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 Per Anhalter durchs Chaos

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Lusia Feligen
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BeitragThema: Per Anhalter durchs Chaos   06.12.16 17:17

Per Anhalter durchs Chaos
27.08.13 - Parkplatz nahe Lima - nachmittags - Filou und Lusia

Sieben Tage war es her als ihr kleiner Raubzug fast gescheitert wäre. Es war überraschend gewesen, dass sie in der Villa plötzlich noch einer Diebin begegnet war. Wann hatte man schon so ein Pech? Gut, die junge Frau war keine richtige Diebin gewesen. Immerhin war sie wie eine Abrissbirne durch das Gebäude gezogen und hatte natürlich die Aufmerksamkeit des Wachpersonals auf sich gezogen, als dieses zur nächtlichen Routinekontrolle vorbei kam. Wachhunde... aber diesmal hatte es nicht Lusia erwischt. Immerhin etwas. Am Ende hatte sie eine Nephilim bei sich zu Hause sitzen gehabt und die beiden hatten bei Whiskey und Pizza festgestellt, dass sie mehr gemeinsam hatten, als man denken könnte. Tatsächlich hatte die junge Frau sie wirklich sehr an sich selbst erinnert und sie hatte den anderen Rotschopf in dieser kurzen Zeit sehr lieb gewonnen. Aber die andere hatte nicht bleiben können.

Nun stand Lusia an einen Mietwagen gelehnt, in der fürchterlichsten Klamotte, die ihr Kleiderschrank zu bieten hatte und mit einer Perücke und Sonnenbrille am verabredeten Treffpunkt für die Übergabe und betrachtete die beiden Vasen über die sich diese Bekanntschaft mit dem Halbengel ergeben hatte. Dann stellte sie diese zurück in den gepolsterten Karton auf dem Fahrersitz. Die Verkleidung war notwendig. Einfach um die Anonymität zwischen Auftraggeber und ihr zu waren. Sie hatte schon öfters für den Typen geklaut. Ein Kunstsammler mit einem scheußlichen Geschmack. Die Vasen waren wirklich hässlich. Farben und Muster, die an Kinderkritzeleien erinnerten. Schmerzhaft für das Auge, besonders bei Tageslicht. Aber sie hatte sie nur stehlen sollen. Sie musste sich das Elend nicht in die Bude stellen. Nach einer Weile fuhr ein weiterer Mietwagen vor. Es war ein abgelegener Parkplatz vor der Stadt Lima. Nahe dem Highway. Das Geschäft würde von statten gehen und dann jeder wieder unerkannt verschwinden. Auch wenn Mietwagen zurückverfolgbar waren. Mit gefälschten Papieren war so vieles mehr möglich... Man lernte die Feinheiten einfach mit der Weile. Susan Cershaw hatte den Wagen gemietet, nicht Lusia Feligen. Sogar das Bild mit der Perücke war sehr gut gelungen. Ein Hoch auf Fotoautomaten. Sie war sich verdammt sicher, dass ihr Gegenüber ähnlich spielte. Aber das war ihr egal. Keiner der beiden würde den anderen anschwärzen. Dafür hatten beide zu viel zu verlieren und das war die beste Sicherheit, die man haben konnte. Sie nickte ihm zu und löste sich leicht von der Motorhaube. Im Vorbeifahren sah es vermutlich aus als hätten sich zwei zu einem Treffen schlüpfriger Natur verabredet, aber es war rein geschäftlich. Der Mann kam zu ihr herüber. Sie sah ein Stück der Papiertüte aus seiner Manteltasche schauen. Er hatte das Geld immer in Papiertüten. Meistens mit dem Aufdruck eines Juweliers. Sie wusste nicht ob er da nur recht einkaufte oder er dieser Juwelier war... Es interessierte auch nicht. Es folgte die übliche Umarmung in der man sich alle Details zuflüsterte.

Er steckte ihr die Papiertüte zu und nickte dann. Sie griff nach dem kleinen Karton. Sie überdeckte alles passend und man könnte meinen, dass darin nun wirklich die drei Packen Briefpapier waren, wie die Aufschrift vermuten ließ. Er prüfte den Inhalt und nickte wieder. Damit war der Handel gelaufen. Sie wartete, als ihr Auftraggeber zum Auto lief. So war es immer. Einer fuhr zuerst. Der andere später. Meist in verschiedene Richtungen. Kein Wiedersehen bis zum nächsten Auftrag. Sie wartete darauf, dass der andere verschwand. Immerhin wollte sie hier auch nicht Wurzeln schlagen und die Perücke war verdammt warm. Der Parkplatz wirkte wie ausgestorben. Nur ein Toilettenhäuschen war da, halb eingefallen und die Mülleimer quollen auch über. Es grenzte ein kleines Waldstück an.
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Filou Lloyd
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Phönix
Anmeldedatum : 16.09.16
BeitragThema: Re: Per Anhalter durchs Chaos   07.12.16 21:46

Filou drückte die linke Hand auf ihre rechte Schulter und torkelte mehr vor Erschöpfung, als dass sie aufrecht ging. Erst gestern war sie in spektakulärer Hollywood-Manier vor der Polizei getürmt, die Streifschüsse die sie dabei abbekommen hatte waren auch längt verheilt, nicht so aber die umfangreiche Deformation ihres rechten Armes. Gefühlt waren darin sämtliche Knochen gebrochen, inklusive etlicher kleiner Knochen der Hand. Obendrein war der Heilungsprozess verlangsamt, durch Eisensplitter, denen sie nicht wirklich hatte ausweichen können, als sie bei einer Kollision mit weiteren Polizeibeamten eine leere Lagerhalle abgebrannt hatte, in der anscheinend irgendetwas explosives gestanden hatte. Sie hatte es nicht mitbekommen, war sie doch schon halb aus dem Gebäude hinaus gewesen und hatte schnell verschwinden wollen. Vorsichtig versuchte sie sich den Arm zu besehen, bedauerlicherweise relativ erfolglos. Sie hatte schon versucht die Eisensplitter zu entfernen, aber zum einen zuckte sie jedes Mal zurück und zum anderen kam sie wahrscheinlich auch gar nicht an alle ran, obwohl sie schon Glück damit hatte, dass alle recht oberflächlich waren.

Nach kurzer Pause, in der sie mehrmals tief durchgeatmet hatte, in dem Versuch sich zumindest soweit aufzuraffen, dass sie weitergehen konnte, setzte sie ihren langsamen Marsch fort. Ehrlich gesagt hatte sie keine Ahnung, wo sie mittlerweile war. Irgendwo in Ohio vermutlich. Das ließ zumindest ein Ortsschild vermuten, an dem sie vor einer kleinen Ewigkeit vorbeigekommen war. Davon abgesehen war es auch recht unwichtig, wenn sie damit beschäftigt war nicht drauf zu gehen. Entgegen ihrer Erwartung sich irgendwo im Nirgendwo zu befinden, verriet der charakteristische Geruch von Mülltonnen in der Nähe ihrer feinen Nase, dass es hier zumindest irgendetwas geben musste. Wenn sie Glück hatte Menschen, vielleicht sogar nette, hilfsbereite Artgenossen oder einfach nur einen Parkplatz, auch damit wäre sie schon zufrieden, denn wo ein Parkplatz war kamen irgendwann auch Menschen vorbei. Ihr Gefühl sollte Filou nicht täuschen, nur kurze Zeit später hatte sie ein kleines Waldstück umrundet und ein annährend leerer Parkplatz mit einem Toilettenhäuschen rückte in ihr Blickfeld. Der Parkplatz war tatsächlich nur fast leer, denn da stand ein einzelnes Auto und irgendjemand stand daneben, von hier aus vermochte sie das Geschlecht der Person nicht zu bestimmen.

Nach kurzem Zögern, ob die Idee dorthin zu gehen wirklich so genial war, denn die ganze Situation wirkte schon mehr als zwielichtig, beschloss sie, dass es nicht mehr viel zu verlieren gab und es eigentlich nur noch besser werden konnte, in Anbetracht des vorangegangenen Tages. Daher ging sie weiter, die linke Hand weiterhin auf die rechte Schulter gedrückt, obwohl dies die eingesetzte Blutung auch nicht zu stillen vermochte - versuchen konnte man es ja. Mit so sicherem Schritt wie aktuell nur möglich gelangte sie in Sichtweite und von der seite her auch in Sichtrichtung der Person auf dem Parkplatz, deren Erscheinungsbild sie unter anderen Umständen sicherlich den Kopf hätte schütteln lassen. Wie immer hatte sie sich natürlich keine Gedanken darüber gemacht, wie ihr Plan aussah, wenn sie erst einmal hier angekommen war. "Hi, entschuldigung", meinte sie dann einfach nicht halb so enthusiastisch und lebhaft wie sie wollte, "wo genau bin ich hier?" An Direktheit hatte es dem Mädchen ja noch nie gemangelt.

[Es tut mir übrigens wahnsinnig leid, wie ich zwischen zwei Schreibweisen switche >.<]
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Lusia Feligen
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Mensch
Anmeldedatum : 10.09.16
BeitragThema: Re: Per Anhalter durchs Chaos   08.12.16 18:21

Sie wartete immer noch. Eine Viertelstunde oder länger erschien immer am besten. Aber so langsam wollte Lusia auch die Perücke wieder los werden. Das würde sie dann machen, wenn sie kurz vor Delaware angekommen war. Dabei war sie mit der Perücke ziemlich zufrieden. Sie war nicht so auffällig glänzend wie eine Faschingsperücke und das dunkelbraun wirkte auch natürlich. Sie mochte sogar die Frisur der Perücke. Ein leichter Bob, aber sie liebte ihr langes rotes Haar zu sehr um es für einen solchen Haarschnitt zu opfern. Und natürlich müsste sie aus diesen Klamotten. So etwas hatte nicht einmal ihre Großmutter getragen. Großgemusterte Blumenkleider mit einem sandfarbenen Cardigan. Wie kam so etwas überhaupt in ihren Schrank? Vermutlich hatte ihr das irgendwann ihre Mutter untergeschoben und sie hatte es nie getragen. Aus gutem Grund. Aber als Verkleidung waren solche Grässlichkeiten gut. Die Diebin hing so ihren Gedanken nach und merkte erst, dass da jemand auf sie zukam, als sie eine junge Stimme vernahm, die sie zurück in die Wirklichkeit riss. Vermutlich war die Viertelstunde schon lange um. "Hm?", gab sie einen Ton von sich, eine Art akustisches Wartezeichen bis ihr ganzes Denken wieder zurück auf dem Parkplatz angekommen war.

Dann heftete sich ihr Blick auf die junge Frau vor ihr. Viel eher ein Mädchen. Vermutlich nicht einmal 20 Jahre alt. Durch die Sonnenbrille sah man Lusia die Überraschung vermutlich nicht so sehr an. Höchstens an der leichten Wölbung der Augenbrauen, die ihre Stirn in sanfte Falten legte. Sie sah sich kurz um. Woher zur Hölle...? Mädchen fielen nicht einfach mal vom Himmel oder wuchsen aus dem Boden. Die Frage ihres Gegenübers war im Moment eher zweitrangig, da die Aufmerksamkeit des getarnten Rotschopfs gerade anderen Dingen galt. "Du bist verletzt.", stellte sie trocken fest und legte den Kopf schief. Das machte das Auftauchen der anderen nicht weniger mysteriös. "Das hier ist der letzte Rastplatz vor Lima.", beantworete sie schließlich die Frage. Ihr Blick lag immer noch auf dem Arm und der Schulter. "Soll ich dich ins Krankenhaus bringen?", fragte sie besorgt. "Das sieht wirklich nicht gut aus." Es schien so als würde sie sich wirklich immer mehr zu einem Krankentransport entwickeln. Nur, dass Rae jegliche ärztliche Hilfe verweigert hatte und Lusia sie letztlich bei sich zuhause mit Verbandszeug geflickt hatte. "Wie hast du das denn angestellt? Geht es dir gut?" Ein anderer Gedanke kam ihr auf, der langsam die Verwirrung verdrängte. Was war wenn dieses Mädchen Opfer eines Gewaltverbrechens geworden war? Großartig Lu, ehrlich. Der Kleinen geht es nicht gut und du redest dummes Zeug. Sie sah sich wieder um, als wäre wirklich ein möglicher Verfolger in der Nähe. "Wer hat dir das angetan? Soll ich dir Polizei rufen?", fragte sie dann besorgt nach. Wie konnte man auch ein so blutjunges Ding leiden sehen? Dazu hatte die Diebin ein zu großes Herz.

Sie hatte eine Hand schon am Handy in ihrem Cardigan. Sie öffnete die Tür zum Rücksitz. "Setz dich erst einmal. Hast du Durst?" Irgendwo flog sicher auch eine Wasserflasche im Fußraum herum. Vielleicht hatte sie längere Zeit nichts getrunken. Da gab es immerhin etliche Möglichkeiten. Erst einmal würde sie die Antworten abwarten bevor sie das Mädchen mit einem weiteren Wortschwall erschlagen würde. Das mit dem Arm sah wirklich nicht gesund aus.
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Filou Lloyd
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Phönix
Anmeldedatum : 16.09.16
BeitragThema: Re: Per Anhalter durchs Chaos   10.12.16 12:47

Nach ihrer direkten und etwas ungewöhnlichen Frage, wartete das dunkelhaarige Mädchen geduldigt auf eine Antwort. Ihre Gegenüber schien gedanklich irgendwo anders zu sein, jedenfalls erhielt sie zunächst nur einen irritierten Laut, ob des unerwarteten Aufweckens, als Antwort. Verdenken konnte sie es ihr nicht, immerhin war dieser Ort menschenleer und offenbar auch kein beliebter Rastplatz. Viel eher ein vergessener Parkplatz, der sicherlich gut und gerne zur Abwicklung bedenklicher Geschäfte dienen könnte. Sie wollte ihre Frage gerade höflich wiederholen, als ihr auffiel, dass die angesprochene Frau wieder in der Realität angekommen war, denn der Phoenix wurde gemustert, vermutlich eingeschätzt und Stirn der Frau legte sich in leichte Falten, bevor sie sich umsah. Anscheinend nach dem Ort suchend, von dem sie plötzlich kam. Noch immer hatte sie keine Antwort auf ihre Frage erhalten und seufzte leise. Ihre Laune sank noch ein Stück weiter, als stattdessen mit schiefgelegtem Kopf festgestellt wurde, dass sie verletzt sei. "Ist mir gar nicht aufgefallen", erwiderte sie sarkastisch, aber leise. Sie war gerade nicht in der Position frech zu werden, nicht solange sie auf Hilfe von Außen angewiesen war.

Schließlich erhielt sie aber doch noch eine Antwort wo sie war und diesmal legte sich ihre Stirn in Falten. "Danke", murmelte sie. Lima? Das war nahe der Grenze zu Indiana oder? Ihre geographischen Kenntnisse waren nicht immer die Besten, besonders hier in den nördlichen Staten, aber das dürfte so ungefähr hinkommen. Damit war sie in einem Tag doch recht weit gekommen, allerdings sollte sie lieber die Richtung ändern, auch wenn sie dann erneut durch Illinois müsste, vielleicht über Missouri und Kansas nach Westen? Das klang doch nach einem guten Plan. Washington oder Californien vielleicht. Sie war noch nie soweit im Westen gewesen und sie hatte schon immer mal die Golden Gate Bridge sehen wollen. Hatte Jack da drüber nicht mal einen Auftrag gehabt? Vielleicht konnte sie darüber neue Spuren aufnehmen? Jäh wurde diesmal sie aus ihren Gedanken gerissen, als die Frage zu ihr durchdrang, ob man sie in ein Krankenhaus bringen sollte. Gerade setzte sie zu einer Antwort an, als weitere Fragen auf sie einprasselten. Gemeinsam mit der Aussage, ihr Arm sähe wirklich nicht gut aus - welch Überraschung - fragte die Frau wie das passiert sei, ob es ihr gut gehe - sehr lustig. Erneut sah die Frau sich um, was auch immer sie gedacht hatte, offenbar war sie auf die Idee gekommen, sie könnte Opfer irgendeiner Gewalttat geworden sein. Filou hatte mittlerweile die Hand von ihrer Schulter genommen und angehoben, den Mund geöffnet, in dem Versuch das Bombardement der Frau zu unterbrechen. Erfolglos. Erst als sie die Tür zum Rücksitz geöffnet hatte und der perplexe Phoenix langsam wieder Durchblick bekam, konnte das Mädchen etwas sagen, bevor noch weitere Fragen kamen. "Miss! Bitte!", sie hatte die Stimme zu etwas höherer Lautstärke erhoben, um sich überhaupt Gehör zu verschaffen. "Ich sollte hier Panik schieben, also könnten Sie sich bitte beruhigen?" Sie betonte das 'bitte' nachdrücklich. Nachdem sie einmal tief ein und aus geatmet hatte um sich zu beruhigen begann sie die Fragen, welche sie sich vorsorglich gut gemerkt hatte, in der richtigen Reihenfolge zu beantworten.

"Kein Krankenhaus bitte, das wäre in meiner aktuellen Lage nicht gut. Das ist bei einer kleinen Explosion passiert, ich bin nicht schnell genug weggekommen, keine große Sache. Insofern war das also vermutlich meine eigene Schuld und um Gottes Willen keine Polizei!" Die Phoenix war eilig näher an die Frau herangetreten und hielt deren Arm fest, bevor diese noch ihr Handy herausholen konnte. Das fehlte gerade noch, dass sie in eine überhilfsbereite Person stolperte, die sie direkt der Polizei auslieferte. Allerdings sagte ihr irgendetwas, dass sie an dieser Stelle mit offenen Karten spielen konnte oder musste, viel Wahl hatte sie nicht. Sie war eine Erklärung schuldig, denn es war schon ziemlich eindeutig, wenn jemand derart auf den Vorschlag die Polizei zu rufen reagierte. "Ich bin übrigens Sassy", sie hatte beschlossen dies als Decknamen zu verwenden. "Hören Sie, die Polizei ist gerade alles Andere als mein bester Freund und ich wäre Ihnen sehr dankbar, würden Sie mich nicht ausliefern. Ich bin keine Gefahr für Sie", nein sie war ein Mensch, das spürte sie, "also brauchen Sie sich keine Sorgen machen. Natürlich verstehe ich, dass Sie meine Flucht vermutlich nicht unterstützen oder gutheißen können, dennoch wäre ich Ihnen sehr verbunden, könnten Sie einfach so tun, als hätten Sie mich nie gesehen." Davon abgesehen, dass diese Frau auch alles andere als unverdächtig wirkte, wie sie sich hier auf irgendeinem abgelegenen Parkplatz aufhielt.
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Lusia Feligen
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Mensch
Anmeldedatum : 10.09.16
BeitragThema: Re: Per Anhalter durchs Chaos   12.12.16 19:44

Der Unterton des Mädchens entging ihr nicht. Ihre Augenbrauen wanderten noch ein paar Millimeter weiter nach oben. Lusia hatte zwar selber eine große Klappe, aber sie wusste, dass sie sich zügeln würde, wenn ihr Arm wie moderne Kunst aussehen würde. Und das tat er tatsächlich. Gedanklich versuchte der Rotschopf das groteske Meisterwerk in eine Kunstepoche einzuordnen, während sie ihrem Gegenüber beobachtete. Es war einfaches Bitte. Ihr entfuhr ein immer noch perplexes "Keine Ursache." Sie wusste nicht, was hier eigentlich los war. Aber es war nicht üblich, dass einfach so verletzte Leute aus dem Nichts auftauchten und nach dem Weg fragten. Vor allem nicht auf diesem hintertupfigen Rastplatz. Das gefiel ihr irgendwie nicht. Dazu hatte sie ein viel zu großes Händchen dafür sich in seltsame Situationen zu manövrieren. Einbrüche bei Drachen, Kampfstunden mit Amazonen.... Solche Dinge eben.

Sie schnaubte kurz und lachte dann zynisch. "Hallo? Da läuft ein verletztes Mädchen auf mich zu und ich soll mir keine Gedanken machen? Hast du dich mal umgesehen? Das hier ist das Ende der Zivilisation. Wie würdest du da bitte denken?" Die Zivilisation war ein paar Meilen von hier entfernt, aber dieser Rastplatz war vermutlich ein wertvolles Relikt des 20.Jahrhundert und war sicher ein artengeschütztes Biotop für irgendwelche seltene Fliegenarten, die sich an dem Müll hier labten. Denn ganz vergessen konnte diese Abstiege hier nicht sein. Irgendjemand wechselte einmal im Monat die Mülltüten... und dann waren da noch Leute wie Lusia selbst. Sie sah ernst zu der Brünetten. Es ging sie nichts an, sie könnte auch ins Auto steigen und einfach wegfahren. Aber wie konnte man jemanden so zurücklassen? Der getarnte Rotschopf konnte es zumindest nicht. Zumindest nicht ohne driftigen Grund. Aber bisher hatte sie nicht den Eindruck gleich grausam sterben zu müssen. Auch mal ein beruhigender Gedanke.

Die Diebin runzelte erneut die Stirn. Begegnungen wie diese würden ihr irgendwann wirklich tiefe Falten verpassen. Das mit dem 'kein Krankenhaus' und 'keine Polizei' hatte sie vor kurzen schon einmal gehört und das mit der Explosion hatte sie vor kurzen selber erlebt. Immerhin war es ihre glorreiche Idee gewesen. Äußerst effektiv. Sie hatte den Fall verfolgt und man hatte die Ermittlungen fallen gelassen. Vermutlich, weil man eh nichts gefunden hatte. Die Beweismittel waren sorgfältig verbrannt und in kleine Teile zerflogen mit der Explosion. Danach hatte sie wirklich ruhig schlafen können. Bis dahin hatte sie wirklich geglaubt, dass jeden Moment die Polizei bei ihr anklopfen könnte. Gut, die Polizei hätte bei ihr mehrere Gründe zum Anklopfen... "Sassy....schon klar.", meinte sie dann gedehnt mit hörbaren Unglaube. Als würde man sein Kind so nennen. "Ich bin Susan."- genau so eine Lüge. "Die Polizei kann ich auch gerade nicht gebrauchen.", erwiderte sie dann. Immerhin müsste sie sich vorher umziehen, denn in Verkleidung und den Jackentaschen voll Geld und mit falschen Namen in eine Polizeiwache hineinzuspazieren wäre sehr unklug. "Ausliefern?" Das machte sie schon hellhörig. Anscheinend hatte die Kleine wirklich einiges angestellt. Auf der Flucht war sie auch. Sie lachte leise. "Wie stellst du dir das vor, Schätzchen? Dass ich in mein Auto steige und dich weiter so durch die Pampa laufen lasse?" War das ihr verdammter Ernst?

"Du bist verletzt. Wer weiß, was passiert, wenn man sich nicht drum kümmert." Sie seufzte leicht entnervt. Sie fühlte sich wirklich wie Fliegenpapier für Freaks. "Lass mich wenigstens mal drüber schauen. Ich habe Verbandszeug mit.", schlug sie dann vor. Bei Rae hatte sie auch Doktor gespielt. "Ich habe auch keine Ahnung, was du ausgefressen hast und ehrlich gesagt interessiert es mich nicht, weil ich genug eigene Probleme habe, aber hier im Nichts kann ich dich auch nicht lassen." Sie sah sich um. Das war nun mal ein Ort für höchst zweifelhafte Treffen. "Wer weiß, wer dich hier sonst noch aufgabelt. Das ist kein guter Ort für junge Mädchen." Sie sah zum Auto. "Wo musst du hin? Ich könnte dich ein Stück weit mitnehmen - wenn du mir versprichst, dass du irgendjemanden aufsuchst, der sich deinen Arm genauer anschaut." Ja, sie machte sich etwas Sorgen. Die Verletzung war nun einmal kein Kindergeburtstag. Wäre das ihre Tochter, dann würde sie jeden an die Kehle gehen, der das getan hatte. Aber so hatte 'Sassy' ja schon erklärt, wie es passiert war.
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Filou Lloyd
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Phönix
Anmeldedatum : 16.09.16
BeitragThema: Re: Per Anhalter durchs Chaos   23.12.16 23:35

Ihrer Gegenüber war der sarkastische Unterton Filous nicht entgangen, irgendwie hatte sie damit auch nicht ernsthaft gerechnet und die etwas weiter hochgezogene Augenbraue verriet, dass ihre große Klappe auf Unmut traf. Oder sie wurde gerade für vollkommen bescheuert gehalten. Vermutlich würde sie nicht anders reagieren, träfe sie auf jemanden in ihrer Situation, der weiterhin freche Äußerungen von sich gab. "Tut mir leid, das war nicht fair, Sie haben ja nichts falsches gesagt", gab sie kleinlaut zu. Die Situation war in einiger Hinsicht unangenehm, insofern war es auch nicht verwunderlich, dass sie misstrauisch blieb.

Demonstrativ sah sie sich um, drehte sich halb um sich selbst, weil sie keine Eule war, die den Kopf um 180 Grad drehen konnte und nickte dann langsam, als sie wieder in die Richtung ihrer Gesprächspartnerin sah. "Ja allerdings. Mir ist durchaus aufgefallen, dass wir hier im Nirgendwo sind." Die andere Frage war schon weitaus besser: Würde sie anders denken, würde ihr an diesem Ort ein verletztes Mädchen über den Weg laufen? Vermutlich, weil ihre Ausgangssituation eine andere war. Weil sie erkennen würde, dass es kein Mensch war und sie töten würde, anstatt ihr zu helfen. Aber das konnte sie natürlich nicht aussprechen. "Hm, nein, vermutlich haben Sie Recht... Ich würde mir auch Gedanken machen" - nur eben andere. Worüber sie sich jedoch sehr wohl Gedanken machte war die Frage, wieso die Frau noch nicht die Flucht ergriffen hatte. Das hier ging sie nichts an, sie hatte ihre Frage beantwortet, war nicht für sie verantwortlich und es konnte auch alles nicht sonderlich vertrauenserweckend wirken. Die Dunkelhaarige versuchte beiläufig erneut einen besseren Blick auf ihre Schulter zu erhaschen, als sie das unangenehme Gefühl hatte, durch irgendeine Bewegung eine Verschiebung der Metallsplitter bewirkt zu haben, natürlich funktionierte das auch diesmal nicht.

Filou, die sich als Sassy vorgestellt und durchaus den Mimikwechsel der Frau mitbekommen hatte, auch wenn sie es sich nicht ansehen ließ, verdrehte leicht die Augen. "Gut ich gebe zu, es ist ein Spitzname. Aber immerhin keine vollständige Lüge", letzteres sprach sie mit einem leicht herausfordernden Tonfall, denn 'Susan' hatte vermutlich genauso sehr gelogen wie sie selbst. Und verübeln konnte man es keiner von ihnen, immerhin wussten sie nicht, was er jeweils andere im Schilde führte und ob man einander nicht unter Umständen gefährlich werden könnte. Wer warf schon gerne mit seinem Namen um sich, wenn man etwas zu verbergen hatte? Oder sich auch nur an einem fragwürdigen Ort wie diesem Parkplatz befand? Diesen Fehler hatte der Phoenix in letzter Zeit ein bisschen zu oft begangen, ansonsten hätte sie sich den Ärger in Stillwater vielleicht ersparen können. Oder sie hätte einfach direkt weglaufen können - im Nachhinein war man stets klüger. Wo man gerade dabei war, es schien als könne 'Susan' die Polizei nach eigener Aussage auch nicht gebrauchen. "Das habe ich mir irgendwie gedacht", murmelte das Mädchen, sprach aber sofort weiter, "Nun ja, das wäre eine Möglichkeit. Einfach wegzufahren meine ich." Sie hätte ja mit den Schultern gezuckt, hielt das gerade aber für eine nicht unbedingt zielführende Idee und ließ es daher lieber bleiben.

"Uhm", in ihrer typisch sarkastischen Art kam sie nicht umhin, die rhetorische Frage der Frau zu beantworten. "Vermutlich würde ich irgendwann daran verenden." Vorübergehend. Ob sowas auch verheilte, wenn sie kurz starb? Sie würde es ausprobieren, aber sie hatte schon bei ihrer ersten Bekanntschaft mit der Zwischenwelt und Damian festgestellt, dass sie diese Welt nicht mochte. Es war gefühlslos, kalt ohne wirklich kalt zu sein und beängstigend, sie war eingesperrt und musste ihren eigenen toten Körper und ihre eignen toten Augen betrachten. Bei der Erinnerung bekam sie eine Gänsehaut. Und erneut lauschte sie einem Redeschwall, bevor sie überhaupt nur Luft holen konnte, um etwas zu sagen. Also wartete sie erst einmal ab. "Okay gut, dann frage ich auch nicht, was Sie hier suchen. Ansonsten habe ich im Moment keinen wirklichen Zielort", Filou hob die linke Schulter gleichgültig etwas an. "Also wenn Sie sich das zutrauen, könnten Sie vielleicht die Metallsplitter da rausziehen? Ich komme leider nicht ran, es dürften nicht viele sein, sie sind schwer zu übersehen ...?" Sobald sie die los war bestand zumindest eine reelle Chance, dass der Arm bald verheilen würde. Ein paar Tage vielleicht, weil es doch keine kleine Zerstörung war, aber das war nicht dramatisch. Deutlich problematischer war da schon der Schmerz, der definitiv einsetzen würde, sobald der Adrenalinpegel nachließ.
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Lusia Feligen
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Mensch
Anmeldedatum : 10.09.16
BeitragThema: Re: Per Anhalter durchs Chaos   24.12.16 11:48

Wenigstens schien die Kleine ihre Manieren wieder gefunden zu haben. Lusia ließ das unkommentiert. Immerhin hatte sie gelegentlich auch das Talent zur falschen Zeit die falschen Worte zu sagen. Aber mit genug negativer Erfahrung lernte man sogar irgendwann ein bisschen daraus. In Momenten wie diesen, sah sie deutlich ihre Großmutter vor sich, die erklärte, dass Alter nicht vor Dummheit schützte. Wenn sie an ihre Kundschaft dachte und die Leute auf den Straßen, dann war sie sich sicher, dass das zwar nicht genau das war, was ihre Großmutter gemeint hatte, aber durchaus auch zutreffend war. Trotzdem würde sie abwarten, wie sich das hier entwickelte.

Auf die Worte der anderen nickte sie. Wer würde sich auch keine Gedanken machen. Auch, wenn sie es immer noch sehr merkwürdig fand. Solange nicht gleich irgendwelche Monster aus einer Mülltonne sprangen oder ein Polizeihubschrauber filmreif über sie kreiste, sollte es ihr recht sein. Die Rothaarige sah auch keinen Grund zum Fliehen. Erstens war das hier ein Kind, zweitens war hier niemand, drittens: Das Kind war verletz und viertens: wieso sollte ein Kind sie angreifen? Die Verletzungen sahen wirklich nicht gut aus. Dagegen war der Hundebiss ja ein Spaziergang gewesen, wenn sie das so betrachtete. Wieso das Mädchen überhaupt in eine Explosion geraten war, war eine berechtigte Frage. Aber diese würde sie nicht stellen. Es gab Dinge, die konnte man nicht einfach fragen oder beantworten. Dennoch würde sie aufpassen. Dieses plötzliche Dasein von etwas war immer ein schlechtes Zeichen. Lu, jetzt bleib mal ruhig. Das ist ein verletztes Mädchen und kein Dämon, der dir an die Gurgel will. Ob man den Unterschied so merken würde? Aber man könnte es testen... Sie öffnete die Tür, griff in das Fach an der Innenseite und holte das kleine Fläschchen mit der klaren Flüssigkeit hervor. Das schraubte sie auf und schüttete den Inhalt dem Mädchen ins Gesicht. Für einen Moment hielt sie die Luft an. Dann ließ sie die Flasche etwas sinken. "Das tut mir leid.", meinte sie dann ehrlich und auch in einem unglaublich erleichterten Tonfall. "Aber ich brauchte einfach eine gewisse Absicherung, dass hier nicht gleich die Hölle losbricht..." Das mit der Hölle meinte sie auch so. "Es passiert einfach zu viel in letzter Zeit." Die Diebin lächelte kurz. Nein, sie wollte der Kleinen nichts Übles unterstellen. Lusia war keine Heldin, keine Jägerin. Sie war schon glücklich, wenn sie aus dem Gröbste draußen blieb.

Sie grinste leicht. "Oh...wir haben alle unsere kleinen Lügen." Sie wusste, dass die Brünette ihr Susan nicht abkaufte. "Aber wir haben auch alle unsere Gründe." Genau wie die Gründe gegen die Polizei. "Versteh schon.... der Weg ist das Ziel." Vermutlich wollte das Mädchen einfach nur nich den Zielort nennen. In den Klamotten könnte man sicherlich auch denken, dass Lusia irgendeine Verrückte war. Aber das war auch in Ordnung. Auf die nächsten Worte, wanderte ihr Blick wieder zu dem Arm. "Ich kann es versuchen, aber ich schätze es wird verdammt nochmal wehtun." Sie kramte wieder kurz im Auto und holte eine kleine Werkzeugkiste hervor. Aus dieser holte sie eine feine Zange. Fast schon ihr Lieblingswerkzeug, wenn es darum ging die Verschlüsse kleine Vitrinen oder Schlösser zu knacken. Da konnte sie wirklich schon fast von chirurgischer Präzision reden. Sie sah etwas zögernd auf die Schulter. Sie selbst würde sich vermutlich mit Alkohol betäuben oder mit dem Hammer bewusstlos schlagen bevor sie so etwas an sich zulassen würde. "Okay...", meinte sie gedehnt. "Dann wollen wir mal. Sag einfach, wenn ich aufhören soll." Lusia griff behutsam nach dem Arm um die Haut etwas auseinander zu drücken und Platz für die schmale Spitze der Zange zu machen. "Ich weiß nicht ob ich meinen Kind so etwas zumuten würde...", murmelte sie dann ihren Gedanken laut aus. Lu, du hast kein Kind. Die kleine Nephilim zählt nicht...du magst sie nur ziemlich. Ihre Gedanken waren auf ihr Tun gerichtet. Sie spürte den Widerstand des Metalls. "Auf 3. Drei, zwei..." Sie zog bei zwei. Ein Trick, den ihre Mutter bei ihr angewandt hatte, als sie einen lockeren Zahn ziehen wollte. Sie war zu unvorbereitet auf die zwei gewesen, als dass sie Schmerzen gehabt hatte. Gut, so ein Splitter war etwas anderes. Sie betrachtete das blutige Metall in der Zange. "Meinst du wir schaffen ein weiteres?"
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