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 What does it mean to be an Angel? (beendet)

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Rae Black
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Nephilim
Anmeldedatum : 20.10.16
Alter : 25
BeitragThema: Re: What does it mean to be an Angel? (beendet)   07.11.16 18:00

Genau so war es immerhin auch gemeint, Herr Engel. Die ganze Sache mit dem Glaube war selbst für mich wie ein Wald voller dichtem Nebel. Undurchschaubar und absolut verwirrend. Ich selbst konnte nie an etwas glauben das mir Kraft gab, außer mir selbst. Lag es wirklich daran das ich immer schon wusste das irgendetwas in dieser heilen Welt anders war? Das ich immer schon in mir drin hatte was ich war und das diese Welt mit allem was dazu gehörte eigentlich ein ziemlich grausamer Ort war? Wenn ich dem Engel richtig zuhörte war er wirklich nicht viel anders als die Menschen in dieser Sache. Er war zwar ein Engel und Gott war sein Vater, aber er glaubte an ihn ohne ihn jemals gesehen zu haben. Es musste wirklich viel Kraft und einen wirklich starken Glauben haben um diese Hoffnung aufrecht zu erhalten, vor allem nach dem was ihm passiert war. "Verständlich. Ich meine.. Was sollte man Gott fragen wenn man ihm begeget? Ein ziemlich.. Seltsamer Gedanke." In meinem Kopf spielten sich wieder Bilder ab, die mich verwirrten. Ich konnte mir Gott nicht vorstellen. Ob er auch wie ein Engel erschien, oder einen Körper hatte? Sah ich ihn auch, genau wie Engel? "Vermutlich. Jeder hat wohl Fragen auf die er nie Antworten bekommen wird." Mich interessierte beispielsweise nun neben all dem Leid das ich ertragen musste, warum er zulässt das ein Engel so vielen anderen schadet, ihnen das genommen hat was ihr Stolz war. Ihre Flügel, ihre Aufgaben, ihr zu Hause.. War ihm das wirklich egal?
Ich zuckte nur lächelnd die Schultern. "Ich weiß es nicht.. Das sind Redewendungen die man sich einfach angewöhnt wenn man unter Menschen aufwächst. Irgendwann ergibt das Sinn." meinte ich lächelnd. Durch Amatiel überdachte ich so einige Dinge die man im Alltag sagte, die aber gar keinen richtigen Sinn ergaben. Immerhin schien er nun zu wissen was ich gemeint hatte. Wenn er sich melden sollte würde ich ihm helfen. Es war ein komischer Gedanke einem Engel, dem Wesen was einen eigentlich töten sollte zu helfen. Aber Amatiel hatte mich nicht getötet, obwohl er die Chance gehabt hätte. Er war vielleicht nicht das was man einen Freund nennen würde, vielleicht noch nicht. Aber meine Hilfe stand ihm jederzeit offen.

Erneut kam der Moment in dem ich mich zusammen reißen musste nicht zu lachen. Der Engel hatte also vergessen die Augen zu schließen, beim Versuch zu schlafen. Die bildliche Vorstellung trat wieder in Kraft. "Wenn du schläfst sollst du ja auch nichts mehr sehen." grinste ich breit. "Du schließt die Augen damit du einschläfst. Wenn das nicht klappt kann man Tee trinken, warme Milch mit Honig, ein Buch lesen oder ein Hörbuch hören um müde zu werden. Versuch es mal. Aber wenn es nicht klappt, nutz die Nacht die du nicht schlafen musst einfach für produktive Dinge." Wenn ich nicht schlafen müsste würden die Nächte wirklich genutzt werden um produktiv zu sein. Schlaf raubte einem so viel Zeit. "Nein, nicht einfach so." Ein leichtes Grinsen lag noch immer auf meinen Lippen. "Das ist nicht so simpel. Wenn ich müde bin merke ich das. Man fühlt sich irgendwann kraftlos, der Körper braucht seine Ruhe, man kann nicht mehr klar denken, einem wird kalt. Man fällt nicht einfach um wenn man müde ist. Wenn ich müde bin lege ich mich abends hin und schlafe ein paar Stunden. Wenn ich nicht schlafen will bleibe ich wach, dann eben mit diesen 'problemen'. Menschen schlafen in der Regel in der Nacht, wie du sicher gemerkt hast." Das Bild von umfallenden Menschen die einfach schliefen war dennoch ziemlich amüsant.
Ja, Menschen im Krankenhaus.. Meine beste Freundin hatte damals einen Unfall und lag im Krankenhaus im Koma. Fast Zwei Jahre, bis ihre Eltern sich entschieden die Maschinen abzustellen.. Einer der grausten Tage in meinem Leben. Ich hasste sie für diese Entscheidung. Immerhin war sie doch noch da, ich spürte es jeden Tag im Krankenhaus.. Ich schluckte. "Ja, diese Menschen sind krank. Diese Schläuche und Verbindungen halten sie am leben. Sie liegen im Koma, das heißt sie schlafen ganz fest und wachen nicht allein auf.. Es kann Jahre dauern. Nach einem Unfall zum Beispiel. Sie werden beatmet, das Herz wird überwacht, sie bekommen Flüssigkeit damit sie nicht verhungern und verdursten." erklärte ich leise und hatte wieder das Bild im Kopf. In dieser Zeit schwänze ich so oft die Schule und saß Tage lang an diesem Bett, zwischen den Tönen der Maschinen und dem Anblick unzähliger Schläuche. "Ja, das ist es wirklich.. Es ist ruhig, ehrlich.."

Ich schüttelte nur leicht den Kopf und grinste breit. Wenn ich ein Engel wäre, würde ich mich vermutlich nun Bonny nennen. Und mir einen suchen den ich Clyde nennen könnte. Zwei Engel auf der Flucht. Das klang nach einem ziemlich schlechten Buch. Vielleicht sollte ich mal beginnen eines zu schreiben. Während ich am Wagen stand kam Amatiel schon und öffnete den Kofferraum, legte den Körper in diesen und verschloss die Kirche fest. Nachdem er noch einige Dinge in den Wagen räumte stieg er auch schon ins Auto. Ich tat es ihm gleich und machte den Gurt fest, immerhin hatte ich nicht das Bedürfnis zu riskieren angehalten zu werden mit einem verwirrten Engel und einer Leiche im Auto. Erkläre das mal dem Richter, und ein Freifahrtschein in die Klinig steht offen. Das wäre witzig. Auch Amatiel schnallte sich an und erwähnte ein Waldgebiet außerhalb der Stadt. Ich startete den Motor und fuhr langsam aus dem Hinterhof der Kirche vor, bog auf die Straße und fuhr den Weg entlang den Amatiel mich lotste. Unterwegs machte ich das Radio lächelnd an und sah weiter auf die Straße, schaltete ebenso die Heizung an. "Fährst du oft Auto?" fragte ich lächelnd.


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Amatiel
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Engel
Anmeldedatum : 17.10.16
BeitragThema: Re: What does it mean to be an Angel? (beendet)   07.11.16 19:31

Er nickte. Der Gedanke war wirklich seltsam. Aber die Wahrscheinlichkeit auf dieses Vater-Sohn-Gespräch war verschwindend gering. Er schob den Gedanken beiseite. Überhaupt war es nicht gut über seine Familie nachzudenken. Über dieses Chaos, das Leid und die Wut bei seinen Geschwistern. Amatiel hatte keine Antworten auf die Situation, aber er hatte oft nachgedacht, was man tun könnte und ob es Sinn machen würde. Die Erkenntnis war: es gab wenig, was man tun konnte und selbst ein offener Himmel würde nur neue Probleme aufwerfen für die man wiederum Lösungen finden müsste. Das würde eine Lawine an Dingen lostreten, die am Ende noch alles vollends vernichten würde. Also wirklich alles: Himmel, Erde... das würde sicher auch die Hölle nicht ganz unberührt lassen. Dort war es ja im Moment auch nicht gerade stabil. Der Engel runzelte die Stirn. Er driftete schon wieder in diese Spirale der Grübeleien ab. Das war nicht gut, also sah er wieder zu der jungen Nephilim. "Vielleicht gibt es auch Antworten, die keiner von uns verkraften würde."

Ihm war auch klar, dass er nie das Menschsein perfektionieren würde. Aber er konnte sich immerhin annähern um nicht mehr aufzufallen durch seine kleinen Merkwürdigkeiten. Aber war merklich besser geworden. "Manchmal bin ich mir nicht sicher ob ich mich verbessert habe im Umgang mit Menschen oder ob sie sich einfach an mich gewöhnt haben.", grübelte er dann. Vielleicht eine Mischung aus beiden. Der Priester trieb sich nur selten unter Menschen herum. Aber er verließ gern das Haus und streunte durch die Umgebung oder die Natur. Das hatte er wirklich für sich entdeckt.
"Wieso soll ich etwas trinken oder essen um einzuschlafen? Ich schmecke es nicht..." Dann legte er den Kopf schief. "Ich dachte Menschen essen um bei Kräften zu bleiben und Energie zu bekommen?" Das widersprach irgendwie der Idee von Schlaf und Ruhe. Der Engel verstand das nicht. "Ich glaube ich werde das nicht noch einmal versuchen." Ganz im Dunkeln liegen war sicher noch langweiliger als die Decke im dämmrigen Licht der Straßenlaterne anzustarren, welches durch das Fenster fiel. Dann würde er vermutlich einfach weiter die Nächte mit Büchern und dem Fernseher verbringen oder eben am Klavier. Es war beruhigend, dass Menschen nicht einfach umfielen. Immerhin konnten diese sich dadurch noch verletzen. Das hätte immerhin das volle Krankenhaus erklärt...
Das mit dem Krankenhaus schien ihr unangenehm zu sein. Zumindest zeigte das ihre Reaktion. Er hatte das oft genug bei anderen Menschen gesehen. Er kannte die Geschichte nicht und er würde sicherlich auch nicht nachfragen. Menschen mochten das nicht immer. Außerdem war er es als Priester gewohnt, dass die Leute anfingen mit ihm zu reden, wenn sie es für nötig erachteten. Aber vielleicht sollte er seine Fähigkeiten beim nächsten Mal im Krankenhaus einsetzen um einen dieser Schlafenden zu wecken. Bisher hatte er sich diesbezüglich immer zurück gehalten. Immerhin hatten die Menschen ihre eigenen Möglichkeiten zu gesunden, aber wenn diese Leute wirklich nicht mehr allein heilen und aufwachen konnten...

Es war eigenartig, wenn er daran dachte, was sie gleich tun würden. Aber der Mann hatte nun einmal ein Begräbnis verdient. Er bekam sogar ein sehr individuelles. Vermutlich war es auch wesentlich friedlicher in einem Wald begraben zu werden als in einer sorgsam gepflegten Parkanlage mit anderen Gräbern zusammen zu liegen. Aber was wusste der Dunkelhaarige schon. Es war nur wichtig, dass sie nicht erwischt wurden. Aber er hatte da noch nie Leute gesehen. Ihre Frage riss ihn aus den Gedanken. Er war gerade viel zu fasziniert von dem Radio gewesen, was er aus der Wohnung kannte und nicht in einem Auto erwartet hätte. Die erste Begegnung mit so einem Gerät war verwirrend gewesen. Aber im Nachhinein war es nur logisch gewesen, immerhin hatten Engel auch ihre Möglichkeiten zur Kommunikation. Das hatte die Menschheit wieder etwas interessanter gemacht. Immerhin schienen sie selbst sehr schöpferisch zu sein. Er blickte von dem Radio aus zu ihr und schüttelte den Kopf. "Nie.", war die kurze und ehrliche Antwort. "Ich fahre manchmal mit dem Bus." Aber wirklich selten, weil es auch sehr umständlich war. Dann blieb er doch lieber Fußgänger. Er konnte mit dieser Technik nicht umgehen. Die Knöpfe, Hebel und Lämpchen irritierten ihn.

"Dort drüben können wir anhalten." Das große P fand sich überall, wo man Autos abstellen konnte. Wieder eine seiner Beobachtungen. Von dort aus müssten sie eine ganze Weile durch den Wald laufen um an diese abgelegene Stelle zu kommen. "Wir müssen den Weg meiden.", erklärte er. Das Laub der Bäume und der Sträucher würden auch mehr Schutz vor Blicken bieten. "Es ist dann auch kürzer dorthin zu kommen." Amatiel kannte den Weg gut. Immerhin lag dort schon jemand begraben. Ohne Auto war das eine sehr interessante Nacht- und Nebelaktion gewesen.
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Rae Black
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Nephilim
Anmeldedatum : 20.10.16
Alter : 25
BeitragThema: Re: What does it mean to be an Angel? (beendet)   08.11.16 0:14

Das es Antworten auf all die Fragen gab die man nicht hören wollte, oder die man einfach nicht verkraften würde war natürlich ebenfalls eine Möglichkeit. Vielleicht war diese Möglichkeit sogar warscheinlicher als eine Antwort zu bekommen die einem gabw as man wollte. Jeder hatte doch irgendwo Hoffnung das die Antwort der entsprach die man sich zu jener Frage im Kopf gebildet hatte. Sicher ging es auch den Engeln so, gerade wo sie nun auf der Erde irrten und nicht wussten was wirklich los war. Was fragte sich so ein Engel wohl alles? Vielleicht würde ich den nächsten der mich angriff einfach mal fragen. Ob es eine Antwort geben würde war ein anderes Blatt im Buch.

Ich sah zu ihm und legte den Kopf leicht schief. Vermutlich war es eine Mischung aus beidem. Menschen gewöhnten sich schnell an die Eigenarten eines Anderen, darunter fiel sicherlich auch Amatiel und sein Verhalten als Mensch. Aber ich zweifelte auch nicht daran das er sich immer mehr Dinge abgeguckt hatte und somit 'normaler' auf seine Mitmenschen wirkte. "Ich denke das beides sein übriges tut. Wenn man nicht weiß das du ein Engel bist denkt man einfach du bist ein etwas verwirrter Mensch. Das ist okay, damit kommst du schon zurecht." Auch wenn Dinge wie das Schlafen für ihn wohl immer seltsam bleiben würden. Wobei die Sache mit dem Essen wohl auch noch immer eine Sache war die dem Engel ein Rätsel war. Ich konnte mir ein leises Lachen nicht verkneifen, während ich ihn musterte. "Menschen essen wenn sie Hunger haben, wenn der Körper etwas brauch. Das stimmt. Aber es gibt Unterschiede bei dem Essen. Zum Beispiel gibt es Frühstück, Mittag und Abendessen. Morgens isst man oft Brötchen, Müsli, trinkt Kaffee. Etwas kleines. Mittags isst man oft groß, also mehr und schwerere Dinge. Fleisch, Gemüse, Kartoffeln,... Und am Abend meist Brot.. Kaffe hält wach. Es gibt Tee der beruhigt, deshalb kann man den vor dem schlafen trinken. Ebenso warme Milch mit Honig wirkt auf viele beruhigend." Ob er es verstehen würde? Ich denke, wenn ich ein Engel wäre würde ich absolut überfordert mit dieser Menschheit sein. Amatiel hatte mit Sicherheit bemerkt das ich erneut nachdenklicher wurde bei dem Thema Krankenhaus. Aber er sprach mich nicht darauf an, wofür ich irgendwo dankbar war. Auf der anderen Seite hätte ich mit ihm vielleicht darüber reden können.. Ein Zwiespalt.

Im Auto konzentrierte ich mich auf die Straße, hörte neben dem Radio jedoch auch Amatiel zu als er auf meine Frage antwortete. Also fuhr er selten Auto, und wenn dann Bus. Ich schätzte das er eher zu seinen Zielen hin lief statt sich groß auf ein Auto oder eine Busverbindung zu stürzen. Genau genommen war der Weg zu Fuß auch angenehmer, man sah mehr von der Welt und hatte oft seine Ruhe. Aber in der Welt ging es meist darum so schnell wie möglich am Ziel zu sein, da war es selten möglich die Ruhe zu haben. Eine Frage zog Kreise in meinen Gedanken, die ich mir nicht verkneifen konnte. "Sag mal.." fing ich an und sah kurz zu ihm. "Kann man einen Engel, einen gefallenen Engel in seiner Hülle eigentlich K.O. bekommen? So wie einen Menschen, wenn man ihn so schlägt das er bewusstlos wird?" Diese Frage klang ziemlich seltsam, vor allem wenn man betrachtete das wir vom Himmel gesehen natürliche Feinde waren.

Amatiel lotste mich bis zu einem Parkplatz an dem ich dann anhielt. Wir mussten also zu Fuß weiter, was ich mit einem Nicken bestätigte. Ich stieg aus, schloss das Auto ab nachdem auch Amatiel es verlassen hatte und ging zum Kofferraum, öffnete diesen und nahm die Schaufel und den Rest in der Tasche. "Okay. Du führst, ich kenne den Wald nicht."



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Amatiel
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Engel
Anmeldedatum : 17.10.16
BeitragThema: Re: What does it mean to be an Angel? (beendet)   08.11.16 15:29

Vielleicht hatte sie recht. Die Leute hatten ihn am Anfang vermutlich für mehr verwirrt gehalten. Es war gut, dass keiner weiter nachgehakt hatte. Wie hätte er das auch erklären sollen. Heute wusste der Engel immerhin mehr über sein näheres Umfeld und konnte angepasster reagieren. Einmal war er einen anderen Priester begegnet, der auf Durchreise war. Dieser kam ihm auch ziemlich seltsam vor. Amatiel bezweifelte nicht, dass der Mann ein rechtschaffender Mann gewesen war, der sein Leben der Kirche widmete, aber er war eigenartig gewesen. In dem Moment hatte er sich gefragt ob es anderen Leuten im Gespräch mit ihm auch so ging. "Vielleicht gehört ein wenig Seltsamkeit zu einem Priester einfach dazu.", schmunzelte er dann leicht. "Die Brüder meiner Hülle haben Paul immerhin auch nie verstanden." Wieder hörte er der rothaarigen Nephilim zu, die ihm jetzt etwas über die Essensgewohnheiten der Menschen erzählte. Für jemanden, der nicht aß, klang das nach sehr viel Essen. "Schweres Essen?", wiederholte er irritiert. Er hatte Kartoffeln in einer Kochsendung gesehen. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Kartoffel so viel wiegt.", murmelte er nachdenklich. Ein wenig stellte er sich das wie einen essbaren Stein vor und das irritierte ihn noch ein bisschen mehr. Da war das mit den aufputschenden und beruhigenden Getränken leichter zu verstehen. "Wieso hat meine Haushälterin sich Tee gekocht, wenn sie doch zum Arbeiten wach sein muss?", fragte er dann. Er wusste, dass es Tee war. Das hatte auf der Schachtel mit den kleinen Beutelchen gestanden. Amatiel runzelte die Stirn. "Ich habe sie nirgendwo schlafen sehen." Dann fügte er an. "Ich habe sie fortgeschickt, weil sie sonst sicher etwas bemerkt haben könnte." Immerhin war das Bett immer perfekt gemacht, weil es nie in Benutzung war. Der Kühlschrank immer unangerührt und es gab auch nie Geschirr zum Abwaschen. Hin und wieder kam jemand aus der Gemeinde. Dann wurden vielleicht mal zwei oder drei Tassen dreckig, aber sonst? Die Kleinigkeiten, die anfielen, konnte er alleine schaffen. "Ich weiß wie man einen... ähm... Staubsauger benutzt." Dass er sich gewundert hatte, dass kein Lärm aus dem Gerät kam, weil er keinen Stecker eingesteckt hatte, verriet er nicht. Tatsächlich hatte er das Kabel zwar quer durch den Raum gelegt, weil er es immer so gesehen hatte. Aber die Idee mit der Steckdose kam ihm erst sehr viel später. Ein nützliches Gerät. "Mit dem Besen ist der Teppich nicht sauber geworden.", erklärte er dann.

Die Autofahrt war ganz angenehm. Allerdings irritierte ihn ihre Frage. "Ich weiß es nicht. Ich bin noch nicht lange in diesem Zustand, wie du weißt." Er legte nachdenklich den Kopf schief. "Ich kenne keine Müdigkeit und Erschöpfung bei den Dingen, die ich mache. Die Hülle ist auch nur eine Hülle, die uns und unsere Kräfte hält. Selbst, wenn die Hülle Schaden nimmt, würde es keinen großen Unterschied geben.", mutmaßte er. "Du hast es in der Kirche gesehen." Immerhin hatten sie dort einen Kampf mit einem Engel erlebt. Der wäre auch nicht einfach bewusstlos geworden, wenn nicht die Waffe zum Einsatz gekommen wäre. Und da war er auch nicht bewusstlos geworden, sondern gestorben. "Wir können nicht mehr fliegen und teleportieren. Es gibt kleine Einschränkungen, aber ich denke wenn du einen Engel wirklich schaden willst, musst du mit Sigillen und heiligen Öl arbeiten." Der Priester runzelte den Stirn. "Ich hoffe du willst das nicht an mir ausprobieren. Das würde ich dir womöglich übel nehmen." Immerhin war er gerade der einzige greifbare Engel.

Er hob die eingewickelte Leiche aus dem Kofferraum und schloss diesen. Dann lief er voran. Amatiel behielt sorgsam die Umgebung im Auge. Einmal um sich zu orientieren und zum anderen um böse Überraschungen zu vermeiden. Wenigstens spürte er keine weiteren Engel in der Nähe. Nur die schwache Gnade, die die junge Frau mit sich trug. "Wir müssen uns mehr links halten.", meinte er nach einer Weile. Die Bäume und Sträucher wuchsen hier dichter. Es war abgelegener von den Wanderwegen. Für einen Moment zuckte er zusammen als er eine Bewegung wahrnahm. Aber es waren nur ein paar aufgeschreckte Rehe. "Wir dürften bald da sein." Und einen weiteren Fußmarsch später kamen sie an dem kleinen Hang an, der zu einer Art zugewachsenen Grube führte. Offenbar hatte man hier vor einiger Zeit Boden abgetragen. Aber der Ort war versteckt genug und mit grün gut abgeschottet. Er nickte ihr zu und schlitterte den Hang herunter. Ohne ihre auffällige Fracht konnten sie dann auch einen anderen Weg zurück nehmen. Er legte die Leiche ab und nahm ihr eine Schaufel ab.
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Rae Black
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Nephilim
Anmeldedatum : 20.10.16
Alter : 25
BeitragThema: Re: What does it mean to be an Angel? (beendet)   08.11.16 21:05

Ja, der Engel hatte vermutlich Recht. Als Priester musste man sicherlich eine gewisse Größe an Seltsamkeit mit sich bringen. Warum das so war konnte ich natürlich nicht sagen, der Engel war immerhin der erste mit dem ich wissentlich sprach. Ob seine Hülle auch ohne einen Engel in sich ein wenig seltsam war konnte ich mir also nur vorstellen. Wie war der echte Mensch dieser Hülle wohl drauf? Eine Frage auf die ich sicherlich nie eine Antwort bekommen würde. Das man einem so jungen Mann nicht mit Fähnchen und Jubel gratulierte Priester zu sein verstand ich irgendwo. In der normalen Gesellschaft war man als Priester einfach jemand der nichts mehr in seinem Leben hat was Spaß macht. Keinen Alkohol, keine Partys, keine Freunde, keine Zärtlichkeiten. Ich sah das ganze etwas anders, mir war es schlicht und ergreiflich einfach egal. Die Sache mit dem Essen schien den Engel wirklich zu beschäftigen, und noch immer zu verwirren. Meine Aussage bezüglich dem schweren Essen hatte wohl erneut dazu geführt das er es zu wörtlich nahm, gerade mit der Kartoffel. "Nein, nein.. Eine Kartoffel ist nicht schwer. Man nennt es schwere Mahlzeit, weil sie einfach von der Masse her mehr ist und von den Kalorien, also der Energie. Man isst eigentlich kein Schnitzel mit Kartoffeln zum Frühstück. Zumindest in einem 'normalen' Alltag." Ich pfiff auf solche Dinge. Wenn ich die Möglichkeit hatte ein Schnitzel zu essen war mir doch egal wie viel Uhr es war. Da ich allein lebte und nur reiste bekam ich selten so etwas zu essen. Es war schon Jahre her das ich mal in einer Küche stand und gekocht hatte. "Wie gesagt.. Tee kann auch wach machen. Schwarzer Tee zum Beispiel. Kräutertee beruhigt dann eher. Manche Menschen trinken Tee auch einfach weil es schmeckt, nicht bei jedem wirkt es. Ich kann zum Beispiel Liter Kräutertee trinken und werde nicht müde. Das wirkt bei mir nicht." Die Entscheidung diese Haushälterin fort zu schicken war vermutlich die beste Idee die der Engel hatte. Es wäre wohl ziemlich riskant doch irgendwie aufzufliegen, wenn jemand jeden Tag dort war und sah das es kein Essen in diesem Hause gibt. "Ui, ein Engel der den Haushalt macht." grinste ich nur und sah ihn wieder an. Vermutlich war es ziemlich amüsant wie er nach und nach allein heraus fand, wie man Dinge benutzte. Oft lernte er solches wohl auch durch Fernsehn und dergleichen. Gar nicht mal so dumm.

Natürlich war diese Frage seltsam, gerade in einem Auto während wir Zwei nebenbeinander saßen und eine Leiche eines Engels in einem Wald begraben wollten. Die Situation wurde irgendwie nicht besser, desto mehr ich darüber nachdachte. Aber es klang logisch. Bisher hatte ich die Engel nur getötet, egal wie man sie im Kampf traf: Sie fielen nicht einfach um. Der Körper der Hülle nahm wohl Schaden, nicht jedoch der Engel darin. Mit heiligem Öl und den Sigillen würde man in solchen Situtionen vermutlich besser zurecht kommen wenn man nicht direkt das Ziel hatte einen Engel zu töten. Seine Aussage ließ mich wieder grinsen. Statt jedoch diese Frage zu verneinen sah ich ihn einfach nur an, grinste breit und sah zurück auf die Straße. Aus dem Augenwinkel beobachtete ich ihn noch eine Weile mit diesem breiten Grinsen. "Nein, nein. Keine Sorge. Ich hatte mich nur gefragt ob man einen gefallenen Engel einfach K.O. hauen könnte, damit er schläft. Aber du hast Recht, das geht bei einem Engel nicht."

Gemeinsam liefen wir dann also mit einer Leiche und Zubehör um diese in einem Wald zu vergraben durch eben jenen und schwiegen diesen Fußmarsch lang. Seine Anweisung das wir uns weiter Links halten mussten ließ mich aus den Gedanken heraus switchen, ich sah einen Moment auf und folgte ihm also weiter durch dichteres Gestrüpp. Einmal zuckte Amatiel stark zusammen und blieb ruckartig stehen, ließ mich gleich mit aufschrecken. Doch es war zu unserem Glück nur eine kleine Gruppe von Rehen die sich vermutlich genau so erschreckt hatte wie wir, also liefen wir weiter bis ein Abhang sich vor uns erstrecke. Amatiel rutschte langsam mit der Leiche auf der Schulter hinunter und wartete bis ich neben ihm stand. Es wunderte mich zwar das ich mich lang gelegt hatte, doch es war besser für alle Anwesenden. Der Engel legte die Leiche auf dem Boden ab und nahm mir eine Schaufel ab, mit der wir einen Moment später ein Loch zwischen Büschen und Sträuchern gruben.

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Amatiel
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Engel
Anmeldedatum : 17.10.16
BeitragThema: Re: What does it mean to be an Angel? (beendet)   09.11.16 1:52

Amatiel hätte sicher geschmunzelt, wenn er ihre Gedanken über das langweilige Leben eines Priesters gehört hätte. Er vermisste das alles nicht. Weder irgendwelche Partys noch Zärtlichkeiten. Beides hatte für ihn keine Bedeutung. Immerhin kannte er beides nur aus dem Fernsehen und bisher hatte es auch nie sein Interesse geweckt. Es war eben beides so ein Menschending, was viel Verständnis für zwischenmenschliche Aktionen forderte. Ihm erschloss sich der Sinn einfach nicht. Anderen seiner Geschwister offenbar schon, denn sonst stände Rae nicht vor ihm. Aber er kannte ihre Gedanken nicht und so hörte er ihr weiter zu als sie über die Schwere von Kartoffeln redete. "Aber viel Energie ist doch gut?", fragte er nach. Vermutlich würde er sie noch zum Verzweifeln bringen. Aber es war eigenartig. Woher sollte er auch wissen, dass große Mahlzeiten ein Völlegefühl mit sich brachte und das dann alles andere als munter machte? Der Engel runzelte die Stirn und legte den Kopf schief. "Essen ist kompliziert.", murmelte er. "Zum Glück muss ich das nicht können." Das mit dem Tee war auch nicht so einfach zu verstehen. Wieder schüttelte er den Kopf. "Wie macht ihr Menschen das nur?", fragte der Priester dann. "Ich wäre schon von dieser Nahrungssache überfordert." Dann noch das mit den Schlafen und Reinigen, was für die Hülle eines Menschen wichtig war. Wobei er selbst auch festgestellt hatte, dass eine Dusche sehr angenehm sein konnte. Das hatte er auch getestet.

Das Grinsen der Nephilim war verwirrend für den Engel. Es würde keinen Sinn machen, wenn sie jetzt versuchen würde ihn zu töten, oder? Aber zum Glück schien sie wirklich nicht diese Absichten zu hegen. Das Stirnrunzeln verschwand wieder aus seinem Gesicht. Sie war auch verwirrend. Nicht nur mit den Dingen, die sie über Menschen sagte, sondern auch die Dinge, die sie sonst sagte. Daran würde er sich nur schwer gewöhnen. Zuhören und beobachten war einfach das Beste, was er im Umgang mit Menschen tun konnte. Muster herausfiltern und eventuell übernehmen, wenn es sinnvoll erschien. Aber wenn er wirklich lernen wollte mit den Menschen umzugehen und sich anzupassen, würde er sich wohl auch weiter verwirren lassen. "Eher nicht.", meinte er mit ruhiger Stimme. Wieder kamen ihm die Bilder aus der Kirche in den Sinn. "Aber bei anderen Wesen könnte es funktionieren." Dämonen waren sicher ähnlich schwierig zu Bekämpfen für die junge Frau, aber Wesen, die wie Menschen auf Schlaf und Nahrung angewiesen waren, würden sicher bewusstlos werden können. Er hatte darüber nie nachgedacht. Wenn er eingegriffen hatte, hatte das meist tödlich geendet und nicht mit Bewusstlosigkeit.

Von den Begräbnissen auf dem Friedhof wusste er, dass so ein Loch ziemlich tief sein musste. Die Hüller seines Bruders war auch ein hochgewachsener Mann gewesen. Irgendwann war dann doch die nötige Größe ins Erdreich gegraben. Der Engel hob den Toten in die Grube und war froh, dass dieser unter dem weißen Stoff verborgen war. Dann kramte er nach dem Buch und senkte für einen Moment den Blick auf das Grab vor ihm. Noch war es nicht zugeschüttet, aber das würde bis nach der Ansprache warten müssen. Amatiel wusste nicht, wie die Rothaarige damit umgehen würde. Immerhin hatte sie es auch für wichtig erachtet, dass der Tote ein paar Worte bekam. "Wir haben uns heute hier versammelt um das Ableben von Zac Cohen zu betrauern.", fing er mit ernster Stimme an. Hier war keine Menschenmenge, die lauschte. Er würde vermutlich nicht die volle Show liefern, aber ein wenig musste man schon sagen. "Wir wissen nicht, wie er gelebt hat." Aber wir wissen wie er gestorben ist. "Er hat sein Leben in die Hände des Himmels gegeben." Einen Engel eine Hülle gegeben., berichtigte er gedanklich. "Mögen seine Hoffnungen, die ihn auf seinen Weg begleiteten, in Erfüllung gehen." Dann schlug er das Buch auf, ein paar Bibelstellen. "Denn der Staub muß wieder zu der Erde kommen, wie er gewesen ist, und der Geist wieder zu Gott, der ihn gegeben hat.", fuhr er fort. "Möge seine Seele in den Himmel fahren und dort ihren verdienten Platz finden." Er las weiter die Notizen seines Vorgängers. "Es fährt alles an einen Ort; es ist alles von Staub gemacht und wird wieder zu Staub." Eine Auferstehung würde es für diesen Menschen nicht geben. Nicht, dass ein Engel keine Toten wiederbeleben konnte, aber er wusste nicht welchen Schaden sein Bruder in der Hülle hinterlassen hatte und ob Zacs Seele nicht schon längst woanders war. Er klappte das Buch zu. "Gott erbarme sich seiner.", murmelte er. Sein Blick war wieder auf dem Grab. Er griff nach dem Weihwasser und verteilte etwas mit einer kreuzförmigen Bewegung darauf. Er wirkte nachdenklich. Dann griff er zur Schaufel und fing an die Erde zurück in die Grube zu schaufeln.

Es war eine eigenartige Situation. Wäre das eine richtige Beerdigung gewesen, hätte er sich an einen längeren Text gehalten, weil er dann noch etwas mehr zu den Verstorbenen hätte sagen können. Aber er kannte den Mann nicht. Nur den Namen. Die Welt war seltsam. Insgeheim hoffte er wirklich, dass der Mann keine leeren Versprechungen erhalten hatte und dass es wirklich einen Lohn für ihn gab, weil er sich als Hülle angeboten hatte. Als die Erde alles verdeckte, strich er die Stelle glatt und streute ein paar Grassamen darüber. Ein wenig Leben sollte doch bleiben an diesem Ort. "Der Herr ist ein Hirte, mir wird es an nichts mangeln. Er lagert mich auf grünen Auen, er führt mich zu stillen Wassern. Er erquickt meine Seele. Er leitet mich in Pfaden der Gerechtigkeit um seines Namens Willen. Auch wenn ich wandere im finstren Tal, fürchte ich kein Unheil, denn du bist bei mir...", flüsterte Amatiel mit einer gewissen Bitterkeit in der Stimme. Er beendete den Spruch nicht. "Psalm 23.", fügte er noch leiser an. "Pauls Lieblingspsalm." Der Engel sah zu seiner Begleiterin. "Ich wünschte er hätte recht."
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Rae Black
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Nephilim
Anmeldedatum : 20.10.16
Alter : 25
BeitragThema: Re: What does it mean to be an Angel? (beendet)   10.11.16 0:27

Ich verstand langsam wie sich eine Mutter fühlen musste, wenn sie ihrem kleinen Kind Dinge beibringen wollte die es nicht so ganz verstand. Das der Engel nicht dumm war und somit seine eigene Meinung hatte war ein praktischer Vorteil der Sache, gleichzeitig jedoch erschwerte das alles. Eine leere Seite zu beschriften war eben leichter als schon geschriebenes zu korrigieren. Immerhin schien er sich Mühe zu geben die Dinge irgendwie zu verstehen die ich ihm erklärte. "Ja, das ist sie. Deshalb isst man das ja am Mittag, wenn man diese brauch. Früh am Morgen so viel essen ist nicht so gut, weil man dann voll gefuttert ist und das ganze erst einmal verdauen muss ehe man die Energie bekommt. Deshalb teilt man die Mahlzeiten so auf." erklärte ich ruhig. Ich war einer der Menschen die gleich nach dem Aufstehen nicht essen konnten, sondern einen Kaffee bevorzugten. Grundsätzlich aß ich nicht viel, wenn man mal davon absah das es ohne festen Wohnsitz schwierig war sich vernünftig zu ernähren. Fast food konnte ich nicht mehr sehen, also verzichtete ich manchmal auch einfach auf das Essen. Grinsend nickte ich nur. Essen war wirklich kompliziert wenn man es nicht von Beginn an gezeigt bekam. "Sei froh. Es gibt wohl vieles worüber du froh sein kannst es nicht zu müssen." Nicht schlafen, nicht essen.. Das ersparte einem wirklich viel. Auch wenn man im Schlaf träumen konnte, und träumen war wirklich schön. "Das einzige was ich vermissen würde wäre wohl das Träumen." Wenn ich es genau betrachtete machten Menschen vieles, was scheinbar nur Menschen machten. Neben dem Essen, dem Schlafen und den Kleinigkeiten wie die Angewohnheiten vor dem schlafen gab es auch noch Hygiene. Ich legte den Kopf schief und musterte ihn. "Fangen Engel auch an zu stinken?" wollte ich wissen. Ich merkte wie diese Frage klang und räusperte mich grinsend. "Ich meine, weil du in einem menschlichen Körper bist. Lebt der Körper normal weiter? Wenn du nicht isst, schläfst oder trinkst.. Was passiert mit dem Körper? Schlägt das Herz weiter, brauch er all das nicht so lange du in ihm bist? Musst du dir die Zähne nicht putzen, duschen oder all die Dinge?" Ich hatte nicht bemerkt das Amatiel oder besser Paul unangenehm roch oder ungepflegt aussah. Auch die Zähne waren schön.

Also waren Engel beinahe unkaputtbar. Außer man hatte die passende Waffe, Sigillen oder eben das heilige Öl um sie zu bearbeiten. Andere Wesen wären sicherlich auch anfälliger als es Engel waren.Wobei ich mich fragte wie es wohl mit Dämonen war. Sie waren sicherlich auch ziemlich stark und hatten gefährliche Fähigkeiten. Ich war mir also sicher einem solchen nicht begegnen zu wollen. Lieber begegnete ich weiterhin Engeln, mit denen konnte ich umgehen und wusste bisher wie ich mich selbst schützen konnte.

Gemeinsam mit Amatiels Hilfe grub ich ein Loch das groß und vor allem tief genug für einen menschlichen Körper war. Wir wollten immerhin nicht riskieren das man ihn fand und irgendwie auf uns kam, auch wenn das ziemlich unwarscheinlich sein würde. Nachdem das Loch fertig war und beide wieder aus diesem hinaus geklettert waren hob der Engel den Körper auf die Schultern und ließ in in das Grab sinken. Das Tuch bedeckte den Toden komplett wofür ich wirklich dankbar war. Ich war nie ein wirklich emotionaler Mensch gewesen, der seine Gefühle zeigte. Doch in mir sah es gerade ziemlich grau aus. Es tat mir leid für den Mann der sein Leben diesem Engel in die Hände gab, ihm vertraute und nun tot in einem Wald liegt, kurz davor begraben zu werden. Seine Familie würde niemals heraus bekommen was geschehen war. Ich hielt den Blick auf dieses mittlerweile dreckige Laken und atmete schwer. Im Grunde interessierte mich nicht was Amatiel für eine Rede hielt. Beerdigungen waren immer gleich, zumindest für mich. Der einzige Unterschied hier war nun das ich wusste das es den Himmel, Engel und Gott vermutlich ebenfalls wirklich gab. Die Worte kreisten in meinem Kopf und klangen nach und nach immer lächerlicher. Es war nicht der Engel, sondern eher die Worte die für mich einfach nach Lüge klangen. Dieser mann starb durch den Himmel, durch einen Engel. Vermutlich war ungewiss ob seine Seele in den Himmel kommen konnte, ob er erfuhr was seinem Körper geschehen war. Die Tatsache war das er tot war und sein Vertrauen ausgenutzt wurde. Da gab es für mich nichts zu beschönigen. Ich hörte der rede also nur mit einem halben Ohr zu, bis er begann Weihwasser auf das Laken zu gießen und kurz später mit dem Spaten Erde in das Loch zu schaufeln. Ich nahm ebenfalls die Schaufel und half ihm dabei das Loch zuzuschütten. "Ich hoffe für dich und den Frieden deiner Seele das deine Familie ebenfalls irgendwann Ruhe finden wird." flüsterte ich und seufzte innerlich. Als das Loch endlich verschüttet war begann Amatiel ein weiteres mal zu sprechen. Der Psalm klang schön und friedlich. Ich schluckte und nickte nur schwach als Amatiel seinen Gedanken dazu äußerte. "Ja, das wünschte ich auch.." murmelte ich nur und suchte die Sachen zusammen um den Rückweg wieder anzutreten. Ich wollte nicht mehr Zeit als nötig an diesem Grab verbringen.

Während wir auf dem Rückweg waren sah ich zu ihm rüber. "Hättest du etwas dagegen, wenn wir auf dem Rückweg in einem Supermarkt anhalten würden? Und.. Ich deine Küche benutzen düfte? Ich habe seit Wochen nichts richtiges mehr gegessen." fragte ich ihn beinahe schon flüsternd. Es war irgendwie unangenehm zu fragen. Wieder war ich froh das ich immerhin noch genug Geld hatte, welches ich mir zusammen gespart hatte.
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Engel
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BeitragThema: Re: What does it mean to be an Angel? (beendet)   10.11.16 21:07

Sie führte die Sache mit der Nahrung weiter aus. Amatiel hätte noch so einige Fragen dazu, aber gab sich erst mal mit der neuen Information zufrieden. Er fragt sich trotzdem ob das verbindlich für alle Menschen war und wie lange ein Mensch wohl ohne Nahrung auskam. Letzteres konnte er schlecht testen. Könnte er schon, aber er hatte genug Menschenkenntnis um zu wissen, dass man nicht einfach jemanden fangen und einsperren konnte um das auszuprobieren. Das würde auf vielerlei Art und Weise Ärger bedeuten. Da brauchte er nicht viel Fantasie. Da konnte man dem Fernseher gewiss vertrauen. Er hörte der jungen Nephilim weiter zu. Der Engel wusste, dass Menschen träumten. Er schmunzelte leicht. "Wir können die Träume der Menschen besuchen.", erwiderte er langsam. Dann musste er lachen. "Wir fangen nicht an zu stinken.", hob er die Augenbrauen als wäre das die absurdeste Frage, die ihm je gestellt wurde. Dennoch hatte er schon mitbekommen, dass Körperreinigung ein großes Thema für Menschen war. Mit etwas leiserer Stimme und etwas Verlegenheit darin, gab er dann aber zu. "Ich mag es zu duschen. Es ist sehr angenehm." Außerdem gab es gefühlt tausende Duschbäder, die er nach und nach ausprobierte. Eine Weile hatte ein recht blumig-süßliches verwendet, was ihn fragende Blicke eingebracht hatte. Aber er hatte diese Blicke eigentlich nie auf den Geruch bezogen. Er hatte immer noch mehrere Flaschen davon im Regal des Badezimmers gebunkert. Im Moment war sein Favorit ein anderes. Der Priester hatte auch gelernt, dass Duschbad nicht dazu geeignet war Kleidung zu waschen. Aber das hatte er sich von der alten Mrs. Miller zeigen lassen. Immerhin musste man Kleidung ja doch waschen. Für einen Moment hing er seinen Gedanken über Duschen nach bevor er sich wieder seinem Gast zuwand. "Der Körper wird durch meine Kräfte so erhalten. Er nimmt keinen Schaden, wenn man behutsam damit ist." Ansonsten hätte es üble Folgen für die Hülle, wenn man diese irgendwann verließ. Er legte dann den Kopf schief. "Es hat ein bisschen gedauert bis ich mich daran gewöhnt habe, dass man die Haare kämmen muss." Vorher war er wirklich wie ein explodierter Handfeger auf dem Kopf herumgelaufen.

Rae redete von der Familie des Verstorbenen. Er selbst hatte den Verdacht, dass diese vermutlich schon längst nicht mehr unter den Lebenden weilte. Es waren meist diese Leute, die sich eher auf einen Engel einließen. Vielleicht war selbst die Seele des Mannes schon lange nicht mehr im Körper zuhause gewesen. Das war immerhin möglich. Amatiel trug den Priester weiter in sich spazieren. Schon allein, weil der Himmel verschlossen war und er das dem anderen nicht antun könnte. Vielleicht bräuchte er Paul auch noch irgendwann oder zumindest dessen Erinnerungen. Davon hatte er bisher die Finger gelassen. Wenn er schon den Körper genommen hatte, dann musste er nicht noch da herumstöbern. Das Lesen der Tagebücher war schon grenzwertig gewesen, wie er mittlerweile gelernt hatte. Offenbar stöberte man nicht einfach in den geheimsten Gedanken eines Menschen - sagte das Fernsehen. Es war keine Antwort auf all seine Fragen, aber es hatte manchmal gute Einwürfe. Damit war das Begräbnis auch beendet. "Vielleicht wird es irgendwann wahr werden...", waren seine abschließenden Gedanken zu dem Psalm. Wenn Gott zurückkehrt und sich seiner Schöpfung annimmt.

Der Rückweg war in aller Stille bis die rothaarige junge Frau wieder Wort ergriff. Er nickte. "Ich wüsste nichts, was dagegen spricht." Amatiel war selbst sehr, sehr selten in Supermärkten, wenn er nicht gerade Duschbad oder Waschmittel in rohen Mengen hortete um regelmäßiges Einkaufen zu meiden. Küchenrolle und Klopapier waren noch auf Lager - noch aus Pauls Zeiten. Wurde beides nicht wirklich gebraucht. Manchmal besorgte er auch Kaffee. Allerdings hatte er den korrekten Umgang mit der Kaffeemaschine auch noch nicht gelernt. Wassertank voll, Filter voll. Ein Gebräu, was Tote auferwecken könnte. Nicht, dass er das wusste... Allerdings wunderte es ihn immer, dass die Gäste nie austranken oder nach unglaublichen Mengen Milch fragten. Zum Glück hatte er selten Besuch. Meist nur, wenn jemand ihm mit Kuchen etwas Gutes tun wollte oder es um wichtige Termine wie Trauerfeiern und Hochzeiten oder Taufen ging. "Ich mag Hochzeiten...", murmelte er dann. Die Reaktionen und Gefühle der Menschen waren interessant. Menschen weinten vor Glück. Das war seltsam. Er verstaute die Gartengeräte im Kofferraum und klopfte leicht den Dreck von den Schuhen in dem er mehrfach damit aufstampfte. Auf dem Weg zum Supermarkt zum Supermarkt sah er sie neugierig an. "Was möchtest du denn kochen? Kartoffeln?" Das war mindestens genau so spannend, wie jemanden essen zu sehen. Immerhin musste erst gekocht werden bevor man etwas essen konnte.

Auf dem Parkplatz sah er sich um. Er wusste, dass man so einen Wagen brauchte und das nicht alle Münzen dafür geeignet waren. Der Priester, der gerade nicht als solcher erkennbar war - schon allein wegen den dreckigen Schuhen und Hosensaum, kramte in seiner Jackentasche bevor er die glänzende Münze hervorfischte, sie kurz nachdenklich betrachtete und überlegte ob es die richtige war. Nach einem kurzen Probieren stellte er fest: sie passte. Es war praktisch. Dieses Ding mit Rollen. Es ersparte etwas Arbeit. Leicht runzelte er die Stirn und atmete tief durch. Supermärkte waren verwirrend und aufregend. "Dann kaufen wir mal etwas ein.", meinte er in einem Tonfall, den wohl auch ein Gladiator vor einem Kampf auf Leben und Tod drauf hatte.
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Nephilim
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BeitragThema: Re: What does it mean to be an Angel? (beendet)   10.11.16 22:02

Ein wenig verunsicherte mich die Tatsache, dass Engel scheinbar in Träumen herumpfuschen konnten oder eher in sie eindringen. Träume waren wohl das Privateste eines Menschen und offenbarten seine Wünsche, Ängste und das was ihn so beschäftigte. Nicht das es mich wirklich kümmerte, ich war mir eigentlich sicher das bisher kein Engel in meinen Träumen war.. Bis auf eine Erinnerung. Als ich noch ein Kind war träumte ich einmal von einem Engel der mir sagte ich müsse auf mich und meine Familie aufpassen, das es ihm leid tun würde und er alles versuchen würde um mich zu beschützen. In diesem Traum tauchten dann noch Zwei andere Engel auf die eben jenen mit sich zerrten, schnell wieder verschwunden waren. Ich war verwirrt und bin in der Nacht weinend zu meiner Mutter gelaufen. Seit dem war nie mehr etwas gewesen. War vielleicht der Engel der mein Vater war damals in einen Traum gekommen um mich zu warnen? Hätte ich all das verhindern können? Ich schluckte schwer, schloss einen Moment die Augen und fuhr mit der Hand durch mein Gesicht. Mir wurde kurz schwarz vor Augen, weshalb ich mich wieder auf dem Stuhl nieder ließ. Ich hätte wohl meine Familie retten können, wenn ich nur richtig zugehört hatte..
Es beruhigte mich das Engel scheinbar nicht anfangen würden zu stinken weil sie die Körperhygiene nicht kannten. Als er dann beinahe verlegen flüsterte das er Duschen sogar angenehm fand musste ich breit grinsen. "Ja, duschen ist wirklich sehr angenehm. Und man riecht danach gut." Nach einem stressigen Tag gab es kaum etwas besseres als eine heiße Dusche. Vielleicht konnte ich ihn nach der Beerdigung noch darum bitten sein Bad benutzen zu dürfen. Ich sah ihn weiter an und näherte mich ein wenig mit dem Kopf, roch an ihm und nickte. "Ja, wirklich. Du riechst gut." Ich merkte selbst wie seltsam das nun wieder war. Räuspernd fuhr ich mir durchs Haar. " Es beruhigt mich das der Körper geschützt ist, so lange du darin bist. Und du dir die Haare kämmst."

Ich lächelte ihn erleichtert und aufrichtig an. Es war wohl das erste dankbare Lächeln welches ich ihm schenkte, dem Engel der mich eigentlich töten sollte. Ich hatte durch die Zeit in der Army zar genug Geld um mir Motels und auch Essen zu kaufen, doch ich war einfach zu sparsam als das ich mir ein Zimmer nehmen würde. Dementsprechend konnte ich nur fertiges Essen kaufen, was einem nach einer Zeit wirklich zum Halse raus hing. Statt mir also immer irgendetwas ungesundes zu kaufen schenkte ich oft einfach einem Obdachlosen eine Mahlzeit oder auch ein wenig Geld damit sie die Nacht nicht frieren mussten. In der Zeit in der ich unter freiem Himmel lebte hatten mich schon einige Menschen zu sich aufgenommen. Es sind oft die Menschen die alles geben, obwohl sie nichts hatten. Umso mehr freute es mich eben diesen Leuten etwas geben zu können. Doch diese weiche, warme Seite lernten nur die Wenigsten kennen. Während ich in meinen Gedanken war sah ich ein wenig verwirrt zu ihm. "Hochzeiten..? Ich war noch nie auf einer. Die von meiner Mutter,.. ich war nicht eingeladen.." murmelte ich leise. Ich hatte mich gefreut, sehr sogar. Aber der Freund meiner Mutter erlaubte es mir nicht zu kommen. Das hatte er mir mit seiner Schlagfertigkeit zuvor gezeigt.. Oder es mich besser spüren lassen.
Mochte der Engel etwa Kartoffeln? Ich überlegte einen Moment. "Hm.. Kartoffeln sind gar nicht schlecht. Ich denke.. Kartoffeln mit gedünstetem Gemüse und einem kleinen Braten dazu. Du isst vermutlich nicht mit?" grinste ich ihn von der Seite an. Ich wusste das er es sicher interessant finden würde, jemanden kochen zu sehen.

Kaum fuhr ich auf den Parkplatz und war ausgestiegen sah sich der Engel auch schon um und ging zu den Einkaufswagen. Zu meiner Überraschung fischte er eine Münze aus seiner Tasche und löste einen Wagen, schob ihn vor sich her. "Ich nehme mal an du willst dich nicht in den Wagen setzen?" Ich grinste ihn an, sah kurz in die Richtung einer Frau die ihr Kind im Wagen durch die Gegend fuhr und ging mit ihm Richtung Eingang des Supermarktes. "Ja, auf in die Schlacht."
Während wir durch die Gänge des Marktes liefen sah sich Amatiel um, was ich nur grinsend betrachtete. Ab und an packte ich etwas in den Wagen, überlegte und räumte etwas wieder weg. Kartoffeln, Brokkoli, Möhren, Paprika und Zuccini lagen nun im Wagen. Fehlte nur noch das Fleisch, ein Rotwein und vielleicht ein wenig Nervennahrung. Ich wollte mich nicht neu einrichten, aber ein paar Kleinigkeiten konnten es schon sein. Als wir in die Süßwarenabteilung kamen, spielte sich gerade das Klischee Szenario ab. Ein schreiendes Kind, das sich auf den Boden warf und schrie "Ich will aber!" und daneben eine Mutter, genervt. Ich verdrehte die Augen. "Ich kann Kinder wirklich nicht leiden.. Zumindest in den meisten Fällen." murmelte ich.
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Engel
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BeitragThema: Re: What does it mean to be an Angel? (beendet)   11.11.16 0:12

Der Rothaarigen schien es nicht gut zu gehen. Zumindest sackte sie förmlich auf den Stuhl zurück. Der Priester legte den Kopf schief und musterte sie. "Geht es dir nicht gut? War der Kuchen verdorben?" Er hatte davon gehört, dass verdorbene Lebensmittel Menschen krank machen konnten und immerhin hatte sie gerade gegessen und das erschien ihm am logischsten. Ein wenig Sorge hatte sich in sein Gesicht geschlichen. Er wusste das es ein Krankenhaus gab, aber wie sollte er sie dort hin bekommen, wenn er nicht wusste, wie man Auto fuhr? Ihm fiel noch der Bus ein. Aber er wusste nicht ob das eine gute Idee war. Also hoffte Amatiel einfach, dass sie nicht plötzlich umfallen würde und hoffentlich auch nicht spontan starb. Dann hätte er zwei Leichen, die er nicht erklären konnte um sich. Oder besser gesagt nicht so erklären konnte, dass es Menschen verstehen konnten.
Seine Sorgen schienen jedoch unbegründet. Sie hatte sich wieder gefangen. Er nickte lächelnd. "Duschen ist toll." Ob es das warme Wasser auf der Haut war oder die angenehmen Gerüche oder einfach beides, das wusste er nicht. Aber es war ein kleiner Luxus, den er sich gönnte. Für Menschen war das wohl eher gewöhnlich, aber für ihn war es faszinierend gewesen, wie das Wasser einfach so aus der Wand kam. Vor allem war es überraschend gewesen, als er den Hebel zum ersten Mal umgelegt hatte und plötzlich sacknass im Badezimmer stand. Kaltes Wasser war weniger angenehm... Sie schnupperte an ihm und das irriterte ihn etwas. Aber trotzdem kam er nicht umhin kurz einen Schritt näher auf sie zuzugehen und ihr das gleichzutun. "Du auch.", meinte er. War das auch eine Art Komplimente zu verteilen? Allerdings hatte er das noch nie bei anderen Menschen beobachtet. Also war er sich nicht sicher ob man das normalerweise tun sollte. Er ging wieder artig auf Abstand. "Menschen mögen gute Gerüche?" Er zupfte sich kurz an seinen Haaren. "Ist nicht immer einfach..." Diese Haare waren wirklich oft widerspenstig.

Er runzelte wieder die Stirn. "Nicht eingeladen?" Der Engel setzte dazu an um etwas dazu zu sagen. Aber er kannte die Gründe nicht und verstand es nicht. "Es scheint doch aber ein sehr wichtiger Teil im Leben eines Menschen zu sein. Sie kleiden sich speziell und laden Menschen ein, die sie mögen." Das waren seine Eindrücke. Etwas irritiert fügte er an: "Sie weinen, weil sie glücklich sind. Das ist immer wieder seltsam." Schmunzelnd fügte er an. "Ich habe damals geglaubt, dass die Braut Angst vor ihrem Mann hat. Aber dann hat er auch geweint und ich habe nichts mehr verstanden." So viel zu der ersten Trauung, die er improvisiert hatte. Ob die Schwester seiner Hülle damals Angst hatte, als sie ihren Mann geheiratet hatte? Er wusste es nicht. Auf jeden Fall hatte sie jetzt Angst. Irgendwann würde er sich darum kümmern müssen.
"Kartoffeln wegen der Energie.", nickte er dann. Er hatte keine Ahnung von Essen, aber das Beispiel war ihm im Kopf geblieben. Dann schüttelte der Dunkelhaarige den Kopf. "Ich denke nicht. Es wäre Verschwendung. Ich würde es nicht schmecken. Ich könnte allerdings so tun als ob, falls es dich irritiert, wenn ich nur da sitze." Das würde sicherlich eigenartig sein. Aber noch war nichts gekocht. "Ich kann auch den Raum verlassen, wenn es dir unangenehm ist." War ja auch möglich.

"Ich bin doch gerade erst ausgestiegen?", meinte er verwundert. Dann sah er das Kind im Einkaufswagen und verstand, dass sie nicht das Auto meinte. "Meine Hülle ist zu alt und zu groß dafür.", stellte er trocken fest. "Dein Körper auch." Eine junge Frau war nun einmal kein Kind. Sie schien zu wissen, was sie brauchte. Er beobachtete das interessiert. In der Abteilung mit den Hygieneartikeln deutete er auf eine knallpinke Flasche Duschbad und murmelte: "Das ist wirklich gut." Immerhin hatte er das auch im Bad. Damit verschwand er in den nächsten Gang. Er starrte dann auf das Kind, wie auf ein Insekt. Ein verdammt ekelhaftes Insekt. Ein wenig Entsetzen war auch dabei. "Ich dachte immer, dass Kinder etwas Gutes wären.", meinte er dann. In so einer Situation konnte er die Abneigung mancher Engel auf die Menschheit doch nachvollziehen. Das Kind schrie weiter. Die Mutter setzte das Kind in den Wagen und war einen Gang weiter gelaufen um etwas zu holen. Amatiel sah sich kurz um und tippte dann dem Kind an die Stirn, als er sich sicher war, dass niemand hinsah. Es schlief ein. "Es quält sich doch nur.", murmelte er dann zu Rae. "Und meine Ohren..." Dann blickte er in Richtung Kasse. "Brauchen wir noch etwas?"

Er war froh als sie den Supermarkt wieder verlassen hatten. Jetzt wusste er wieder warum er lieber in Masse kaufte. Es war einfach Irrsinn, was man dort erlebte. Er half der Nephilim die Sachen auszuräumen und fuhr den Einkaufswagen weg und kletterte wieder auf den Beifahrersitz. "Einkaufen... ich frage mich, wie Menschen das aushalten. Das ist doch Irrsinn."
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Rae Black
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Nephilim
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BeitragThema: Re: What does it mean to be an Angel? (beendet)   11.11.16 1:12

Mein kurzer Zusammenbruch meiner inneren Mauer schien dem Engel natürlich aufgefallen zu sein. Ich hasste mich in diesem Moment wirklich selbst dafür nicht stark genug sein zu können bei diesem Gedanken. Doch es war wie ein Messer das sich langsam in mein Herz bohrte und sich fröhlich drehte. Desto weiter ich darüber nachdachte, desto mehr schmerzte es. Ich war Amatiel wirklich dankbar dafür das er im richtigen Moment die richtige Frage gestellt hatte. Schmunzelnd schüttelte ich nur den Kopf und fasste mich wieder. "Mir geht es gut, entschuldige.. Nein. Der Kuchen war wirklich gut." gab ich zu und lächelte ihn sanft an. "Die Dame versteht etwas vom Backen." Grinsend strich ich mir eine Haarsträhne hinter mein Ohr und musterte ihn wieder. Es war irgendwie niedlich zu sehen wie sehr Amatiel das Duschen genoss. Etwas so selbstverständliches für den Menschen konnte einen Engel also so fröhlich machen? Faszinierend. Während ich an dem Engel roch kam auch sein Kopf ein Stück näher und tat das Gleiche bei mir. Ich wusste nicht ob mich das nun verwirren sollte, oder ich aber lachen sollte. Ich lächelte beinahe verlegen. "Dankeschön." Mein Blick musterte den Körper des Engels weiterhin, als mir der Gedanke kam das Menschen das im Normalfall nicht tun sollten. "Eigentlich.. Tun Menschen sowas nicht. Aneinander riechen." grinste ich breit. Ich stellte mir in meinem Kopf vor wie er bei der nächsten Gelegenheit an jemandem roch, weil er dachte das sei höflich. Ein ziemlich lustiges Bild, allerdings würde mir das schon ziemlich leid tun für ihn. Nickend schlug ich die Beine übereinander. "Ja, Menschen mögen es wenn es gut riecht. Wobei jeder Mensch andere Düfte mag.. Ich zum Beispiel mag Blumen, Tannenduft, frisch gemähtes Gras und Minze. Andere mögen das gar nicht." Ich sprach ein wenig leiser, denn es war ungewohnt. Ungewohnt über mich und das was ich mochte zu sprechen. "Aber du hast es gut im Griff. Die Haare sehen super aus."

Wieder bestätigte ich die Nachfrage nur mit einem Nicken ohne ihn anzusehen. Er brachte es auf den Punkt. Hochzeiten waren große Dinge und ziemlich wichtig. Umso schlimmer war es damals für mich nicht dabei sein zu dürfen. Ich hatte es nie verstanden warum, aber ich traute mich auch nie zu fragen. Das hätte lediglich mehr Prügel bedeutet. "Ja, sind sie.. Ich wäre auch gern dabei gewesen. Aber der Freund meiner Mutter mochte mich nicht sonderlich." sprach ich leise und strich unterbwusst über eine Narbe an meinem Arm. Damals war er sogar mit einem Küchenmesser auf mich los gegangen als er betrunken war und ich ihn angeschrien habe, weil er meine Mutter betrogen hatte.
"Menschen weinen oft.. Aus den verschiedensten Gründen. Ich verstehe selbst oft nicht, warum." Ich blieb bei meiner Feststellung das Menschen wirklich seltsam waren. Tränen waren Emotionen, aber warum man die selben in Zwei ganz unterschiedlichen Gefühlen zeigte war mir ein Rätsel. Das Bild von einem verwirrten Amatiel am Traualtar mit einem weinenden Ehepaar vor sich munterte mich erneut auf. Seltsam wie mich das Bild eines ahnungslosen Engel aufmuntern konnte. "Scheinbar hast du aber bisher die Hochzeiten dennoch gut überlebt." grinste ich.
Die Kartoffel schien ihm wirklich im Kopf geblieben zu sein. Aber das war okay, Kartoffeln waren nun mal ziemlich lecker und konnten für unglaublich viele Gerichte herhalten. Irgendwie tat es mir leid das er wohl nie schmecken würde. Es gab vieles auf der Welt was wirklich einen tollen Geschmack hatte. Allerdings würde man mit ihm wohl leicht zusammen leben können wenn er nichts schmeckte oder gar aß. "Nein, das ist schon okay. Du brauchst auch nicht zu gehen wenn ich koche und esse. Schau dir das ruhig an, vermutlich ist das für dich wirklich interessant." Wirklich stören würde mich das nicht wenn er mr dabei zu sah. Immerhin wusste ich das er sich nicht lustig über mich machte, also konnte er von mir aus zusehen und lernen. Lächelnd sah ich ihn an.

Ich hob die Augenbraue und lachte. "Ja, da hast du Recht. Das war auch nur ein Spaß, ich würde deinen Engelsgleichen Hintern nicht durch den Supermarkt schieben." Breit grinsend fuhr ich vor und räumte das in den Wagen, was ich brauchte. In der Hygieneabteilung deutete er auf dieses Duschbad und schien wirklich überzeugt davon zu sein. "Ja, das kenne ich. Das riecht wirklich gut." Ich grinste ihn an. "Jetzt weiß ich auch, nach was du riechst." Ich fuhr weiter und legte den Kopf schief, als mir ein Gedanke kam der mich vermutlich in die Hölle bringen würde. Ob der Engel weiß, wozu sein Körper so im Stande war? Als ich die Kondompackungen sah musste ich daran denken wie er wie ein kleiner Junge herum saß und sich fragte, wozu dieses Ding wohl war.. Mit einem Kopfschütteln verwarf ich den Gedanken schnell und ermahnte mich im Kopf selbst. Doch ein breites Grinsen legte sich erneut auf meine Lippen.
Amatiel schien ebenfalls nicht viel von dem Kind zu halten. "Wenn es richtig erzogen wird, kann ein Kind etwas schönes sein." meinte ich ruhig. "Hier hat die Mutter wohl versagt." Gerade als ich wieder gehen wollte trat der Engel zu dem Kind im Einkaufswagen und berührte die Stirn des Kindes, kam zurück. Ich sah ihn mit großen Augen an, sah kurz zu dem jetzt ruhigen Kind und starrte wieder zu dem Engel. "Es quält sich nu,.. Amatiel, sag mir bitte das das Kind nur schläft." flüsterte ich ein wenig unruhig. Ich hoffte inständig das er dieses Kind nicht 'von seinem leid erlöst' hatte und wir nun eine zweite Leiche an der Backe hatten. "Nein,.. Das wäre alles." Den Rotwein hatte ich.

An der Kasse zahlte ich mit meiner Kreditkarte und verließ mit ihm den Laden, fuhr zum Wagen und öffnete den Kofferraum. Er half mir die Einkäufe einzuräumen und brachte den Wagen wieder weg. "Ja, ich hasse es auch. Leider ist das nötig, wenn man essen muss." Grinsend startete ich den Motor und fuhr wieder auf die Straße um wenig später vor dem Haus von der Hülle zu halten.Ich nahm die Papiertüte in den Arm und ging mit ihm wieder in das Haus, stellte sie in der Küche ab und räumte das Fleisch in die Kühlung. "Wow. Du hast ja sogar eine Kaffeemaschine." bemerkte ich lächelnd.
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Engel
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BeitragThema: Re: What does it mean to be an Angel? (beendet)   11.11.16 2:08

So ganz glaubte er ihr das nicht, aber dennoch setzte er wieder ein Lächeln auf. "Das sagen alle in der Gemeinde. Sie backt immer für die Gemeindenachmittage." Zum Glück fiel sein Nicht-Essen auch da nicht auf, da er meist in Gespräche gezogen würde, die er dann mehr oder weniger aktiv verfolgte. Je nachdem um was es ging. Bei vielen Dingen fehlte ihm auch einfach das Verständnis für manches. Er blieb dann doch lieber bei den Dingen, die mit Kirche zu tun hatten und ging nur selten auf Themen ein, die auf dünnes Eis führen konnten. Aber immerhin wurde er da auch schon mutiger. Man konnte nicht immer ausweichen und wegrennen. Der Engel arbeitete an sich. Er machte das seiner Meinung nach auch ganz gut. Allerdings war das aneinander riechen wohl ein kleiner Rückschritt. "Oh.", entfuhr es ihm leise. Wobei es sicher interessant war, welche Gerüche Menschen an sich herumtrugen. Obwohl...bei manchen eher weniger. Es gab Gerüche, die ihn etwas ekelten, wenn er ehrlich war. Auch, wenn er nicht immer Namen für diese Gerüche hatte.
Amatiel hörte ihr weiter zu. Es waren eigenartige Gerüche. Aber er kannte ein paar davon. Das mit dem Rasen und Minze. Denn Minze hatte er in einen dieser Beutelchen gesehen. "Ich mag den Geruch nach Regen.", antwortete er dann. "Und den Geruch von Weihrauch." Das Letztere war vielleicht etwas klischeehaft, aber er mochte es. Der Geruch hielt sich lange in der Kirche. Der Priester mochte es in die Kirche zu kommen und noch Spuren davon erahnen zu können. Es war ein angenehmer Geruch. So viel zu bevorzugten Gerüchen. Natürlich könnte er noch diverse Duschbäder aufzählen... Aber das war etwas anderes. Auf den Spruch mit den Haaren schmunzelte er.

"Das tut mir leid.", meinte er dann. Dass es in Familien nicht immer harmonisch zuging hatte er bei den Menschen gemerkt und das kannte er auch von seiner eigenen. "Familie kann man sich eben nicht aussuchen." Die Tatsache, dass durch eine Ehe eine Familie entstand und diese dann sich doch nicht eins war. Es war merkwürdig. "Blut ist auch nicht dicker als Wasser, wie ihr Menschen so gerne sagt." Rae wirkte traurig und er legte ihr kurz die Hand auf die Schulter. Das war angeblich beruhigend. Kurz hatte er auch über eine Umarmung nachgedacht, aber war sich nicht sicher gewesen ob das passt. "Menschen sind schwer zu begreifen.", bestätige er wieder. Amatiel lachte leise. "Es kamen auch noch keine Beschwerden. Ich denke das ist gut."
Gut, dann würde er eben bleiben, wenn das nicht störte. "In Ordnung." Er würde sicher nicht die komplizierten Handgriffe beim Kochen verstehen und alles was beachtet werden musste im Gedächtnis behalten. Das fiel ihm schon bei Kochsendungen manches Mal schwer. Aber es war sicher interessant. Da hatte sie Recht. Immerhin sah man im Fernsehen nicht immer alle Details und man roch es auch nicht. Es war eben anders. Er fragte sich ob sie genauso schnell Zwiebeln hacken konnte. Das sah immer so einfach aus. Er hatte bisher keinen Grund gehabt es auszuprobieren. Geschweigedenn Zwiebeln im Haus gehabt.

Wieder ging es um sein Hinterteil. Engelsgleich? "Das verstehe ich nicht. Er existiert nur an meiner Hülle. Er leuchtet nicht und ist auch nicht gefiedert." Amatiel war sichtbar verwirrt. Immerhin hatten sie sich ja schon darauf geeinigt, dass der Hintern nicht dick war. "Du verwirrst mich.", murmelte er. Lag vielleicht an ihrer menschlichen Hälfte. Der Priester ignorierte, dass sie gerade festgestellt haben, dass er offenbar öfters ein Damenduschbad benutzte. Er unterschied da nicht wirklich. Wenn es gut roch, dann roch es eben gut. Er hatte sich über die farbliche Akzentuierung an den Packungen nie Gedanken gemacht. Und auch über gewisse andere Packungen hatte er nie Gedanken verschwendet und vermutlich war es auch gut, dass er nicht in Raes Gedanken wühlte...
Er zuckte die Schultern. Das mit dem Kind sollte er besser nicht austesten. "Ich denke nicht, dass ich je in die Situation komme.", meinte er matt. Schon allein weil er seinem Kind sicher auch so eine Hetzjagd ersparen wollen würde, wie sie die Nephilim neben ihr durchmachte. Kinder fielen auch nicht vom Himmel. Alles, was zu einem Kind führte war ihm fremd. Er wusste, dass es Fortpflanzung gab und mehr auch nicht. Es war immer unwesentlich gewesen. Verständnislos sah der Engel die junge Frau an. "Natürlich schläft es. Was sollte denn sonst..oooh" Er grinste dann doch. "Das sähe anders aus... unschöner.", erklärte er dann leise.

Er war froh als sie zurück im Haus waren. Er beobachtete neugierig, wie sie alles verteilte. Fast als wäre sie Bestandteil des Haushalts. Es war ungewohnt, wenn man immer allein hauste. Aber sie störte nicht. Sie erwähnte die Kaffeemaschine. Der Dunkelhaarige nickte. "Soll ich dir Kaffee kochen?" Ein nettes Angebot, auch wenn alle anderen Gäste, die seinen Kaffee kannten, das eher als Mordversuch deuten würden. Er betrachtete die Lebensmittel. "Kann ich helfen?"
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Rae Black
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Nephilim
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BeitragThema: Re: What does it mean to be an Angel? (beendet)   11.11.16 2:50

Ich grinste wieder breit und räusperte mich erneut. Immerhin konnte ich Amatiel davor bewahren demnächst ziemlich seltsam angesehen zu werden wenn er versuchte an den menschen zu riechen. Ind er Gesellschaft würde sowas wohl nicht so als gute Tat gelten. Vor allem als Priester sollte er das nicht unbedingt tun. "Aber an mir darfst du jederzeit riechen, wenn dir danach ist." Ich musste leise lachen und grinste den Engel an. Er würde ziemlich sicher nicht verstehen, was ich meinte. Vielleicht war das auch besser so? Es war gut das er diese 'flirt'-Sprüche nicht als solche erkannte. Immerhin war er ein Engel und zusätzlich noch in der Hülle eines Priesters. Eines gutaussehenden Priesters..
Ein wenig verträumt sahh ich an ihm vorbei durch das Fenster. "Ja, Regen ist auch toll.. Ich mag es, wenn man den Regen gegen das Fenster prasseln hört. Das beruhigt mich." Das der Engel tatsächlich Lieblingsgerüche hatte.. Damit hätte ich nun nicht gerechnet. Aber es war irgendwie angenehm ein wenig über den Engel zu erfahren. Auch, wenn es nur die Leidenschaft der Dusche und Gerüche waren. Weihrauch klang wirklich nach einem Klischee, aber wenn ich ehrlich war kannte ich den Geruch davon nicht. Ich war noch nie in einer Kirche gewesen, außer dieses eine mal. "Weihrauch riecht sicher auch angenehm.. Ich weiß leider gar nicht, wie es riecht."

Noch unerwarteter als die Lieblingsdüfte des Engels war jedoch das was folgte. Eine Mitleitsbekundung hatte ich nicht wirklich erwartet, also sah ich auf. Er hatte es erfasst, Familie konnte man sich leider nicht aussuchen. "Dankeschön.. Leider nicht. Ich hatte nie ein problem mit meiner Mutter.. Da stimmte die Sache mit dem Blut und dem Wasser noch. Aber ihr Freund hasste mich. Da floss genug Blut.." Die letzten Worte flüsterte ich eher, als das ich sie wirklich betonte. Es war wirklich ziemlich ungewohnt etwas von mir zu erzählen und mich dabei nicht unwohl zu fühlen. Ich sprach immerhin mit dem Engel Amatiel, nicht mit dem Priester Paul. Erneut sah ich überrascht auf als die Hand des Engels sich auf meine Schulter verirrte und darauf verharrte. Es tat gut zu spüren das jemand da war, auch wenn es ein Engel in einem Priester war. Ich hatte mir selbst einfach mal in den Kopf gesetzt das da wirklich der Engel handelte, und nicht nur der Priester. Sein Lachen munterte mich ebenfalls ein wenig auf, also atmete ich tief aus und warf die negativen Gedanken wieder über Bord. "Ja, ich denke das ist sehr gut."

Im Eingangsbereich vom Supermarkt musste ich einen Augenblick mit dem Wagen anhalten und lehnte mich über diesen und lachte laut los. Ich spürte wie mir heiße Tränen in die Augen schossen die ich mir mehrmals wegwischen musste. Es dauerte eine ganze Weile bis ich mich wieder beruhigt hatte und meinen Bauch vor Schmerz hielt. Ich hatte wirklich ewig nicht mehr so gelacht wie mit diesem Engel. Diese bildliche Vorstellung zwang mich dazu den ganzen Körper des Priesters noch einmal zu mustern. Ich kam nicht drum herum länger, vermutlich zu lang an seinem Hinterteil zu verharren. "Das ist nur eine Redewendung.. Mal wieder. Ich wollte dich nicht verwirren, entschuldigung." Die Bilder von einem gefiederten, leuchtenden Hintern wollten aber einfach nicht weichen.
"Nein,.. Das hoffe ich auch nicht." meinte ich ehrlich. Ich würde niemandem wünschen so auf der Abschussliste zu stehen wie ich es tat. Es war wirklich kein einfaches Leben wenn man wusste vom Himmel verachtet zu werden. Immer auf der Flucht und in Todesangst leben ist wirklich nichts, was man jemandem antun sollte. Scheinbar hatte Amatiel es erst spät verstanden was ich meinte und fing sogar an zu grinsen. Zu meiner Erleichterung, denn selbst ich musste grinsen bei dem Gedanken. Ich hatte schon eine Verfolgungsjagt der Polizei im Kopf. Bonny und Clyde eben. "Okay,.. Dann bin ich beruhigt das das Kind nur schläft. Und du keine unschönen Dinge angestellt hast."

Ich sah lächelnd auf und nickte. "Wenn du möchtest, sehr gern." Ein Kaffee würde vermutlich gut tun. Ich hatte viel zu lang keinen guten Kaffee mehr gehabt. "Wenn du magst kannst du mir dabei helfen das Gemüse zu schneiden." Ich suchte ein Brettchen raus, legte das passende Messer dazu und griff ersteinmal zum Radio, schaltete leise Musik für den Hintergrund dazu. Mit Musik ließ sich alles viel besser erledigen. Dann wusch ich das Gemüse, um ihm ein wenig Zeit für den Kaffee zu geben. "Du hast sogar ein Klavier?" Stellte ich begeistert fest. Seit ich mir selbst beigebracht hatte es zu spielen liebte ich dieses Instrument.

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Amatiel
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Engel
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BeitragThema: Re: What does it mean to be an Angel? (beendet)   11.11.16 3:30

Der Priester sah sie verwirrt an. Es war also nicht okay an anderen zu riechen, aber es war okay an ihr zu riechen? Wenn das nicht irritierend war, was dann? Er legte den Kopf schief und hätte gewiss noch einmal nachgeharkt, aber dann fing sie vom Regen an und er nickte. "Ich mag Spaziergänge. Das beruhigt mich.", erwiderte er. "Auch nachts. Es ist schön, wenn alles sternenklar ist. Der Himmel sieht dann so friedlich aus. Also der Nachthimmel." Es war wie schwerer dunkelblauer Samt auf den kleine Kristalle gestickt waren, die aus der Ferne leicht flackerten. Er wusste nicht wirklich, was Samt war. Aber wenn er es wüsste, dann hätte er das so beschrieben. Der Engel sah zu ihr. "Weihrauch hat etwas Reines. Es ist so ein alter Geruch. Wirklich alt. Er erinnert mich an Vergangenes." Ein warmes Lächeln zierte sein Gesicht. Er mochte den Geruch. "Ich kann es dir später zeigen." Immerhin hatte er alles im Haus, was es dazu brauchte.

Hinter der ganzen Sache schien eine wirklich unschöne Geschichte zu stecken. Amatiel war sich nicht sicher ob er nachhaken sollte. Immerhin war das doch schon ziemlich ernst, wie es schien. Auf der anderen Seite war er Priester oder hatte sich dieses Amt zumindest selbst auferlegt mit der damaligen Entscheidung hier zu bleiben. "Ich bin da.", meinte er dann leise. "Wenn du darüber reden willst." Seelsorge - das konnte man bei einem Engel fast wörtlich nehmen. Allerdings würde er ihr kein Gespräch aufdrücken, wenn sie das nicht wollte. Er war sich nicht einmal sicher ob er das, was er zu hören bekommen würde richtig einordnen und verstehen konnte. Immerhin waren zwischenmenshcliche Dinge nicht sein Spezialgebiet. Es war immer schwer darauf zu reagieren. Man konnte so schnell das Falsche sagen. Deshalb schwieg er meistens. Aber ein Schweigen schien auch manchmal zu helfen.

Wieder lachte sie und es war ansteckend. Amatiel musste auch leise lachen, obwohl er gar nicht wusste warum. Vermutlich weil diese Hintern-Sache immer wieder ins Gespräch kam und das offenbar lustig war. "Menschen sind verwirrend. Ich kann es nur immer wieder sagen." Er schmunzelte. Amatiel hatte selten Grund und Gelegenheit zu lachen. Aber der Tag war so absurd gewesen, dass man darüber sicherlich nur lachen konnte. Ihren Blick nahm er nicht wirklich wahr. Immerhin waren das für ihn alles nur seltsame Gespräche und Witzeleien. Sie hatten einen Engel getötet und die Hülle begraben und jetzt waren sie im Supermarkt gewesen, als wäre das nie passiert. Das war doch kein menschliches Verhalten? Sie waren auch keine Menschen. Das wurde in so einem Moment wieder deutlich. Über die Vaterschaftssache waren sie sich offenbar einig. "Ich glaube ich wäre ein furchtbarer Vater. Ich wüsste gar nicht, wie ich damit umgehen soll." Ein Gedanke drängte sich auf. "Vielleicht ist mein Vater deshalb gegangen. Weil ihm seine Schöpfung auch überfordert hat oder enttäuscht." Er sah empört drein. "Kinder sind das Unschuldigste, was diese Welt in sich trägt. Wieso sollte ich eines töten? Auch wenn dieses sicherlich einmal kein guter Mensch wird..."

Motiviert ging der Engel ans Werk und setzte Kaffee auf. So wie er es immer tat. Er mochte den Geruch, würde es aber nie schmecken - was in diesem besonderen Fall auch gut so war. Er nickte. Beschäftigung war gut. Er nahm sein Werkzeug dafür entgegen und fing an das Gemüse zu schneiden. Nicht ganz so rasant wie in den Kochsendungen, aber das musste er ja auch nicht. Das Radio spielte nun. Er sah kurz auf das Gerät. Es war immer noch faszinierend. Als sie das Klavier ansprach, strahlte er. "Ja..." Im Wohnzimmer stand Pauls Klavier. "Es ist beruhigend.", erklärte er. "Ich spiele nicht gut." Seine Lernversuche waren holprig, aber es machte Fortschritte. "Paul schien gut darin gewesen zu sein." Er schnippelte sorgsam das Gemüse.Gleichmäßige Stücke. Das war wichtig wegen dem gleichmäßigen Garen. Das hatte der Koch im Fernsehen immer gesagt. Er schob ihr die Gemüsewürfel zu und schenkte ihr einen Kaffee ein. "Ich habe Zucker, aber keine Milch. Magst du Zucker?"
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Rae Black
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Nephilim
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BeitragThema: Re: What does it mean to be an Angel? (beendet)   11.11.16 4:19

Ich sah das Amatiel irritiert war und nicht verstand, warum ich meinte das er an mir riechen könnte wenn er wollte. Ein wenig erleichtert grinste ich nur auf meine Hände. Nickend nahm ich wahr was er über Spaziergänge in der Nacht und den Nachthimmel erzählte. Ich lächelte beinahe schon verträumt, denn ich liebte ebenfalls die Nacht. Die Nacht war so viel ruhiger und ehrlicher als der Tag es je sein könnte. Wenn der Himmel sich in einem tiefem Dunkelblau zeigte und die Sterne um die Wette strahlten, wenn die Welt um einen herum in der Dunkelheit versank und es still war.. Ich liebte die Nacht. Schon immer. "Ja, die Nacht ist wunderschön. Dunkel, ruhig und ehrlich." bestätigte ich sanft lächelnd. Die Beschreibung von Weihrauch erlaubte mir keine wirkliche Vorstellung, daher kam das Angebot passend. Ich nickte schnell, denn ich wollte wirklich wissen wie etwas altes, reines roch. "Ja, sehr gern."

Seine Hand verweilte einige Zeit auf meine Schulter. Kurz legte ich meine Hand auf seine und lächelte ihn dankbar an. Ich hoffte, das er diesen Ausdruck erkannte und nicht dachte ich wollte seine Hand von meiner Schulter weg legen. Ich spürte erst als meine Hand auf seiner lag wie eiskalt sie war. Meistens hatte ich kalte Hände, doch diesmal wirkten sie wirklich wie Eis. Mein Blick glitt wieder zu ihm und ich überlegte tatsächlich darüber zu reden. Wann hatte man schon die Chance mit einem Engel darüber zu reden? Wobei mir in dem Moment eher unwichtig war was Amatiel war. Es fiel mir leicht mit ihm zu sprechen, unabhängig davon was er war. "Naja.. Meine Mutter hat mich allein aufgezogen. Wie du weißt, war mein Vater ein Engel und konnte ihr nicht helfen. Sie lernte jemanden kennen, einen Mann und wurde glücklich. Sie bekamen eine Tochter, heirateten. Aber mich hasste der Mann. Erst waren es Kleinigkeiten wie Beleidigungen, Ausgrenzung vom Essen.. Bis er anfing mich zu schlagen. Erst nur ab und zu, dann regelmäßig. Jeden Tag. Immer öfter und stärker. Er hat mir die Nase gebrochen, etliche Knochen gebrochen indem er auf mich eingetreten hatte während ich am Boden lag.. Ein paar mal ging er mit einem Messer auf mich los. Ich glaube, er hätte mich umgebracht wenn er gekonnt hätte. Deshalb bin ich zur Army, um meiner Mutter ihr Glück mit der neuen Familie zu schenken." sprach ich ruhig und sah wieder auf meine Hände. Es fiel mir wirklich schwer darüber zu reden. Ich spürte quasi wieder wie mein ganzer Körper schmerzte und ich mich nicht bewegen konnte, froh war atmen zu können und nur Rippen gebrochen zu haben. Doch irgendwo war es auch erleichternd es jemandem zu erzählen. ich wusste das Amatiel nicht wie ein Mensch mit falschem Mitleid reagieren würde. Vielleicht würde er nicht wissen was er sagen sollte, aber das war mir lieber als jemanden zu haben der irgendwelche Trauersprüche heuchelte.

Der Engel lachte mit mir, während ich Bauchschmerzen vor Lachen bekam. Vermutlich lachte er eher, weil er einfach keine Ahnung hatte warum ich mich so amüsierte. Im Endeffekt war es mir auch unwichtig ob er es verstand, immerhin musste er nicht wissen das ich mir gerade vorstellte wie er lediglich ein paar Federn,.. Ich verschlug den Gedanken schnell wieder und sammelte mich. "Ja, Menschen sind ziemlich seltsam." Ich grinste wieder breit.
Mein Blick traf ihn von der Seite. "Nein, das glaube ich nicht. Ich denke du könntest sogar ein guter sein, wenn du dich erstmal an diese Situation gewöhnt hast. Aber hoffen wir mal, das es dazu nie kommt." meinte ich leicht schmunzelnd. Der nächste Gedanke klang irgendwo ziemlich weit hergeholt. Wenn ich allerdings berücksichtigte das wir über den verschwundenen Gott sprachen war wohl alles ziemlich absurd. Also zuckte ich nur mit den Schultern. "Vielleicht." Ich grinste wieder und räusperte mich leise. "Weil dieses Kind deine Ohren ziemlich gefoltert hat." Mein Grinsen blieb auf den Lippen, auch wenn er vermutlich Recht hatte was dieses Kind anging.

Während ich das Gemüse wusch kochte Amatiel ziemlich motiviert wirkend Kaffee. Ich lächelte nur und widmete mich dem Essen, holte Pfanne und Topf aus den Schränken. Der Kaffee lief durch und der Engel nahm sich das Messer um das Gemüse zu schneiden. "Es ist echt gut das du ein Engel bist.. Wenn du dir in den Finger schneidest, heilt es sofort." bemerkte ich breit grinsend. Scheinbar wusste er was er tun musste, also ließ ich ihn einfach machen und zerpflückte den Brokkli, setzte gleichzeitig die Kartoffeln auf und mixte ein paar Gewürze für das Fleisch. Amatiel hatte also auch versucht Klavier zu spielen.. Was er wohl als nicht gut bezeichnete? "Magst du mir etwas vorspielen, nach dem Essen? Ich spiele auch sehr gern Klavier.. Vielleicht kann ich mich auch noch einmal versuchen." Das würde mich wirklich freuen. Ich hatte Jahre lang nicht mehr an einem Klavier sitzen können.
Er schob mir das gehackte Gemüse zu, welches ich lächelnd zusammen in einen Topf gab um es zu garen. Während ich alles auf den Herdplatten verteilte, reichte der Engel mir eine Tasse Kaffe. "Danke. Das ist okay, ich brauche keine Milch.. Aber den Zucker nehm ich gern. Ja, ich mag Zucker sehr gern." Dankbar nahm ich die Tasse entgegen und streute ein wenig Zucker in den Kaffee, rührte mit dem Löffel um und lehnte mich an die Küchenzeile, nahm einen großen Schluck. Während ich den Kaffee im Mund hatte, zog sich jeder Muskel in meinem Körper zusammen und ich starrte einen Moment an die Wand, musste mich zusammen reißen den Kaffee nicht im hohen Bogen auszuspucken. Ich war stolz auf mich, als ich den Kaffee geschluckt hatte, hustete leicht und blickte zu dem Engel. "Entweder, du willst mich mit dem Kaffee töten.. Oder aber du hast heute Nacht etwas geplant, wofür ich keinerlei Anzeichen von Müdigkeit zeigen soll. Zweiteres hast du wohl geschafft." meinte ich lachend, stellte die Tasse auf die Theke. Das war der stärkste Kaffee, den ich jemals getrunken hatte. Wie viel Kaffee gibt der geflügelte Hintern nur in diese Kaffeemaschine?
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Amatiel
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Engel
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BeitragThema: Re: What does it mean to be an Angel? (beendet)   11.11.16 16:09

Hätte er es verstanden, dann hätte es ihn vielleicht noch ein wenig mehr verwirrt. Immerhin erwartete man das aus vielerlei Gründen nicht und das wäre eigentartig geworden. Aber so hielt man sich wieder bei anderen Gesprächen auf. "Ruhig, ja.", wiederholte er. Das vor allem. Wenn die Welt schlief und nur wenige sich den Weg durch die Straßen bahnten, dann war es angenehm dort draußen. "Die Welt ist dann weniger verwirrend." Vor allem weniger kompliziert. Alles reduzierter und klarer. Amatiel nickte. Dann würde er nachher etwas Weihrauch räuchern. Vielleicht ging es ihm nur so bei diesen Geruch, vielleicht würde sie es gar nicht mögen. Die Leute in der Kirche beschwerten sich nie. Aber so oft wurde auch nicht geräuchert. Das war im Programmbuch seiner Aufgaben nicht so vorgesehen. Wenn es nach ihm gehen würde, dann...

Der Priester merkte gar nicht, dass er immer noch die Hand auf ihrer Schulter hatte. Er zuckte nur kurz leicht mit den Fingern, als sie ihre Hand darüber legte. Das war seltsam. Er versuchte die Geste einzuordnen, wusste aber, dass er das schon gesehen hatte. Allerdings mit verschiedenen Deutungen. Ihr Hand war sehr kalt. Er fragte sich woran das lag. Immerhin waren sie doch an den selben Orten gewesen. Er sah die Hand eine ganze Weile verwundert an, als wäre dort irgendein Vogel gelandet oder sonst irgendetwas. Anscheinend waren die Körper von Menschen genauso eigenartig, wie Dinge, die sie bewegten. Es überraschte den Engel, als Rae wirklich anfing zu reden. Ihre Worte warfen wieder ziemlich viele Fragen über das Wesen der Menschen aus. Es schien keine schöne Kindheit gewesen zu sein. Nein, sein Bruder hätte ihr wohl nicht helfen können. Der Mann ihrer Mutter warf tatsächlich Fragen auf. Warum konnte man ein Kind so hassen? War es die Tatsache, dass sie nicht von seinem Blut war oder hatte der Vater geahnt, was sie war? Aber das würde auch keinen Sinn machen. Amatiel war verwirrt und auch ein wenig bestürzt, denn diese ganzen Verletzungen heilten nicht, wie einem Engel. Wie oft sie wohl im Krankenhaus gewesen war? Das waren alles Gedanken, die durch seinen Kopf rollten. Er wusste auch nicht, wie er sie behutsam aussprechen sollte. "Hat deine Mutter nie...?" versucht dazwischen zu gehen? sich gegen diese Beziehung entschieden? Da waren so viele Fragen. Amatiel legte den Kopf schief. Nein, er wusste nicht wirklich, was er sagen sollte. Er fragte sich ob Pauls Schwester genau so etwas durchmachte und wie lange schon und wie lange noch. Das war alles so kompliziert. Er hatte keine Worte und wusste nicht ob er Worte dafür finden würde. Der Engel fühlte sich im Angesicht dieser Informationen etwas hilflos. So etwas konnte man nicht mit Schwerten ändern. Da konnte man nur schweigen. Was würden Menschen in so einer Situation tun? Er zog seine Hand unter ihrer weg, aber nicht um den Raum zu verlassen oder die Hände zum Beten zu falten, sondern um es einfach mit einer Umarmung zu versuchen. Es wirkte vermutlich unbeholfen, aber war ehrlich gemeint. Er hatte Variationen von Umarmungen gesehen, aber er beschloss auf Schulterklopfen oder Streicheln zu verzichten.

Der Dunkelhaarige schüttelte den Kopf. Nein, er war sich ziemlich sicher, dass er kein guter Vater sein würde. Nicht, weil er das Kind hassen müsste oder anderweitiges, sondern weil er rein vom Menschlichen nicht fähig wäre Bedürfnisse des Kindes zu erkennen und vielleicht nie voll verstehen würde, was es dachte und fühlte und wieso es so handelte. Aber das stand ja eh nicht zur Debatte. Da hatte sie recht. Und damit entging er auch der Möglichkeit so ein kleines Monster wie das im Supermarkt zu bekommen. "Nicht nur meine Ohren...", murmelte er schmunzelnd. "Ich will nicht wissen, was es tun wird, wenn es größer ist." Die Mutter hätte dann vermutlich überhaupt keinen Einfluss mehr. Aber das war fremdes Leid. Das war nicht seine Schuld und nicht seine Aufgabe.

Ihre Wort ließen ihn aufhorchen. "Ich kann mit Klingen umgehen.", bemerkte er leise. Immerhin war er ein Kämpfer in Priesterkutte. Auch, wenn er schon lange keinen Grund mehr gesehen hat wirklich zu kämpfen. Das heute war wirklich mal wieder eine Abwechslung gewesen. Kochen war zwar noch etwas anderes als ein Kampf, aber auch diese Herausforderung nahm er an. "Ich kann es versuchen.", erwiderte er dann. Er hatte noch nicht für andere gespielt, wie es Paul wohl oft getan hatte. Aber er war auch nicht Paul und musste sich das erst aneignen. Amatiel nickte. "Gern." Offenbar konnte die Nephilim spielen. Die Reaktion auf sein Getränk verpasste er, weil er gerade etwas anderes zurechtrückte. Vermutlich hätte ihr Gesicht ihn nur irritiert. Woher sollte er wissen, dass der Kaffee scheußlich war? Aber ihre Worte waren doch verunsichernd. Er lief zu ihr und roch an dem Getränk. "Bisher hat sich noch keiner beschwert.", meinte er unschuldig und etwas betreten. Wieso sagte ihm das niemand? "Wieso sollte ich dich vom Schlafen abhalten? Ich habe heute nichts vor. Vielleicht etwas lesen...", erklärte sich der Engel dann. "Du brauchst Schlaf." Was sollte er denn vor haben? Sie würde nicht schlafen können. "Dann solltest du vielleicht noch einen Kräutertee trinken?", fügte er kleinlaut an. Das mit dem Kaffee war doch unangenehm.
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Rae Black
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Nephilim
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BeitragThema: Re: What does it mean to be an Angel? (beendet)   11.11.16 18:04

Das die Welt ihn nicht so verwirrte wenn der Großteil davon schlief verstand ich gut. Es ging mir ähnlich. In der Nacht sah man auf den Straßen kaum Menschen und ebenso kaum Handlungen die man nicht nachvollziehen konnte. Das Leben spielte sich eben doch zum Großteil am Tage ab, umso schöner war es die nacht zu nutzen. Sei es nun ein langer Spaziergang, oder aber die Weiterreise. Oft schlief ich am Tage, da dieser wärmer war als die Nacht. Diesen Trick hatte ich von einem Obdachlosen gelernt und wendete ihn oft an, wenn ich mal wieder ein paar Tage ohne Dach über den Kopf lebte. Ich freute mich irgendwie darauf Weihrauch riechen zu können. Generell mochte ich Räucherdüfte ziemlich gern, umso schöner fand ich es wenn es an Weihachten überall danach roch. Das Fest an sich mochte ich nicht, diese geheuchelte Familien-Liebe und Zwang der Geschenke.. Aber die Dekoration, die vielen Lichter und Düfte. Die mochte ich sehr gern.

Erst als ich meine Worte beendet hatte merkte ich das ich meine Hand noch immer auf seiner liegen hatte. Es war mir irgendwie peinlich, weil ich nicht wusste wie er diese Geste einordnete. Oder ob er sie überhaupt deuten konnte. Seine Hand war im Gegensatz zu meiner ziemlich warm und wärmte meine angenehm, fühlte sich ungewöhnlich weich an. Der Engel schwieg, bis tatsächlich ein paar Worte in Form einer nicht beendeten Frage folgten. Ich zuckte die Schulter leicht. Ich wusste nie, ob sie es mitbekommen hatte. Sie musste es irgendwann gemerkt haben. Aber ich glaubte, sie hatte einfach Angst davor es zu sehen weil sie nicht wusste was sie tun sollte. "Ich denke, das sie es gemerkt hat. Wenn das Kind immer wieder Knochenbrüche, eine blutende Nase, Platzwunden und ziemlich böse blaue Flecken hat merkt man das. Anfangs habe ich gesagt, in der Schule verprügelt worden zu sein. Aber irgendwann.. Als ich die Schule mied, weil alle mich angestarrt hatten.. Ich war immer ein Außenseiter. Meine Augen waren anders, ich war zu ruhig und bedacht für die heutige Gesellschaft. Deshalb war es für mich die beste Lösung meine Familie zu verlassen, um ihnen die Ruhe und das Glück zu schenken das eine Familie haben sollte. Ohne schwarzes Schaf. Ich glaube, meine Mutter hatte einfach Angst davor sich einzugestehen was Tatsache war." erklärte ich ruhig und seufzte ein wenig heiser. Ich sah ihm an das er nicht wusste wie er reagieren sollte. Also lächelte ich schwach. "Entschuldige. Ich wollte dich nicht so verunsichern." Das Folgende kam absolut unerwartet. Seine Hand zog er von meiner noch immer auf seiner ruhenden fort und umarmte mich einfach. Ein wenig als hätte er Angst mich zu zerbrechen, aber dennoch eine liebevolle Umarmung. Ich lächelte weiter, schloss die Augen und schmiegte mich einen Moment an ihn. Es tat ungewöhnlich gut.. Ich fühlte mich das erste mal wieder sicher und geborgen.

Breit grinsend nickte ich nur. "Da wird die Mutter noch genug Ärger mit haben. Aber das ist zum Glück weder meine, noch deine Angelegenheit." Damit war diese Sache auch schon wieder beendet. Diese verzogenen Kinder konnten nichts dafür, aber ich mochte sie nicht.
"Das hatte ich schon wieder vergessen." erwiderte ich grinsend. Der Engel der mit den Klingen umgehen konnte kämpfte gerade einen Kleinkrieg mit Gemüse aus. Alles hatte seine Vorteile. Meine Freude musste man mir deutlich ansehen können, als er zusagte etwas vorzuspielen. Es gab kaum etwas schöneres als den Klang eines Klavieres. Auch, wenn man es nicht richtig beherrschte. Ich wusste schon genau welches Lied ich spielen würde: Ludovico Einaudi - Nuvole Bianche. Mein Lieblingsstück. Während er an diesem tödlichen Kaffee roch hustete ich noch einmal kurz und lachte dann. "Vermutlich aus Höflichkeit." vermutete ich einfach mal. Oft war es so das man jemandem die Meinung nicht sagte, aus Freundlichkeit. Das verstand ich nie, ich sagte immer was ich dachte. Auch seine Ahnunglosigkeit bezüglich meiner Anspielung ließ mich wieder herzlich lachen und ich strich mir erneut eine kleine Träne aus dem Augenwinkel. Ich fühlte mich irgendwie seltsam, einem Engel und gleichzeitig Priester solche zweideutigen Anspielungen zu machen.. Wie gut, das er es nicht verstand und nie darauf eingehen würde. Schade, aber gut. "Alles ist gut, Amatiel. Ich denke, du hast einfach zu viel Kaffee in den Filter getan.. Du solltest den nicht voll machen, ein paar Löffel reichen." Es tat mir irgendwie leid, das ihm die Sache scheinbar unangenehm war. Daher klopfte ich ihm leicht auf die Schulter und ging zur Kaffeemaschine, nahm einen Filter und zeigte ihm wie viel Kaffe auf die Menge Wasser empfehlenswert war.

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Amatiel
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Engel
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BeitragThema: Re: What does it mean to be an Angel? (beendet)   11.11.16 19:18

Sie war ihm keine Erklärung schuldig und doch lieferte sie ihm eine. Amatiel konnte sich auch nicht vorstellen, dass eine Mutter das nicht merken würde. Selbst, wenn es wirklich in der Schule passiert wäre, dann konnte man doch trotzdem nicht weg sehen? Immer weniger konnte er das alles verstehen und nachvollziehen. "Pauls Schwester geht es ähnlich.", erwiderte er dann. "Ich habe es in seinen Tagebüchern gelesen." Eigentlich wollte er das nicht unbedingt erzählen, aber es schien zu passen. "Ich glaube nicht, dass ihre Ehe glücklich ist." Er schüttelte den Kopf. "Die Menschen sind grausamer untereinander als ich dachte. Ich muss den Leuten jeden Sonntag erzählen, wie eine Familie Schutz und Zuflucht bietet und die Realität sieht so viel anders aus." Als er merkte, dass sie die Umarmung offenbar so akzeptieren konnte, entschied er sich doch dafür kurz über den Rücken zu streichen. Dann hatte er das mit dem Trösten und Mitgefühl ausdrücken offenbar richtig gemacht. Er hatte wieder ihren Geruch in der Nase und musste zugeben, dass er dieses Duschbad auch kannte. Angenehmer Geruch. Allerdings schnupperte er nicht auffällig, denn das war ja unhöflich. Egal, was sie gesagt hatte. Es war ihm nur aufgefallen.

Nein. Dieses Kind war wirklich nicht das Problem der beiden. Er schmunzelte kurz. Es war schon verrückt. Eigentlich müsste sie damit rechnen, dass ein Engel ihr jeden Moment das Leben nimmt und dann vergaß sie so etwas? Aber sie waren sich ja beide einig gewesen, dass sie sich nicht töten würden. Heute nicht und später vermutlich auch nicht. Die Welt sollte ihren Kampf doch bitte alleine führen. "Ich glaube aber nicht, dass Engelsschwerter sich für Gemüse eignen." Zu klobig für den Küchengebrauch. Aber exzellent für den Kampf. Die Nephilim schien sich richtig auf das Instrument mit den vielen Tasten zu freuen. Diese Freude würde er ihr nicht verwehren. Wenn es so einfach war. Nachdem, was er über ihre Familie gelernt hatte, war er noch weniger gewillt ihr zu schaden als ohnehin schon. Es war sicherlich auch schön jemanden zuzuhören, der es konnte. Das merkte er beim Orgelspiel immer. Das war vermutlich das Beste am Gottesdienst. Vielleicht nicht übermäßig melodisch, aber angenehm. Aber ein Klavier würde es hier tun. Nebenbei konnte er ja den Weihrauch räuchern.
"Ich finde es nicht gerade höflich, wenn man nicht sagt, was ein anderer falsch macht.", murmelte er dann und nahm den Kaffee entgegen. Er schüttete das starke Gebräu in den Abguss. "Möchtest du einen neuen Kaffee?", fragte er dann. Den sollte sie dann möglichst selbst kochen bevor es ähnlich katastrophal wurde. Irgendetwas schien sie immer noch zu amüsieren und er wusste einfach nicht was. Er musterte sie fragend eine Weile. Aber er stieg einfach nicht dahinter. Sie zeigte ihm dann, wie man den Kaffee wohl besser kochte. Amatiel beschloss seine nächsten Gäste genauer zu beobachten.

Dann blickte er auf. "Gibt es noch etwas zu tun?" Er sah zu der Schneidunterlage und den Messern. Vermutlich war hier seit seiner Übernahme nicht mehr so viel Aktion und Leben in dieser Küche gewesen. Der Engel beobachtete sie dann weiter immerhin war sie ja hier die Köchin mit der Ahnung. Es war weniger schnell und hektisch wie in den Kochsendungen. Tatsächlich hatte es etwas beruhigendes den ganzen Handgriffen zu folgen und es zu beobachten. Es würde ihn vermutlich nicht zum Kochen verleiten. Er konnte es nicht schmecken und wenn schon der Kaffee so fürchterlich gewesen war, dann wollte er sich solche Versuche nicht ausmalen. Er lief etwas durch die Küche und er nahm einen Topfhandschuh in die Hand. "Wozu braucht man so etwas?" Darüber hatte er schon oft nachgedacht. "Es ist unhandlich." Dass es für Hände war, hatte er schon bemerkt. "Hilft es gegen Kälte im Winter?" Aber zugreifen war damit wirklich eine Zumutung.
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