihn wohl eher ungemütlich." Ich würde ihm alles an den Kopf knallen, ignorieren das er Gott ist. Ich würde so viel fragen, so viel anklagen. Ich würde ihn anschreien und meinen Ärger Luft machen. Gut, das alles nur in meinem Kopf geschah.
Gott greift dratisch ein, weil seine Schöpfung bedroht ist? Ich dachte ein wenig daran, wie jemand seine Sims steuerte und einem eine Familie nicht gefiel, man sich entschied diese einfach zu löschen.. Vielleicht war ich einer dieser ungewollten Sims. "Ach, weil der liebe Herrgott scheinbar Fehler gemacht hat soll ich leiden? Pah. Nicht einmal für Fehler gerade stehen. Klar. Warum auch?" Meine Verachtung ihm gegenüber, Gott gegenüber wuchs mit jedem seiner Worte. Gott hatte also Angst um seine Schöpfung und veranlasste daher die andere einfach auszulöschen? Toller Schachzug. Sein Einwand jedoch war berechtigt. Wenn die Menschen wüssten was ich bin würden nicht nur Engel mich jagen. "Wenn die Menschen wüssten was ich bin, wüssten sie das es Engel wirklich gibt. Heißt ich wäre nicht ihr größtes Problem." Nein, wenn man wissen würde das es echte Engel gab war ein halber sicher das kleinste Übel. Vermutlich was es da warscheinlicher das man meine Kräfte nutzen wollen würde. Für den Krieg, für Zerstörung und Leid.
"Na toll. Hätte man als Nephilim nicht diese Eigenschaften bekommen können, statt die wahre Gestalt von Engeln zu spüren und enorme Kraft zu haben?" murmelte ich und fuhr mit der Hand wieder durch mein Haar. Wenn ich genau nachdachte.. Geliebt hatte ich nie. Lediglich meine Mutter und meine Schwester. Trauer ebenfalls nur bei diesen beiden, ansonsten gab es da nur Wut. Ich hatte nie einen Freund gehabt oder Ähnliches, hatte nie jemanden geliebt außer meine Familie. Ich war eine verdammte Jungfrau, ein halber Engel. Passte auf eine seltsam ironische Weise gut zusammen.

Wieder lachte ich leise. "Ja, immerhin etwas. Glaub ja nicht das es einfach ist, etwas über eine verbotene Art heraus zu finden. Die meisten verbannen mich sofort, sobald sie erfahren über was ich Fragen stelle." Viele Hexer hatten mich schon raus geworfen und gemeint ich solle nie wieder kommen. Irgendwann gewöhnte man sich daran, mit Ablehnung war ich aufgewachsen. "Naja, wenn man Augen hat wie ich weiß man das was seltsam ist. Und wenn man als junges Mädchen Dinge heben kann, die nicht mal Drei Erwachsene bewegen.." Es war wirklich nicht schwer zu merken das ich anders war. "Zumal ich viele Sprachen kann. Eigentlich jede. Und ich habe keine Ahnung weshalb."
Die nächsten Worte verwirrten mich. Gnade eines Engels? Was war das? Ich legte die Stirn in Falten. "Gnade..? Was ist eine Engelsgnade? Und was meinst du damit das du sie spürst?" Ich sah mich an mir um. Das einzige was ich mit mir führte war das Messer und meine Kette.. War meine Kette..? Die nächste Frage ließ nicht lange auf sich warten. Er meinte meine Waffe. Engelsdolch. "Den Dolch? Den habe ich von dem Engel der meine Familie tötete." meinte ich trocken. Ich wusste bisher nicht, das das ein Engelsdolch ist. Aber das erklärt, weshalb ich sie damit töten kann." Die Feststellung das ein normales Messer Engel nicht tötet hatte ich bereits gemacht, doch das es einen eigenen Namen für diesen Dolch gab.. Man lernte wohl nie aus.
"Warum greifen mich Engel nur in menschlicher Gestalt an? Ich scheine stärker als normale Engel zu sein.. Aber sie haben sicher mehr Fähigkeiten. Warum kommen nicht mehrere Engel in ihrer wahren Form um mich zu töten? Und warum weiß man so wenig über Nephilim? Es gibt doch sicher.. Mehrere auf dieser Welt. Oder?"

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Amatiel
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Engel
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BeitragThema: Re: What does it mean to be an Angel? (beendet)   23.10.16 11:50

Er schmunzelte leicht. "Ich glaube die meisten Engel musst du nicht darum bitten. Sie würden es versuchen sobald sie dich aufgespürt haben." Dann wurde er ernster. Das mit der Trauer war gut möglich. Zumindest im Himmel würde es keine Bestürzung ausrufen, wenn sie sterben würde und auch wenn ein Engel starb, dann war das eben der Lauf der Dinge. Amatiel konnte sich nicht erinnern, dass es jemals so etwas wie einen Trauergottesdienst im Himmel gegeben hätte. Man redete zwar auch darüber, aber anders. Wer es war und über die Umstände und dann wurde das Ganze meist vergessen. Keine großen Gefühle. Höchstens ein paar kleine Rachegedanken, wenn man den Engel persönlich gekannt hatte. Das war es. Und nein, vermutlich interessierte Gott auch das nicht. Vermutlich könnte er einfach ein paar neue Engel oder verbesserte andere Wesen aus dem Boden stampfen, wenn ihm danach wäre. Wieso sollte er dann ein paar seiner Kinder nachweinen? Trotzdem glaubte der Priester nach wie vor, dass es so etwas wie einen Plan gab und einen Grund warum er verschwunden war. Dass das alles einen Sinn hatte. Dass er den Zustand vor dem Fall und diesem ganzen Chaos im Himmel wiederherstellen konnte. Manchmal fragte er sich ob er da zu menschlich dachte. Unerfüllte Hoffnung war etwas für Menschen. Er hörte das Flüstern der jungen Frau. Die Welt überschlug sich. Es verwirrte ihn. Er mochte diese bildliche Sprache nicht. Er konnte es nur schwer deuten, aber wenigstens verstand er was sie damit meinte. "Nicht nur die Erde." Der Dunkelhaarige räusperte sich leise und überlegte ob er ihr das sagen sollte. Es würde vermutlich nicht gerade beruhigend sein.
"Die Engel sind gefallen.", meinte er. "Viele sind dabei gestorben." Das würde sie sicherlich nicht mit Trauer erfüllen. "Im Moment befinden sich fast alle Engel auf der Erde. Nur derjenige, der die Verantwortung dafür trägt und eine kleine Schar seiner Untergebenen sind im Himmel. Der Himmel wurde abgeriegelt. Keiner kommt ungesehen hinein und hinaus, wenn Metatron es nicht will." Ohne Flügel würde das sowieso nichts werden. Er sah in ihre Richtung. "Du wirst vermutlich noch einigen von ihnen begegnen. Da hatten es andere Nephilim vor dir einfacher sich versteckt zu halten." Immerhin hatte es damals nicht vor Engeln auf der Erde gewimmelt. "Ich selber bin seit dem Fall nur wenigen von meinen Geschwistern begegnet." Nach einer Pause fügte er leiser an. "Ich habe auch nicht das Verlangen zusammen mit ihnen in Rachegedanken zu schwelgen. Von hier unten aus können wir den Himmel nicht erreichen und nicht verändern." Er lachte wieder leise. "Laut Gerüchten sieht es im Moment in der Hölle nicht viel anders aus." Amatiel schmunzelte erneut. "Wie du siehst: Alles überschlägt sich."

"Ich glaube das Treffen wäre wohl eher ungemütlich für dich. Als jemand, der alles geschaffen hat, dürfte es ihm ein leichtes sein dich - wie sagen die Menschen? Mit Blicken töten?" Er schüttelte den Kopf. Das war ein amüsanter Gedanke. "Die Menschen behaupten, dass Gott immer und überall zugegen ist. Dass er sogar bei der Messe zugegen ist." Er schnaubte. "Dem ist nicht so. Sie würden sich wundern, wenn sie die Wahrheit wüssten." Dann kam ein anderer Gedanke auf. "Ich habe sowieso nie verstanden warum sie diese Wein und Brot-Sache nehmen um Gott symbolisch zu essen. Wieso sollte man das tun? Und wieso sollte Gott in Form seines Sohnes auf die Erde kommen?" Er schüttelte den Kopf. "Menschen sind verwirrend....", murmelte er. Wäre Gottes Sohn dann nicht auch nur ein Nephilim mit berühmten Vater? Noch ein Grund warum die Geschichte doch unwahrscheinlich war. Er verstand ihre Worte. "Vermutlich. Aber dennoch ist es wahrscheinlicher, dass die Menschen dich eher als einen Engels zu greifen bekommen." Natürlich konnte sie dann genutzt werden um Engel aufzuspüren, wie ein Trüffelschwein, aber das war eine andere Sache. "Ich gebe zu, dass wir nicht das sind, was Menschen von uns erwarten. Aber selbst in der Bibel steht kein Wort von friedlichen Engeln, die singend auf Wolken sitzen." Selbst in der Bibel war erwähnt, wie zerstörerisch Engel sein konnten und wie erbarmungslos. "Es ist nicht meine Schuld, wenn sie darüber hinwegsehen und sich aus ihrer Religion nur die schönen Dinge herauspicken wollen."
Er runzelte die Stirn. Wieso sollte man als Mensch, wenn auch nur als halber, auf Gefühle verzichten wollen? Waren Gefühle nicht etwas, was sein Vater für die Menschen vorgesehen hatte. Etwas, was sie von seinen anderen Schöpfungen abhob? "Du wirst deine Kraft noch brauchen.", meinte er trocken. Im Anbetracht, dass sich der Inhalt des Himmels hier unten auf der Erde tummelte, waren größere Kräfte keine schlechte Sache. "Im Moment suchen sie noch einen Weg in den Himmel und machen Jagd auf einen unserer Brüder, den sie ebenfalls die Schuld am Fall geben. Aber sobald sich diese Aufregung gelegt hat, wird es sicher noch schwieriger für dich. Sie machen vor nichts halt in ihrer Wut." Er hatte einige Dinge in den Medien gesehen, die er definitiv seinen Geschwistern zuschreiben würde. "Vor nichts." Vermutlich würden sie auch andere Engel töten, wenn diese gegen ihre Meinung waren. Ein Grund mehr hier im Nirgendwo zu bleiben und erst einmal herauszufinden, was genau da oben passiert war bevor man irgendetwas tat.

Es tat ihm nicht wirklich leid, was ihr widerfahren war. Das heißt ein wenig schon. Immerhin plauderte man meistens nicht mit diesen Wesen bevor man es tötete. Wenn man es töten wollte. Es war das Leben eines Nephilims, wie es sicherlich immer ablief und am Ende stand eben der Tod. Er saß also hier zwischen himmlicher Ordnung und Sachlichkeit und einem fast menschlichen Schicksal. Ihre Gefühle hatte er oft bei anderen beobachtet. Im Krankenhaus, auf den Friedhof und hier. Menschen wollten immer mit Gott über Ungerechtigkeit verhandeln. Wenn jemand eine Krankheit hatte, wenn jemand im Sterben lag, wenn schlimme Dinge passierten, wenn jemand gestorben war. Aber Gott verhandelte nicht. Er hörte vermutlich nicht einmal zu oder lauschte irgendwo im Stillen und machte sich seine eigenen Gedanken. Auch wenn die Engel die Menschen mögen würden, könnten sie vermutlich nicht das ganze Leid einer Welt lindern. Amatiel musste diesen Nephilim nicht töten. Das würde die Welt, wie sie jetzt war schon selbst tun.
"Engel haben keine Seele. Wir haben eine Gnade. Du kennst unsere wahre Gestalt, wir sind eher ein blaues Licht. Das ist die Gnade eines Engels. Das, was für euch die Seele ist. Und ein Teil davon hängt an dir, aber es gehört nicht zu dir." Vermutlich sah sie auch diese kaputten, nutzlosen Flügel oder das, was davon übrig war. Er nickte. Daher hatte sie die Waffe also. Es war kein Geheimnis, dass ein Nephilim mühelos Engel töten konnte. Vermutlich auch ohne den Dolch. "Es ist unauffälliger sich in einer Hülle zu bewegen und mit den Menschen in Kontakt zu treten. Wenn du einen Engel tötest, tötest du auch den Menschen, der uns als Hülle dient." Amatiel runzelte wieder die Stirn. "Für jemanden, der nicht sterben will, störst du dich ziemlich daran, dass sich niemand mehr Mühe macht dich zu töten." Sie sollte es eher als Vorteil sehen. "Und der Grund warum kaum etwas über Nephilim bekannt ist, ist offensichtlich. Man hat seit jeher versucht diese Verbindung von Menschen und Engeln zu verhindern. Tatsächlich gelten Nephilim als ausgestorben." Ausgerottet würde es wohl eher treffen, aber ausgestorben klang einfach netter. "Ausnahmen gibt es offenbar immer.", fügte er leiser an. "Allerdings kann ich dir nicht sagen, wie viele deiner Art da draußen sind." Er wusste nur, dass viele seiner Art im Moment da draußen waren. "Es hat mich ehrlich gesagt überrascht, als du die Kirche betreten hast, obwohl du gespürt hast, dass ich hier bin." Wieder konnte er sie nicht verstehen. Im Normalfall wäre das Selbstmord.
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Rae Black
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Nephilim
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BeitragThema: Re: What does it mean to be an Angel? (beendet)   23.10.16 18:01

Wieder schmunzelte ich leicht. Da hatte er wirklich Recht, denn bisher kamen die Engel immer zu mir um mich anzugreifen. Ich würde wohl nicht einfach auf einen Engel zu rennen und ihn erstechen wollen, auch wenn ich mit meinen Kräften kaum ein Problem damit hatte es so zu handhaben. Natürlich war dieses Verlangen von Rache in mir, natürlich fraß es mich immer wieder innerlich auf. So mischte sich zu meinen Nephilimkräften oft auch die blanke Wut dazu, was für den jeweiligen Engel dann endgültig das gnadenlose Ende bedeutete. Meine Gedanken kreisten erneut um die Gedanken wie ich dieses Gefühl der Rache am besten ersticken könnte, ohne im Himmel Amok laufen zu müssen. Es war irgendwo noch immer grotesk das ich Engel töten wollte. Jeder der das so serviert bekommen hätte würde mich gleich an den Satan verschreiben, der das vermutlich auch noch gut heißen würde.
Seine Stimme riss mich wieder aus meinen Gedanken und verwirrte mich erneut. Nicht nur die Erde überschlug sich? Ich sagte nichts, sondern wartete ab was er wohl dazu sagen würde. Gefallene Engel. Ein versperrter Himmel, die die den Fall überlebt hatten wandelten nun auf der Erde. Ich wusste nicht was ich davon halten sollte, wie ich darüber denken sollte. Wie konnte ein Engel den verdammten Himmel versperren und alle Engel, bis auf eine Hand voll aus diesem verbannen? Ich versuchte mir vorzustellen wie ein Engel fiel, wenn es geschah. Er sagte es so wörtlich, als würde sie wirklich aus dem Himmel fallen. Nun war ich komplett zerstreut. "Gefallen..? Wortwörtlich?" hakte ich nach. Ich hatte ein bestimmtes Bild im Kopf, eines Abends, einer Nacht. Es war eine schön ruhige Nacht, bis plötzlich Dinge vom Himmel fielen. Glühende Dinge, die laut Medien einfach nur Meteoritenstaub war. Konnten das vielleicht alles Engel gewesen sein? "Der Himmel ist.. Verschlossen? Das erklärt jedenfalls, warum ich so vielen Engeln begegne.." Immerhin eine Sache war nun ein wenig erklärt. Den Namen Metatron merkte ich mir für den Fall das ich diesen Namen oder etwas über einen Engel mit entsprechendem Zusammenhang hören sollte. Wissen war Macht, die ich für mich nutzen konnte. Irgendwie empfand ich plötzlich etwas wie Mitleid für diesen Engel der mir gegenüber saß. Aus dem Himmel verbannt und nun auf der Erde festgenagelt, ohne zu wissen wann oder ob es jemals wieder nach Hause gehen würde.


"Moment.. Hölle?" Ein wenig unsicher sah ich auf diesen Schlitz. Es war irgendwo logisch das es auch jene geben musste wenn es den Himmel und Engel gab. Doch das zu hören von jemandem der es wusste war wie eine eiskalte Dusche. Also war wirklich alles gerade durcheinander.. Na super.
"Vermutlich würde er das tun. Gut, das es nie passieren wird." Somit war das Thema Gott für mich auch wieder beendet. Ich würde ihm kein gutes Wort gönnen. Während er über die Dinge die man in der Kirche tat philosophierte grinste ich nur leicht. Ja, es war wirklich verwirrend. "Ich kann es dir nicht sagen.. Ich habe mich nie mit der Kirche beschäftigt, weil es für mich schon immer Heuchelei war. Aber.. Das Abendmahl von Jesus wird geehrt, ich denke die Menschen wollen ihm an seinem letzten Abend vor der Verhaftung und Kreuzigung ehren." Ich zuckte nur die Schultern, auch wenn er es wohl nicht sehen konnte. Ich wusste nicht wieso man symbolisch Gott essen und trinken wollte. Und wenn ich ehrlich war wollte ich es auch nicht verstehen.
"Ja, du bringst es auf den Punkt. Menschen sind seltsam. Menschen suchen sich immer nur das heraus was ihnen den Vorteil verschafft, so war es wohl auch mit der Bibel. Menschen brauchen etwas woran sie glauben können, was ihnen Halt gibt. Das ist dann eben ein Gott der über seine Schöpfung nachdenkt, sich um sie sorgt. Engel die sie beschützen, auf sie achten und ihnen beistehen wenn sie ihre größten Ängste und Sorgen preis geben. Ich denke, Menschen brauchen immer etwas was ihnen Halt gibt, auch wenn dieser Halt eine große Lüge ist."


Mein Blick sank zu Boden. Es war wirklich nicht gut für mich das die Engel auf der Erde fest saßen und verzweifelt und verwirrt waren. Das bedeutete für mich nur noch mehr Probleme. "Dann sollte ich wohl hoffen das die Jagt auf besagten Bruder noch anhält.. Hat dieser Bruder denn Schuld am Fall?" Es war wirklich noch immer verwirrend das Engel scheinbar wie Menschen gegeneinander vorgingen. Doch wenn dieser Engel Schuld hatte, warum saß er dann nicht ebenfalls im Himmel?
Endlich erklärte er mir was eine Gnade war. Ich nickte stumm und sah wieder auf diese Kette. Dieses blaue Licht.. War diese Kette tatsächlich die Gnade eines Engels? Das würde erklären weshalb sie so eine Kraft auf mich ausstrahlte. Meine Mutter hatte gesagt es wäre das Einzige was ich von meinem Vater hätte.. Also war in diesem Stein, in diesem Gefäß unter dem Stein Gnade meines Vaters? Einem toten Engel? "Oh,.. Tja. Gute Frage. Familienschmuck, schätze ich." war meine Antwort darauf. Ich wusste nicht wie oder weshalb meine Mutter mir diese Kette gab. Doch jetzt wo ich wusste das etwas von meinem Vater in dieser war.. War sie mir noch wichtiger. "Andere Engel spüren sie auch, oder? Damit bin ich sicher noch leichter zu finden.." Selbst wenn diese Kette eine Leuchttafel wäre, die mich markierte: Ich würde sie niemals abnehmen.
"Ich störe mich nicht daran. Es ist nur gut zu wissen, warum Engel handeln wie sie es tun. Wenn man Nephilim schon immer ausgerottet und abgeschlachtet hat, sollte man als einer wissen womit man zu rechnen hat. Und wenn im Moment unzählige verwirrte und verunsicherte Engel auf der Erde sind, ist das nicht gerade ein gutes Zeichen für mich." Ich seufzte. Nein, das gefiel mir nicht. "Sie werden sterben wenn sie mich angreifen. Jeder einzelne. Ich würde es vermeiden,.. Selbst mit diesem Hass und dem Wunsch nach Rache.. Ich will keine unbeteiligten Engel töten. Aber so.." So würde ich es tun, so lange es nötig war. Ihre Entscheidung. Es klang als würde ich einer der einzigen sein die noch lebten. Großartig.
"Ja, ich bin trotzdem hier und lebe noch. Ebenso wie du. Scheint wohl eine Win-Win Situation für uns beide zu sein." Kurz überlegte ich erneut. "Wenn.. Diese Sigille die Engel für kurze Zeit zurück in den Himmel schickt, wenn man sich schützen will.. Wie funktioniert sie noch? Wenn der Himmel zu ist, wo gehen sie hin? Mit diesen kaputten Flügeln kommen sie allein sicher nicht weit."




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Amatiel
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Engel
Anmeldedatum : 17.10.16
BeitragThema: Re: What does it mean to be an Angel? (beendet)   23.10.16 19:17

"Wortwörtlich.", wiederholte er mit gedämpfter Stimme. "Der Sturz hat unsere Flügel verbrannt. Viele haben es nicht überlebt." Amatiel legte den Kopf schief. "Wie soll ich jemanden als Herrscher des Himmels akzeptieren, wenn er seinen Geschwistern so viel Leid und Tod bringt? Wieso soll ich jemanden respektieren, der sich anmaßt höher als Gott zu stehen? Der glaubt, dass er bessere Entscheidungen treffen wird. Im Grunde schürt er nur die Unruhe, die herrscht seit unser Vater verschwunden ist." Er wirkte verbittert darüber und irgendwie klang er auch müde. Er hatte so oft darüber nachgedacht. Es war ein Teufelskreis. Was dort oben genau geschehen war wussten vermutlich nur Castiel und Metatron. Er hatte zu viele Gerüchte gehört, als das er darauf vertrauen würde. Aber diese beiden Namen waren immer gefallen. "Verschlossen. So ist es. Ohne unsere Flügel gibt es nur wenige Wege, die dort hoch führen. Aber selbst dann kommen wir nicht hinein." Er kannte diese Wege nicht. Err würde sie vielleicht auch nicht begehen. Was wollte er dort oben noch? Es musste wirklich ein Wunder geschehen bis er sich dort wieder richtig zugehörig fühlen würde. Es brauchte ein Zeichen. Es bräuchte Gott, der aber irgendwo versteckt war, wie es schien.

"Natürlich gibt es eine Hölle.", meinte er mit einem amüsierten, leisen Lachen. "Was glaubst du, wo die Sünder enden? Wenigstens das haben sich die Menschen nicht ausgedacht. Aber vermutlich ist die Hölle weitaus schrecklicher, als sie es sich vorstellen können." Der Engel schwieg kurz. "Aber selbst die da unten haben ihre Streitgkeiten, was die Führung angeht." Es waren wie gesagt nur Gerüchte, die ihn hier hin und wieder erreichten, denn er begegnete kaum anderen Engeln. Das letzte Mal lag Wochen zurück. "Was für eine Heuchelei. Jemanden ans Kreuz zu schlagen und ihm dann nachzuweinen.", meinte er beiläufig. Er dachte an diesen ausgemergelten Körper am Holzkreuz, der in der Kirche hing. Stellte man sich so den Sohn Gottes vor. Wieder kamen ihm ihre Worte in den Sinn. "Wäre sicher auch kein würdevoller Tod gewesen. Sie glauben tatsächlich, dass der Tod einer einzelnen Person alle ihre Sünden sühnen könnte." Er schmunzelte. "Wie soll das gehen? Man tauscht eine Sünde gegen eine noch größere Schuld ein. Was soll das für eine Art Opfer sein?" Er schüttelte wieder den Kopf. Menschen waren seltsam. Da stimmte ihm die junge Frau zu. "Nicht nur die Menschen.", murmelte Amatiel leise. Auch manche Engel suchten nach ihrem Vorteil. Sonst wäre das alles nicht geschehen. Er blickte wieder auf. "Aber wir schützen die Menschen.", meinte er etwas empört. "Es ist...war unsere Aufgabe. Einige von uns haben immer daran festgehalten." Aber es hatte sich so viel geändert, wie sollte er das alles in Worte fassen. Es würde ihr auch nichts nützen. "Es ist nur nicht die Art Hilfe, die sich Menschen vorstellen und wünschen würden." Der Priester runzelte die Stirn. "Es ist keine Lüge. Allein die Hoffnung und die Möglichkeit gibt ihnen halt. Die Idee hält sie am Leben. Du hast sie gesehen. Wenn eine Idee jemanden Halt im Leben gibt und ihnen Freude gibt. Dann kann es nicht falsch sein. Selbst, wenn es nicht das ist, was es zu sein scheint." Er hielt kurz inne. "Manche sitzen vielleicht aus Gewohnheit hier, aber es gibt genug, die daran glauben."

"Das ist die große Frage. Er muss daran beteiligt gewesen sein. Ich weiß nicht welche Rolle er beim Fall gespielt hat. Man sagt, dass er Metatron geholfen hat den Himmel zu verschließen. Aber letztendlich musste er genauso fallen wie alle anderen." Er schnaubte verächtlich. "Du hast da oben jemanden sitzen, der sich ungeheurer Macht erfreut und sprunghafter zu denken und zu handeln scheint als ein kleines Kind." Amatiel seufzte. "Ich weiß nicht ob er schuldig ist. Aber meine Geschwister sind davon überzeugt. Es ist fast schon menschlich, wie sie einen Schuldigen finden wollen und dabei über Leichen gehen. Ein Ausdruck von Verzweiflung, wenn du mich fragst. Ich denke nicht, dass sein Tod den Himmel wieder öffnet. Er wäre nur ein weiteres Opfer dieser zweifelhaften Herrschaft."
Er nickte. Offenbar gab es keine bessere Erklärung für die Gnade. Aber da der Engel nicht mehr lebte, spielte es vermutlich auch keine Rolle. "Sie ist sehr schwach, aber spürbar. Vermutlich würden sie dich spüren bevor sie die Gnade spüren, aber es könnte ihnen durchaus einen größeren Grund geben dich anzugreifen." Griff sie ihn deshalb nicht an? War er ein 'unbeteiligter Engel', wie sie es genannt hatte? "Das mag funktionieren, wenn sie dich einzeln angreifen, aber wenn sich eine größere Gruppe zusammenschließen würde..." Dann hätte die junge Frau ein großes Problem. "Eine Win-was?", fragte er sie irritiert. Was redete sie da? Er verstand es nicht. "Was ist das?" Und was hatte das mit Leben zu tun? Er horchte auf. "Du weißt von der Sigille?", fragte er dann. "Sie kann Engel fernhalten. Sie kann Engel in den Himmel schicken, aber ich weiß nicht, was geschieht, wenn dieser verschlossen ist." Er konnte darüber nur mutmaßen. "Vielleicht fallen sie ein zweites Mal vom Himmel herab, wenn sie nicht hinein kommen. Oder es passiert einfach gar nichts. Ich weiß es nicht. Diese Situation hat es noch nie gegeben. Vermutlich bist du besser bedient, wenn du sie mit dem Engelsdolch erwischst. Ansonsten würden sie trotzdem zurück kommen. Sie müssen nun reisen, wie Menschen auch, aber sie würden dich immer wieder aufspüren, egal wie weit du fliehst." Sie erwähnte die Sache mit den Flügeln und erntete dafür ein undefinierbares Geräusch von seine Seite. Er wurde nicht gern an diesen Verlust erinnert. Der Gedanke daran schmerzte, wie der Fall geschmerzt hatte.
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Rae Black
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Nephilim
Anmeldedatum : 20.10.16
Alter : 25
BeitragThema: Re: What does it mean to be an Angel? (beendet)   23.10.16 20:03

"Oh, okay." meinte ich nur auf die Bestätigung meiner Vermutung. In meinem Kopf spielten sich die Bilder jener Nacht ab, diesmal jedoch nur mit einem anderen Denken dabei. Ich saß gerade an einem See und betrachtete die Sterne, dachte über alles nach als es begann. Als plötzlich tausende, wenn nicht sogar millionen Feuerbälle aus dem Himmel stürzten. Schon in der Nacht bekam ich Gänsehaut weil dieser Anblick unglaublich schön gewesen war. Doch jetzt wo ich wusste das all diese 'Feuerbälle' in Wahrheit Engel waren die gerade aus dem Himmel verbannt wurden.. Das dieses Feuer ihre verbrennenden Flügel waren, während sie ungebremst auf die Erde zurasten.. Wieder bekam ich eine eiskalte Gänsehaut die mir das Gefühl gab als wäre es in dieser Kammer eisig kalt geworden. All diese abertausenden Leuchtenden Dinge waren Engel, verbannt aus ihren zu Hause. Ich schwieg, hing mit den Gedanken an dieser Nacht fest während die Worte des Engels in meinem Hinterkopf hallten. Plötzlich empfand ich für diese Engel nicht nur Verachtung, sondern ein wenig Mitleid. Sie waren nun auf der Erde gefesselt, wussten vermutlich nicht warum das geschehen war und was sie auf der Erde sollten. Sie suchten nach einem Schuldigen und einem Weg wie sie zurück kämen, suchten nach einer Aufgabe. Genau betrachtet konnten sie nichts für das, wie sie waren. Sie waren Engel die eben waren wie Gott sie wollte. Sie führten Aufträge aus, wie es ihnen befohlen wurde. So wie ich die Aufträge in der Army ausgeführt hatte. Wie ich für jemand anderen getötet hatte.
"Scheint so, als würden Engel sich gar nicht so weit von den Menschen unterscheiden. Wenn einer diese aufgestaute Unruhe nutzt um sich selbst den Vorteil zu verschaffen.. Menschen tun nichts anderes."

Der Engel schien sich darüber zu amüsieren das ich von der Tatsache der Hölle ein wenig geplättet war. Wenigstens einer von uns hatte seinen Spaß dabei. "Ich habe bisher nie darüber nachgedacht, wo irgendwer landet. Wobei ich mir immer sicher war das ich als verbotenes Wesen in die Hölle fahren werde, oder Schlimmeres." Da war ich mir sogar sicher, diese Vermutung meinte ich ernst. Wenn ich schon nicht leben durfte würde ich sicher auch nach dem Leben spüren, wie ungewollt ich war in dieser Welt und darüber hinaus.
"Schön, das scheinbar alle Ebenen gleichermaßen ihre Probleme haben." meinte ich leise lachend. Es war wohl wirklich eine ziemlich schwere Zeit im Moment. Der Himmel war verschlossen, die Erde drehte wie immer total durch und selbst die Hölle hatte scheinbar Streitigkeiten. "Himmels und Höllenpolitik sind sich scheinbar ähnlicher, als man annehmen würde." Ich grinste. Die Vorstellung wie Himmel und Hölle über einen kanzler oder König abstimmten war ziemlich suspekt, scheinbar aber gar nicht so abwägig. Wieder zuckte ich nur die Schultern. "Ja, es scheint so. Wie gesagt.. Ich habe nie viel von der Kirche gehalten. Ich habe nie verstanden weshalb ich einem abgemagerten, ans Kreuz genagelten Typen meien Gebete schenken soll oder seine Geburt, seinen Tod, Geburtstag und Auferstehung feiern soll. Ich kann immerhin nichts dafür, das er festgenagelt wurde." erklärte ich ruhig und blickte wieder auf meine Finger. "Ich weiß nicht warum Menschen meinen ihre Sünden so begleichen zu können.. Ich verstehe sie selbst nicht." Der Engel erklärte mir wirklich das es tatsächlich die Aufgabe der Engel gewesen sei auf die Menschen zu achten. Nur eben auf eine andere Art, wie sich die Menschen es immer erhofft hatten. "Hey, mir ist im Grunde auch egal ob und wer auf die Menschen achten sollte. Selbst wenn Engel die guten Dinge tun würden die sie laut den gläubigen Menschen taten.. Ich falle sowieso nicht unter diesen Schutz. Ich kämpfe für mich allein." Was andere Menschen dachten, glaubten oder taten war mir wirklich egal. "Es mag sein das manche durch diese Hoffnung und diesen Glauben weiter leben, besser als ohne diese Dinge. Vielleicht ist es für sie nicht falsch. Jeder kann an das glauben was ihm hilft. Es gibt immerhin auch Menschen die ausschließlich an den Teufel glauben. Ich glaube an nichts. Zumindest an nichts, was mir in irgendeiner Art und Weise helfen könnte. Das es Himmel und Hölle mit allem was dazu gehört gibt wissen wir beide."

Ein Engel der diesem Metatron dabei helfen sollte den Himmel zu schließen.. Es klang wirklich absurd. Das wäre, als würde ein Mensch dafür sorgen das jeder in die Hölle wandert, er gleich mit. "Wenn er das getan hat muss dieser Metatron wohl ziemlich überzeugend sein. Einen Engel davon überzeugen ihm zu helfen und ihn dann so rein legen das auch er mit fällt.. Sicher keine einfache Geschichte. Ich gehe davon aus das es nicht gerade leicht ist den Himmel zu verriegeln." Wenn es das war sollte Gott wirklich noch mal daran arbeiten, Dinge zu erschaffen und sie vernünftig am Leben zu erhalten. "Verständlich das sie verzweifelt sind.. Sie sind wohl wirklich nicht so weit von der Menschlichkeit entfernt nach dem Fall. Menschen suchen auch immer einen Schuldigen um sich besser zu fühlen." Was tat ich? Suchte ich nicht auch einen, dem ich all die Schuld geben konnte? Es würde sich dadurch nichts bessern, das wusste ich. Vermutlich suchte ich deshalb auch nicht mehr nach einem Schuldigen. Der Schuldige wäre wohl Gott. Und diesen zu treffen war unwarscheinlich, also würde ich nie erfahren warum.


"Hm.. Wenn sie mich sowieso töten wollen ist es ja letztlich egal warum sie es wollen." Die Kette, diese Gnade sollte also nicht wirklich etwas ändern. In Gruppen? Das sollten sie ruhig versuchen.. Wenn ich im Kampf fiel war wenigstens alles vorbei. "Gegen 3 habe ich ohne Probleme gekämpft. Vielleicht sind sie nach dem Fall auch einfach geschwächt, jedenfalls scheinen die Kräfte eines Nephilim weitaus größer zu sein als die eines einfachen Engels."
Ich musste lachen. Man merkte das er kein Priester war, sondern ein Engel der das Mensch-sein noch nicht drauf hatte. "Win-Win Situation. Eine gute Sache für uns beide. Wir wollen uns beide gegenseitig nicht töten und leben noch. Also haben wir beide was davon." erklärte ich leicht grinsend. "Ja, ich kenne Sigillen. Ich kenne viele.. Ich kann die Sprache aus der diese Sigillen entstammen. Vermutlich so ein Engels Ding." Also war nicht sicher, was mit diesen Engeln geschehen würde. Ich schluckte kurz und nickte stumm. Töte sie lieber. Ein zweites mal fallen.. Nein, das kannst du ihnen nicht antun, egal wie grausam sie sind. Der Kommentar der Flügel schien ihn getroffen zu haben, denn ein ziemlich seltsames Geräusch drang zu mir durch. "Entschuldige, ich wollte mich nicht darüber lustig machen. Es ist schlimm, was geschehen ist. Auch wenn ich nicht viel von Engeln halte.. Im Grunde seid ihr doch auch nur trainierte Kinder, Krieger die einem Befehl folgen." So wie du es in der Army warst.
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Amatiel
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Engel
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BeitragThema: Re: What does it mean to be an Angel? (beendet)   23.10.16 22:09

Er lächelte leicht. "Nicht wirklich. Je länger ich unter den Menschen lebe, desto mehr fallen mir die Gemeinsamkeiten auf. Ich habe mich nie wirklich für das Leben der Menschen interessiert. Ich habe sie beschützt, wie es mir aufgetragen wurde und mehr nicht. Ich habe nie mit ihnen geredet oder sie länger beobachtet, als nötig. Dann kam der Fall und ich musste mich mit ihnen beschäftigen. Ich kann auch jetzt nicht viel mit ihren Leben anfangen. Ich verstehe ihre Gefühle nicht wirklich. Ich kann ihre Bedürfnisse nicht nachvollziehen, denn ich kenne keinen Hunger und keine Müdigkeit Oder tiefergehende Gefühle." Amatiel legte den Kopf schief. "Ich lerne das alles noch über sie. Jeden Tag ein wenig mehr." Ein leises Lachen drang von der Seite des Engels. "Aber es ist kein Wunder, dass sich Engel und Menschen im Grunde sehr ähnlich sind. Es war ein und der selbe Schöpfer, der sie erdacht und geschaffen hat." Das mit den Vorteilen stimmte auch. "Im Himmel ist nach Vaters Verschwinden nie wieder richtig Ruhe eingekehrt." Aber das waren andere Geschichten. Die hatten mit der Erde nichts zu tun. "Ich habe mich da immer herausgehalten. Ich habe einfach weiter das gemacht, was ich schon immer gemacht habe, so wie viele andere. Man kann seine Pflichten nicht liegen lassen, nur weil es Unruhen gibt. Es würde alles zusammenbrechen. Ich frage mich, wie sie das alles in Bewegung halten, jetzt, wo alle hier unten sind."

"Darüber sollte man sich auch erst Gedanken machen, wenn es so weit ist.", erwiderte er. "Das haben auch andere zu entscheiden. Welche Tür für einen Menschen aufgeht, wird er erst sehen, wenn es so weit ist. Ich bezweifle auch, dass ein starker Glaube eine Garantie für den Himmel ist. Menschen tun viele Dinge und begründen sie mit Glauben und in Wahrheit versuchen sie nur ihre Schlechtigkeiten damit zu rechtfertigen." Davon hörte man immer wieder. "Im Namen Gottes...", meinte er in einem verächtlichen Tonfall. "Sehr anmaßend." Wenn er so darüber nachdachte, dann war er sich nicht sicher wohin ein Nephilim nach dem Tod landen würde. Vermutlich auch im Fegefeuer. Aber das sprach er nicht aus. Viele sahen eh keinen großen Unterschied zu Hölle und Fegefeuer. Beides waren keine guten Orte. Amatiel nickte. "Und hier wären wir wieder bei einem Hauptunterschied zwischen Menschen und übernatürlichen Wesen. Menschen glauben und Wesen wie wir wissen. Kann Wissen den Glauben ersetzen oder der Glaube Wissen außer Kraft setzen? Können sich beide Dinge ergänzen?" Er wusste es nicht. Aber vermutlich wurde oft versucht beides zu verbinden. Man versuchte immer Dinge mit Glauben oder Wissen zu rechtfertigen. Erklärungen waren ein menschliches Bedürfnis. Das Bedürfnis nach Antworten führte nicht selten zu merkwürdigen Erklärungen.

"Metatron war der Schreiber Gottes.", erklärte Amatiel dann. "Er hat sein Wort niedergeschrieben und weiß vermutlich zusammen mit den Erzengeln das Meiste über unseren Vater und den Himmel." Das mit den Erzengeln war auch eine Geschichte für sich. Alle entweder tot oder im Käfig. Es war wie ein schlechter Scherz. Zum Glück wussten die Menschen nichts davon. Sie würden wortwörtlih vom Glauben abfallen. "Vielleicht denkt er deshalb, dass er sich dieses Recht herausnehmen kann. Vermutlich ist er auch der Einzige neben unserem Vater, der wusste, wie man den Himmel verschließt." Deshalb wusste auch keiner, wie man es ändern konnte. "Ich glaube nicht, dass man die Folgen des Falls rückgängig machen kann, selbst, wenn sich die Tore für uns wieder öffnen." Es war frustrierend. "Wir werden nie wieder fliegen.", flüsterte er ziemlich leise.
"Es ist demütigend.", meinte er. "Man hat sein Leben lang treu gedient und dann fällt man, wie als wäre man ein Verräter oder Verbrecher." Wieder konnte er nicht die Bitterkeit unterdrücken, die in seiner Stimme mitschwang. "Aber ein wenig Demut tut einigen meiner Geschwistern gut. Viele von ihnen waren eifersüchtig auf die Menschen, weil sie unserem Vater augenscheinlich mehr bedeuteten. Und auch jetzt sind Menschen für die meisten der Engel nichts weiter als haarlose Äffchen und Hüllen." Die meisten Engel mochten die Menschen nicht. Das war eine Tatsache. Der Fall würde nur wenig daran geändert haben. "Es ist nicht die Zeit um nach Schuld zu fragen. Es ist Zeit zu überlegen, was zu tun ist."

"Wir sind nach dem Fall etwas geschwächt. Wir können nicht mehr Fliegen oder durch die Zeit reisen...." Es gab schon ein paar Einschränkungen. "Womöglich wäre es für dich schwieriger gegen einen Gregori oder Seraphim anzukommen...." Aber einfache Engel dürften weniger schwierig sein. Drei auf einmal war immerhin eine Ansage. Sie erklärte auch die Sache mit der Win-Win-Situation. "Menschen haben eine seltsame und schwierige Art sich aufzudrücken.", murmelte er dann. Amatiel fand es immerhin beruhigend, dass er offenbar nicht dazu bestimmt war heute zu sterben. "Das Engelding, wie du es nennst... es ist Henochisch." Er hörte ihr zu. "Alles in der Welt hat eine Aufgabe und einen Weg zu bestreiten. Die Menschen haben einen freien Willen und doch unterwerfen sie sich den Regeln ihrer Gesellschaft oder eigenen Zwängen." Nach einer Pause fügte er an. "Ich schätze es ist unnötig, dass wir weiter hier drinnen reden." Dort draußen in der Kirche herrschte Stille. "Es ist keiner mehr da.", bemerkte er dann und öffnete seine Tür um die Kammer zu verlassen. Er blinzelte leicht. Ihm war gar nicht aufgefallen wie dunkel es im Beichtstuhl gewesen war. Und es war ruhig und leer. Er lief zur Pforte und verschloss die Tür. "Ich denke wir brauchen keine Zuhörer.", meinte er als er wieder kam. Er wusste in diesem Moment ja noch nicht, dass Besuch auf den Weg war und er das früh genug merken würde, aber zu spät um handeln zu können.
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Rae Black
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Nephilim
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BeitragThema: Re: What does it mean to be an Angel? (beendet)   23.10.16 22:53

Leicht lächelnd lachte ich nur leise und strich mir wieder eine Strähne zurück. Es war wohl unumgänglich sich als Engel jetzt mit den Menschen zu beschäftigen, jetzt wo sie die Erde mit uns, oder eher den Menschen teilen mussten. Der Gedanke das jeder dieser Engel auch eine Hülle brauchte war nebensächlich, auch wenn es ein wenig seltsam war dieses Wissen zu haben. Unbeteiligte wurden von Engeln besessen, damit diese ein Kostüm in dieser Welt hatten. Es waren wirklich verrückte Zeiten. "Du musst nicht schlafen, essen oder sonstiges? Glückwunsch, damit hast du nichts verpasst." meinte ich grinsend. "Alles ziemlich nervige, unnötige Dinge." warf ich als Erklärung hinterher. Die Angewohnheit die Gedanken ungefiltert auszusprechen war manchmal wirklich unschön, wobei hier eher das Problem war das dieser Engel diese Ausdrucksweise einfach nicht verstand. "Ich weiß nicht ob das eher Kompliment oder Beleidigung ist, für dich.. Aber auf mich wirkst du ziemlich menschlich, wenn man von Kleinigkeiten absieht. Du spielst deine Rolle gut." Ein Lächeln schwang mit diesen Worten, denn auch sie waren ernst gemeint. Wenn ich nicht spüren und sehen würde was sich hinter diesem Körper versteckte wäre mir sicher auch nie aufgefallen das dieser Priester in Wahrheit ein Engel war. Vermutlich hatte er Recht.. Die einzigen großen Unterschiede waren neben den Fähigkeiten wohl die Bedürfnisse und Gefühle. Menschen waren zerbrechlicher und wesentlich komplizierter wegen den ganzen Gefühlen, Gedanken und Bedürfnissen. Hier mischten sich dann noch Krankheiten, Behinderungen und andere Dinge dazu die eine bunt gemischte Welt gerade zu perfekt machten. Ich nickte wieder, denn irgendwo konnte ich annähernd verstehen das der Himmel in Aufruhr war nachdem Gott, ihr Vater wohl einfach verschwunden war. Wenn ein Vater einfach verschwand drehte die Familie durch, die Kinder fragten sich wohin er verschwunden ist und warum. Engel unterschieden sich da wohl nicht von menschlichen Kindern. "Eine gute Frage.. Wenn nur eine Hand voller Engel mit diesem Arschlochengel da oben sind, wird wohl alles auf Eis liegen, was nicht gebraucht wird. Wer weiß ob nicht alles zusammen bricht? Es wird wohl nur niemand mitbekommen, bis es zu spät ist." Ein seltsamer Gedanke, das der Himmel gerade in sich zusammen stürzen könnte. Sicher hätte das auch Auswirkungen auf die Welt und auf die Hölle..

Wieder nickte ich. Es war interessant von diesem Engel zu hören, wie es lief wenn ein Mensch starb. Wie die Seele aussortiert wurde, das es nicht von vorn herein eine Aufteilung gab. "Mir ist es im Grunde egal wohin ich gehe. Ich weiß, das es nichts gutes werden wird. Wenn ich sterbe, wird es so sein. Ich kann nichts dagegen tun, auch nicht wohin ich nach meinem Tod gehen werde. Also warum einen Gedanken verschwenden an etwas, das sowieso unaufhaltbar ist?" Ich atmete tief ein und aus, schloss die Augen wieder einen Moment. Nein, meine Gedanken würden nicht um meinen Tod und das danach kreisen. Lediglich.. "Die Engel sind gefallen..Aber was ist mit all den Seelen im Himmel? Sind sie immer noch da oben, bekommen sie dieses Chaos mit?" flüsterte ich beinahe. Ich war mir sicher das meine Schwester im Himmel war, vielleicht sogar mit meiner Mutter trotz der Sache mit meiner Geburt.
"Im Namen Gottes.. Damit kann man hier alles rechtfertigen. Im Namen Gottes wird gemordet, zerstört und ausgegrenzt. Vielleicht ist es sogar besser das er dieses Elend in der Welt nicht mit ansehen muss. Wie sich seine Schöpfung selbst auslöscht.." Wenn man die Kriege betrachtete, Kriege in denen ich ebenfalls ein Teil war. Schwer zu glauben das alles Eins sein sollte. Im nächsten Punkt stimmte ich ihm ebenfalls zu. Menschen wussten meist nicht, sie glaubten. Und aus diesem Glaube wird dann Wissen, aus dem Wissen wird Glaube. "Ja, Menschen tun beides gern. Vor allem stellen sie das eine über das andere.. Etwas dazwischen gibt es nicht. Es gibt ebenso viele die glauben, oder wissen das die Welt nie durch Gott entstand. Sondern alles aus Chemie, Physik und die Gesetze der Natur entstand. Übernatürliches gibt es nicht in ihrer Welt." Ich schmunzelte ein wenig. Jedes mal wenn ich mit einem solchen Menschen diskutierte lachte ich mich innerlich tot. Ich wusste es immerhin besser.

Es war nicht zu überhören das die Sache mit dem Fall und der Rückkehr in den Himmel ihm zu schaffen machte. Engel hatten also keine Gefühle.. Innerlich belächelte ich diese Aussage kopfschüttelnd. Engel hatten wohl doch welche, ließen sie aber einfach nie ans Licht, unterdrückten sie und kannten dieses Neuland deshalb nicht. "Es klingt unwarscheinlich das alle verletzten Engel einfach wieder zurück kommen und alles wie vor dem Fall wird." meinte ich und blickte wieder zu Boden. Es tat mir irgendwo wirklich leid. Dieser Engel schien ganz okay zu sein, es tat mir leid für ihn das er hier fest saß, mit kaputten Flügeln und der großen Ungewissheit. Ewig das getan was man von ihm verlangte, gehorcht und gedient. Daran geglaubt.. Und plötzlich ist der Vater weg, plötzlich wird man seinem zu Hause verwiesen und weiß nicht warum. Es musste schlimm sein, für jeden Engel der gefallen war.
"Bei den meisten Menschen unterstreiche ich diese Annahme sogar. Da wundert es mich nicht, das Engel so von den Menschen denken."
Durch die Zeit reisen? Es wurde doch immer merkwürdiger. Und was zur Hölle sollten Gregori oder Seraphime sein? "Was ist ein Gregori.. Oder Seraphim? Verschiedene Sorten von Engeln?" Lachend nickte ich und stimmte ihm somit zu. Menschen sind seltsam, egal wie man es betrachtete. "Ja, haben sie. Manchmal ist die Tatsache ein halber Engel zu sein beruhigender als ein vollwertiger Mensch zu sein. Menschen sind.. Menschen eben." Manche waren dumm, manche einfach grausam. Es geschah in der Welt so vieles was die Menschheit selbst zu verantworten hatte.. Henochisch nannte man diese Sprache also. Interessant zu wissen.

Wieder nickte ich nur, auch wenn mir klar war das er das nicht sah. Die Kirche schien leer zu sein, also verließ auch ich diesen Stuhl und blinzelte mit verengtem Blick dem Licht entgegen, welches durch die bunten Gläser strahlte. Zu meinem Glück gewöhnten meine leuchtenden Augen sich schnell an die Helligkeit. Ich musterte den Engel während er die Türen verschloss, nickte wieder. In einer Bewegung ließ ich mich auf einer der Bänke nieder, hielt den Blick auf dem Engel. Ich wusste noch immer nicht warum ich hier war, doch ich bereute es nicht. Ich erfuhr viele Dinge die mein Wissen erweiterten, mir vielleicht noch nützlich wurden. Ich wollte nur eines: Leben. Überleben, während die Engel mich jagten. "Es.. Es ist wirklich seltsam einem Engel so nahe zu sein, ohne zu befürchten in der nächsten Sekunde einen Dolch im Herzen zu haben." meinte ich leise, während ich ihn und vor allem die wahre Gestalt musterte. Dieses strahlende Blau war faszinierend, es bewegte sich und verschwamm ineinander, ließ es wirken wie ein Farbenspiel. Seine Flügel ließ ich außen vor, sicher wäre es ihm unangenehm auf diese zu starren. Auch wenn es irgendwo eine wunderschöne Präsenz hatte, auch mit diesen ausgefransten, angebrannten Flügeln. Noch immer hielt ich von Engeln nicht allzu viel, doch ich akzeptierte das es Ausnahmen gab. Dieser hier wirkte nicht wie die anderen, er versuchte immerhin nicht mich zu töten. "Ich bin übrigens Rae Dawn.. Rae." stellte ich mich kurz vor. Es war belanglos mich vorzustellen, aber irgendwie was mir danach. Kurz lachte ich wieder. "Ich bin nur froh das die Hölle kein Interesse an Nephilim hat."
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Amatiel
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Engel
Anmeldedatum : 17.10.16
BeitragThema: Re: What does it mean to be an Angel? (beendet)   24.10.16 0:15

Es irritierte ihn wieder. "Es gibt keinen Grund mir dazu zu gratulieren. Ich wurde so geschaffen." Menschen gratulierten sich eigentlich nur zu festlichen oder erfreulichen Anlässen. Also konnte er das nicht wirklich nachvollziehen. "Kein Hunger, kein Schlaf, kein Alter, keine Krankheit...", erwiderte er. "Aber wir kennen Schmerzen." Das wollte Amatiel klarstellen. Es sollte ja nicht heißen, dass die Engel nur mit tollen Fähigkeiten gesegnet waren. Allein der Fall war der Gegenbeweis. "Meine Hülle wird nie altern und nie krank werden. Ich kann sie heilen. Ich kann andere heilen.", erklärte er. "Wenn ich sie irgendwann verlasse, wird die Seele dieses Menschen wieder den Körper übernehmen können. Vorausgesetzt ich werde nicht getötet. Ich leihe mir seinen Körper nur auf unbestimmte Zeit." Er lächelte kurz. "Im Gegensatz zu Dämonen brauchen wir Engel die Erlaubnis einen Körper zu besetzen. Er hat es mir erlaubt." Es sollte nicht heißen, dass er sich gewaltsam eines Menschen bemächtigt hatte. Er musste auch nicht lügen. Es war einfach gewesen. Er hätte es sich wesentlich komplizierter vorgestellt. Aber auf der anderen Seite: Wieso sollte jemand, der Gott diente, Nein zu einem Engel sagen?
Bei ihren nächsten Worten musste er wieder etwas lächeln. "Ich mache nur nach, was ich an den Menschen beobachte." So konnte er zwar imitieren, wie man sich in bestimmten Situationen verhielt, aber manchmal verstand er es nicht. "Ich habe die Tagebücher meiner Hülle gelesen um zu erfahren, wie er denkt. Ich hätte ihn auch eine Weile als stiller Beobachter studieren können." Das wäre auch eine Möglichkeit gewesen. "Aber ich hatte Bedenken, dass er am Ende einen meiner Geschwister begegnet und in Panik verfällt und mich wieder ausstoßen will." Außerdem war es besser gewesen sich selbst einzuarbeiten. "Die Leute haben gedacht, dass ich überarbeitet war, als ich sie nicht erkannt habe und vieles nicht über sie wusste." Er dachte kurz nach. "Sie nannten es...sie nannten es. Irgendetwas mit Brennen." Burn-Out. Das kam ihn gerade nicht in den Sinn. "Als ich sagte, dass ich beim Fallen nicht gänzlich verbrannt bin, haben sie mich seltsam angesehen. Für einen Moment hatte ich schon befürchtet, dass sie wussten, was ich bin." Er lachte nervös. "Aber sie haben es alles auf dieses Brennen zurückgeführt."
Das war auch eine gute Frage. "Ich schätze er weiß, dass es wichtig ist, dass man nicht alles ohne Kontrolle lassen kann. Vermutlich wird er versuchen Engel für seine Sache zu gewinnen und die Arbeit auf einige wenige abwälzen." Als Schreiber Gottes wusste man um die Wichtigkeit mancher Prozesse vermutlich mehr, als andere Engel. Also würde er darauf achten, dass nicht alles zusammenbrechen würde. Trotzdem dürfte es schwer sein. Zumal es dann auch einen Weg geben müsste, wie man Engel in den Himmel zurück bekam. Und das ohne Flügel.

Sie hatte vielleicht nicht die schlechteste Einstellung, wenn sie sich nicht von den Gedanken zu sterben verrückt machen ließ. "Die meisten Menschen würden sich Sorgen machen, wenn sie wüssten, dass es nach dem Tod in gewisser Weise doch weiter geht. Dass mit einer Bestattung nicht alles vorbei ist. Im Grunde ist das Leben verschwinden klein, wenn man es mit der Ewigkeit, die dort wartet, vergleicht." Der Priester blickte überrascht auf. "Was soll mit den Seelen sein? Seelen sind keine Engel, sie fallen nicht. Jede Seele hat ihren eigenen kleinen Himmel, gefüllt mit den schönen Dingen aus ihren irdischen Leben." Allerdings wusste er nicht ob es nicht Möglichkeiten gab diese Ruhe der Seelen zu stören. Er war nur ein einfacher Engel, ihm war nicht alles geläufig, was im Himmel machbar war oder nicht machbar war. "Ich weiß nicht, ob es auf Dauer Konsequenzen für die Seelen haben wird.", fügte er dann ehrlich an.
"Wie du siehst: Wir schützen eine Schöpfung vor einer anderen. Und manchmal sollte man eine Schöpfung vor sich selbst schützen. Aber das liegt nicht alles in unserer Macht. Freier Wille hat eben auch Schattenseiten. Man kann die Menschen nicht voneinander wegsperren." Er schwieg zu den Wissenschaften. Davon hatte er keine Ahnung. Er hatte ein paar Dinge gelesen, aber er wusste nicht, was sie bedeuteten oder wie man sie nutzte. "Dann bleibe ich lieber bei den Dingen, die ich mit Sicherheit weiß.", antwortete der Engel.

"Es ist unwahrscheinlich.", bestätigte er. "Nach jedem Umsturz wurde es schlimmer." Wie sollte man da Hoffnung auf Besserung haben? Aber das waren nicht ihre Probleme. Ihre Probleme befanden sich auf der Erde, auch wenn sie im Himmel geschaffen worden. "Es gibt eine Hierarche unter den Engeln. Die Erzengel sind die mächtigsten Engel." Auch wenn sie entweder tot oder außer Gefecht waren. "Die Gregori waren die besten Kämpfer, die Gott zum Schutz auf die Erde geschickt hat. Sie haben sich allerdings irgendwann gegen die Menschen gewandt und wurden ebenso wie die Nephilim gejagt. Sie sind in der Lage menschliche Seelen zu verzehren. Das macht sie gefährlich." Sie hatte sich ja vorhin schon anhören müssen, wie das mit Wesen war, die als gefährlich galten. "Ich weiß nicht wie viele es noch von ihnen gibt." Er gab sich Mühe ihr das mit den Engeln zu erklären. Immerhin waren diese ihre natürlichen Feinde. "Die Seraphim sind auch stärker als wir normalen Engel. Wir sind nicht die schwächsten unserer Art, aber wohl am einfachsten zu besiegen." Er schwieg kurz. "Das hast du ja schon festgestellt." Er hörte sich tatsächlich etwas amüsiert an.

Draußen in der Kirche, führten sie das Gespräch fort. Er griff unter seine Robe. "So einen Dolch?", fragte er dann. Natürlich hatte er ebenfalls seine Waffe. Er steckte den Engelsdolch wieder weg. Immerhin wollte er nicht kämpfen. Amatiel spürte, dass sie ihn musterte. Sie konnte ihn sehen. Sehen wie er ohne die Hülle aussah. "Es ist eigenartig zu wissen, dass jemand hinter meine Hülle sehen kann.", gestand er dann. Die Rothaarige stellte sich dann vor. Das kam unerwartet, aber früher oder später taten Menschen das. Und sie war unter Menschen aufgewachsen. "Für die Menschen bin ich Paul Dyer, Reverend Dyer. Für meine Geschwister Amatiel." Er zuckte die Schultern. "Du hast die Wahl." Er würde auf beide Namen reagieren. Er blickte zu ihr. "Darauf würde ich mich nicht verlassen. Immerhin hast du Kräfte, die ein einfacher Dämon nicht hat. Ich könnte einen Dämon allein durch eine Berührung vernichten. Du kannst dafür mit Leichtigkeit drei Engel töten." Er runzelte die Stirn. "Irgendjemand wird immer einen Nutzen dafür finden." Noch immer spürte man nichts von dem Unheil, welches sich näherte.
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